Stand: 06.06.2018 17:52 Uhr

Gesundheitssystem braucht mehr Solidarität

Milliarden-Entlastung für gesetzlich Krankenversicherte, Mehrkosten für die Arbeitgeber: Das Bundeskabinett hat einen Gesetzentwurf von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) beschlossen. Er sieht unter anderem die Rückkehr zur sogenannten Parität in der Krankenversicherung vor. Der Zusatzbeitrag von durchschnittlich 1,0 Prozent soll ab Januar 2019 zu gleichen Teilen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern bezahlt werden. Die SPD hatte das in den Koalitionsverhandlungen verlangt und durchgesetzt. Scharfe Kritik an der neuen Regelung kommt aus der Wirtschaft.

Ein Kommentar von Martin Mair, ARD-Hauptstadtstudio

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Langfristig bringt uns die Rückkehr zur paritätischen Finanzierung keinen Millimeter weiter, meint Martin Mair im Kommentar.

Endlich! Die Arbeitgeber zahlen künftig wieder die Hälfte des Krankenkassenbeitrags. Damit werden die Kosten in der Medizin wieder gerechter verteilt. Klar, vielen dürfte das gar nicht so richtig auffallen, denn der Durchschnitts-Deutsche spart im Monat etwa 18 Euro. Trotzdem ist das Ganze weit mehr als Symbol-Politik, denn in der Summe sparen die Versicherten gigantische sieben Milliarden Euro im Jahr.

Die Rückkehr zur Parität ist gerecht

Nun ist uns unser Gesundheitssystem ebenso lieb wie teuer. Krankenhäuser, Ärzte, Pflegerinnen, Medikamente und Heilmittel verschlingen nämlich mehr als eine Milliarde Euro. Eine Milliarde Euro am Tag, wohlgemerkt.

Es ist deshalb wichtig, dass sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer diese Kosten wieder teilen. Das hat etwas mit Gerechtigkeit zu tun. Die Rückkehr zur Parität ist dafür ein gutes Signal - gerade in einer Zeit, in der bei vielen das Gefühl bröckelt, dass es in Deutschland halbwegs fair und gerecht zugeht. 

Deutsches Gesundheitssystem braucht große Reformen

Nur: Langfristig weiter bringt uns die Rückkehr zur paritätischen Finanzierung keinen Millimeter. Denn um künftig bezahlbar und gut bleiben zu können, bräuchte das deutsche Gesundheitssystem wirklich große Reformen. Und die würden vielen wirklich weh tun. Den überbezahlten Ärzten etwa, deren Gehälter und Honorare nicht so hoch bleiben können. Der Masse an Krankenhäusern, die wir uns mit viel zu vielen Betten leisten. Den Apothekern, die sich mit aller Macht etwa gegen den Versandhandel sperren und so die Medikamentenpreise hoch halten.

Auch die verwöhnten Patienten müssen umdenken

Wer jetzt denkt, da knicke ein Gesundheitsminister vor mächtigen Lobbygruppen ein, der macht es sich übrigens zu einfach. Denn auch wir als verwöhnte Patienten müssen umdenken. Die Anspruchshaltung ist nämlich gigantisch. Immer sofort vom Spezialisten behandelt werden zu wollen, der auch noch gefälligst um die Ecke seine Praxis zu haben hat, das wird in einer Gesellschaft, die immer älter wird, völlig unbezahlbar.

Die Kosten werden immer weiter steigen

Ohnehin kennen die Kosten im Gesundheitswesen nur einen einzigen Weg: den nach oben. Wir leisten uns in Deutschland eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt, das für eine große Masse an Versicherten so viel an Leistungen bietet wie nirgendwo sonst. Gut so. Doch wir erkaufen uns das, in dem wir immer mehr Geld in das System pumpen. Heute fast doppelt so viel wie vor 20 Jahren. Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen: Das geht auf Dauer nicht gut.

Wirklich zukunftsfest aber kann das deutsche Gesundheitssystem nur bleiben, wenn nicht nur die Ausgaben solidarisch finanziert werden. Alle Beteiligten müssen sich endlich solidarisch verhalten.

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Entlastung für gesetzlich Versicherte

Für gesetzlich Krankenversicherte soll es laut einem Gesetzentwurf Milliarden-Entlastungen geben. Damit setzt Schwarz-Rot einen zentralen Punkt des Koalitionsvertrags um. extern

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NDR Info | Kommentar | 06.06.2018 | 17:08 Uhr

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