Stand: 17.04.2018 10:54 Uhr

Schwere Infektionen im Garten verhindern

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Mit scharfem Werkzeug sollten Hobbygärtner vorsichtig sein.

Im Garten wird gemäht, geschnitten und gehackt, damit alles grünt und blüht. Doch im Frühjahr kommt es vermehrt zu Verletzungen bei der Gartenarbeit - vor allem, wenn Hobbygärtner an Gartengeräten wie Sägen oder Holzspaltern ungeübt sind. Krankheitserreger können in die Wunde gelangen und schwere Infektionen auslösen. Eine mögliche Quelle für Infektionen sind auch Komposthaufen: Dort lauern gefährliche Keime, zum Beispiel Staphylokokken, Tetanus-Clostridien, Schimmelpilze und Leptospiren. Sie können zum Teil lebensgefährliche Infektionen auslösen

Schwere Infektionen im Garten verhindern

Schwere Infektionen im Garten verhindern

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Bei der Gartenarbeit können bereits kleinste Verletzungen zu schweren Infektionen führen. Wie können sich Hobbygärtner vor den Gefahren schützen?

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Schwere Infektionen durch kleine Verletzungen

Die Gefahr einer Wundinfektion entsteht bereits durch eine kleine offene Stelle in der Haut, einen Kratzer oder durch den Stich einer Rose. In der Erde lauern Bakterien wie Staphylokokken, Streptokokken und andere Eitererreger. Kommt die verletzte Stelle damit in Berührung, können sich die Erreger regelrecht in die Haut hineinfressen. Im schlimmsten Fall kann es zu einer Blutvergiftung kommen.

Tetanus: Impfung auffrischen

Besonders gefährlich sind Clostridien. Diese Bakterien sind äußerst widerstandsfähig und kommen praktisch überall in der Umwelt vor. Sie können über Straßenstaub oder Erde in die Wunde gelangen und dort einen Giftstoff freisetzen, der ohne ausreichenden Impfschutz einen tödlichen Wundstarrkrampf (Tetanus) auslösen kann. Schutz vor Tetanus bietet nur eine Impfung, die alle sieben bis zehn Jahre aufgefrischt werden sollte.

Leptospiren im Urin von Ratten

Leptospiren werden vor allem über den Urin von Nagetieren wie Ratten übertragen, die von Lebensmittelresten im Komposthaufen angelockt werden. Die gefährlichen Erreger landen im Boden oder im Wasser. Dort überleben sie monatelang. Bei einer Infektion führen die Bakterien zu einer Leptospirose. Die Symptome reichen von Beschwerden wie bei einer Grippe bis hin zum Organversagen, wenn die Krankheit nicht rechtzeitig mit den richtigen Antibiotika gestoppt wird. Auch der Verzehr von bodennah wachsenden Gartenerzeugnissen kann krank machen, wenn sie mit Rattenurin in Berührung kommen.

Hanta-Virus: Übertragung durch Mäusekot

Das Hanta-Virus wird meist durch trockenen Mäusekot im aufgewirbelten Staub übertragen. Es kann schwere gesundheitliche Schäden auslösen. Mittlerweile gehört die Infektion mit Hanta-Viren zu den fünf häufigsten meldepflichtigen Viruskrankheiten. Das Problem: Viele Patienten und auch Ärzte kennen das Hanta-Virus nicht und wissen nicht, dass es so starke Beschwerden und Organschäden verursachen kann:

  • Ähnlich wie bei einem starken grippalen Infekt tritt ungewöhnlich hohes Fieber auf, zusammen mit Muskel- und Knochenschmerzen.
  • Die Nierenfunktion verschlechtert sich bis hin zum Nierenversagen.
  • Auch lebensbedrohende Blutungen können auftreten.

Behandeln können die Ärzte nur die Symptome der Infektion. Dabei geht es vor allem darum, dass sich die Nieren wieder erholen. Viel Flüssigkeit und im schlimmsten Fall eine Blutwäsche (Dialyse) sind die einzigen erfolgversprechenden Maßnahmen, denn es gibt weder eine speziell gegen Hanta-Viren gerichtete Therapie noch einen Impfstoff. Deshalb sollte jeglicher Kontakt zu Mäusen und deren Ausscheidungen vermieden werden.

