Stand: 19.11.2018 15:34 Uhr

Feinstaub und Lärm: Gefahr fürs Herz

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Feinstaub entsteht bei jeder Verbrennung, zum Beispiel im Automotor.

Feinstaub spielt offenbar eine entscheidende Rolle bei der Zunahme von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Neue Studien belegen, dass mehr Menschen durch schlechte Luft krank werden und sterben als bisher gedacht. Einige Experten halten die Feinstaubbelastung für noch gefährlicher als Stickoxide, die Reizgase, die derzeit im Zusammenhang mit unzureichend entgifteten Dieselmotoren und drohenden Fahrverboten diskutiert werden. An viel befahrenen Straßen tritt Feinstaub oft gemeinsam mit Stickoxiden und einer hohen Lärmbelastung auf. Dadurch kann sich die schädliche Wirkung auf die Gesundheit verstärken.

Weltweit sterben Schätzungen zufolge vier bis sechs Millionen Menschen an den Folgen der Luftverschmutzung. Die größte Belastung lässt sich an großen Straßen und in Häfen messen. Doch der Wind kann Feinstaub aus Großstädten bis zu 500 Kilometer weit übers Land verteilen.

Abgase kommen aus einem Auspuff

Feinstaub und Lärm: Gefahr fürs Herz

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Feinstaub in der Luft steht im Verdacht, Lunge, Herz und Blutgefäße zu schädigen. An viel befahrenen Straßen können Stickoxide und Lärm die schädliche Wirkung verstärken.

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Feinstaub entsteht beim Verbrennen

Feinstaub besteht aus Partikeln, die kleiner als ein Hundertstel Millimeter sind. Sie entstehen bei jedem Verbrennungsprozess, zum Beispiel in Motoren von Autos (Diesel und Benzin-Direkteinspritzer) und Schiffen, in Braunkohlekraftwerken, aber auch beim Abbrennen von Kerzen.

Ein Drittel des Feinstaubs besteht aus Teilchen, die durch chemische Reaktion verschiedener Substanzen entstehen. So reagiert zum Beispiel Stickstoffdioxid mit den Ammoniakemissionen aus der Intensivtierhaltung an der Luft zu Ammoniumnitrat - sekundärem Feinstaub. Auf diese Weise trägt auch die industrielle Landwirtschaft zur Feinstaubbelastung bei.

Bestandteile des Feinstaubs sind unter anderem Staub, Ruß, Metallpartikel und Chemikalien. Beim Verbrennen von billigem Schweröl in Schiffsmotoren entsteht Feinstaub, der viele krebserregende und entzündungsfördernde Stoffe enthält.

Feinstaub in der Lunge erhöht Krebsrisiko

Den inhalierbaren Feinstaub, das sind größere Teilchen bis zehn Mikrometer, fangen Haare und Schleim in der Nase beim Einatmen ab und transportieren ihn aus dem Körper. Der lungengängige Feinstaub bis 2,5 Mikrometer gelangt jedoch bis in die Lungen und setzt sich dort fest.

Experten vermuten, dass sich der Körper zunächst gegen die Stoffe wehrt. Gelangt jedoch zu viel Feinstaub in die Lunge, schafft er dies nicht mehr. Dadurch entstehen chronische Entzündungen, die das Krebsrisiko erhöhen können.

Eine Studie mit 5.000 Frauen aus dem Ruhrgebiet und Frauen, die auf dem Land leben, hat gezeigt: Wer großer Feinstaubbelastung ausgesetzt ist, hat ein niedrigeres Lungenvolumen. Zudem können die lungengängigen Partikel mit Rezeptoren in den Lungenbläschen interagieren und dadurch das vegetative Nervensystem beeinflussen.