Legionellen im Boden und Kompost

Boden und Kompost können auch Legionellen enthalten. Während die klassische Legionella pneumonophila eher in Wasserflächen vorkommt, breitet sich neuerdings Legionella longbeachae im Kompost aus.

Schutz vor Unfällen und Infektionen im Garten 

  • Hobbygärtner sollten stets Handschuhe und feste Schuhe tragen.
  • Bei der Arbeit mit scharfen Werkzeugen wie Axt, Beil, Sense oder Schere ist erhöhte Aufmerksamkeit erforderlich.
  • Räume, in denen sich möglicherweise Mäusekot befindet, vor dem Betreten 30 Minuten lüften und befeuchten, damit kein Staub aufwirbelt.
  • Beim Fegen des Gartenschuppens einen gut abdichtenden Mundschutz und Arbeitshandschuhe tragen.
  • Hat sich etwas im Rasenmäher verheddert, vor dem Entfernen immer den Stecker ziehen beziehungsweise die Benzinzufuhr unterbrechen. Wer den Rasen barfuß oder in Sandalen mäht, riskiert schwerste Fußverletzungen.  
  • Auch elektrische Gartenscheren führen häufig zu Unfällen, speziell bei Kindern. Diese Geräte sollten deshalb nie angeschlossen auf den Rasen gelegt werden, die Messer dürfen nicht zum Körper gehalten werden. Niemals sollte man mit der Schere über dem Kopf arbeiten, da sie so im Ernstfall kaum zur kontrollieren ist.
  • Zu gefährlichen Stürzen können wackelige Leitern, Stolperfallen wie Elektrokabel und Gartenschläuche oder aber nasse Terrassenplatten führen.

Erste Hilfe bei Verletzungen

Kommt es bei der Gartenarbeit zu einer Verletzung, sollte die Wunde sofort mit Wasser ausgewaschen, desinfiziert und mit einem Pflaster vor weiterer Verschmutzung geschützt werden. Beginnt die Wunde zu eitern, kann sich die Situation innerhalb weniger Stunden dramatisch verschlimmern. Im Zweifel die Wunde einem Arzt oder Chirurgen zeigen.

Sollte bei der Gartenarbeit ein Körperteil abgetrennt worden sein: einpacken und mit in die Klinik bringen. Auf keinen Fall direkt auf Eis legen, denn das kann die feinen Nerven zerstören.

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Interviewpartner

Prof. Dr. med. univ. Emil C. Reisinger, Chefarzt
Abteilung für Tropenmedizin, Infektionskrankheiten und Sektion Nephrologie
Zentrum für Innere Medizin II
Universitätsmedizin Rostock
Ernst-Heydemann-Straße 6, 18057 Rostock
Tel. (0381) 494-75 11, Fax (0381) 494-75 09
Internet: www.tropen.med.uni-rostock.de
 
Dr. Zaher Jandali, Chefarzt
Klinik für Plastische, Ästhetische, Rekonstruktive und Handchirurgie
Evangelisches Krankenhaus Oldenburg
Steinweg 13-17, 26122 Oldenburg
Tel. (0441) 236-25 60, Fax (0441) 236-364
Internet: www.evangelischeskrankenhaus.de

Dr. Jona F. Freise, Diplom-Biologe
Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
Task-Force Veterinärwesen, Fachbereich Schädlingsbekämpfung
Röverskamp 5, 26203 Wardenburg
Internet: www.laves.niedersachsen.de

Dr. Christoph Jüttner, Leitender Abteilungsarzt Nephrologie
Medizinische Klinik I - Nephrologie
Klinikum Osnabrück GmbH
Am Finkenhügel 1, 49076 Osnabrück
Internet: www.klinikum-os.de

Weitere Informationen
Robert Koch-Institut
Nordufer 20, 13353 Berlin
Informationen über Hanta-Viren: www.rki.de
Informationen über Leptospirose: www.rki.de

Informationen des niedersächsischen Landesgesundheitsamtes zu Hanta-Viren
www.nlga.niedersachsen.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 17.04.2018 | 20:15 Uhr

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