Ultrafeine Partikel gelangen in den ganzen Körper

Ein Teil des Feinstaubs besteht aus ultrafeinen Partikeln (kleiner als 0,1 Mikrometer), die noch tiefer in den Körper eindringen. Gelangen sie in die Lungenbläschen, wo der Gasaustausch im Blut stattfindet, werden sie mit dem Blut in alle Organe transportiert. Dann sind vor allem die Blutgefäße und das Herz in Gefahr, denn auf Dauer können die Partikel auch dort zu chronischen Entzündungen führen. Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall können die Folgen sein. Auch Schäden im Gehirn sind denkbar. Die langfristigen Auswirkungen von Feinstaub auf die Gesundheit sind noch nicht ausreichend erforscht.

Lärm und Feinstaub wirken zusammen

Feinstaub und Lärm setzen den Körper unter Stress. Schon lange ist bekannt, dass Menschen, die Fluglärm ausgesetzt sind, häufiger an Bluthochdruck leiden. In einer Studie der Universität Mainz stellten die Forscher fest, dass schon eine einzige Nacht mit simuliertem Fluglärm zu einer messbaren Versteifung der Blutgefäße von Probanden führte. Die Wissenschaftler erkannten, dass Feinstaub und Lärm die Innenhaut der Blutgefäße (Endothel) schädigen und dadurch zu einer Arteriosklerose führen.

Grenzwerte für Feinstaub-Belastung

Wissenschaftler kritisieren die in Europa geltenden Feinstaub-Grenzwerte von 25 Mikrogramm pro Kubikmeter als zu hoch. Sie fordern eine Senkung auf ähnliche Werte wie in den USA (12 Mikrogramm pro Kubikmeter), Kanada (10 Mikrogramm pro Kubikmeter) oder Australien (8 Mikrogramm pro Kubikmeter).

Belastung mit Feinstaub reduzieren

Vor einer Feinstaubbelastung kann man sich nur bedingt schützen. Wer aufs Auto oder Kreuzfahrten verzichtet, kann dazu beitragen, die Luftverschmutzung möglichst gering zu halten.

Bei der Anschaffung eines neuen Autos sollte auch der Schadstoffausstoß berücksichtigt werden. Alternative Antriebssysteme wie moderne Hybrid-, Elektro- oder Gasmotoren bieten hier Vorteile gegenüber Dieselmotoren oder Benzinmotoren mit Direkteinspritzung.

An viel befahrenen Straßen und in Hafengebieten werden meist besonders hohe Konzentrationen von Feinstaub, Stickoxid und Ozon in der Luft gemessen. Dort sollte man sich selbst schützen und möglichst weder joggen noch Rad fahren oder spazieren gehen. Insbesondere bei sportlicher Aktivität atmet man häufiger und tiefer ein - damit gelangen auch mehr Schadstoffe in die Lungen.

Besonders effektiv können Raucher ihre Feinstaub-Belastung senken - indem sie mit dem Rauchen aufhören. Denn jede Zigarette entspricht etwa einer Stunde intensivem Abgaskonsum.

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Experten zum Thema

Prof. Dr. Johannes Lelieveld, Atmosphärenforscher
Abteilung Atmosphärenchemie
Max-Planck-Institut für Chemie
Hahn-Meitner-Weg 1
55128 Mainz
www.mpg.de

Univ.-Prof. Dr. Thomas Münzel, Direktor
Kardiologie I am Zentrum für Kardiologie
Universitätsmedizin Mainz
Langenbeckstraße 1
55131 Mainz
(06131) 17-72 51
www.unimedizin-mainz.de

Dr. Rüdiger Bock, Facharzt für Innere Medizin, Lungen- und Bronchialheilkunde, Allergologie
Lungenpraxis im Alstertal
Poppenbüttler Hauptstraße 13
22399 Hamburg
www.lungenpraxis-alstertal.de

Univ.-Prof. Dr. rer. nat. et med. habil. Andreas Daiber, Leiter
Arbeitsgruppe für Molekulare Kardiologie
Kardiologie I am Zentrum für Kardiologie
Universitätsmedizin Mainz
Langenbeckstraße 1
55131 Mainz
www.unimedizin-mainz.de

Weitere Informationen
Deutsche Herzstiftung e. V.
Bockenheimer Landstraße 94-96
60323 Frankfurt am Main
(069) 955 12 80
www.herzstiftung.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 20.11.2018 | 20:15 Uhr

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