Stand: 10.04.2018 11:19 Uhr  | Archiv

Experten warnen: Hüft-Operationen oft überflüssig

Frau stützt sich am Waschbeckenrand ab und hält sich die Hüfte © Fotolia.com Foto: Y's harmony
Experten gehen davon aus, dass jede fünfte in Deutschland implantierte Hüftprothese überflüssig ist.

In keinem anderen Land der Welt werden, gemessen an der Bevölkerungszahl, so viele künstliche Gelenke implantiert wie in Deutschland: rund 400.000 Stück im Jahr, davon sind die Hälfte Hüftprothesen. Doch gleichzeitig steigen die Komplikationsrate und die Zahl vorzeitiger Wechseloperationen. Jedes Jahr müssen rund 35.000 Kunstgelenke wieder ausgewechselt werden, weil sie nicht so lange halten wie geplant. Viele Patienten sind zudem unzufrieden mit ihrem neuen Gelenk. Experten gehen davon aus, dass jede fünfte in Deutschland implantierte Hüftprothese überflüssig ist.

Arthrose ist Hauptursache für Hüft-Probleme

Die Hauptursache für eine neue Hüfte ist Verschleiß (Arthrose). Eigentlich ist der Hüftkopf mit einer Knorpelschicht überzogen. Bei einer Arthrose ist diese schützende Knorpelschicht abgenutzt oder ganz verschwunden. Das führt zu Entzündungen und starken Schmerzen, die in die Leiste ausstrahlen - gemäß Lehrbuch ein klassisches Symptom für eine Hüftarthrose. Ist das Bein nur eingeschränkt oder unter Schmerzen beweglich, ist das ein weiteres Arthrosezeichen. Zum Beispiel fällt dann auch das Aufsteigen aufs Fahrrad schwer. Mit gezielter Physiotherapie lässt sich die Entzündungsreaktion stoppen und das Hüftgelenk stabilisieren. Halten die Schmerzen jedoch an, ist die Arthrose womöglich zu weit fortgeschritten. Reibt schon Knochen auf Knochen, bleibt nur noch ein Gelenkersatz, die sogenannte Hüfttotalendoprothese (Hüft-TEP).

Wenn die Muskeln schuld sind

Ist die Beweglichkeit des Beines jedoch nicht eingeschränkt, spricht das für eine andere Ursache der Leistenschmerzen. Ein Leistenbruch lässt sich ertasten und im Ultraschall aufspüren. Selbst wenn ein Röntgenbild eine altersgemäße Arthrose zeigt, sollte sich der Orthopäde nicht darauf allein verlassen und muskuläre Probleme als Verursacher der Leistenschmerzen in Erwägung ziehen. Bei einer Untersuchung mit den Händen kann er verschiedene sogenannte Triggerpunkte ertasten. Sind diese schmerzhaft, können muskuläre Dysbalancen, Verspannungen und Faszienverhärtungen die Ursache der Beschwerden sein. Besonders der Psoas-Muskel, ein starker Hüftbeuger, ist oft der Übeltäter. Er besteht aus mehreren Muskelsträngen, die entlang der Wirbelsäule entspringen und an einem Punkt gebündelt enden. Sind die Muskelstränge verspannt und verhärtet, entsteht an diesem Punkt ein großer Zug, der starke Leistenschmerzen verursacht.

Verhärtungen den Kampf ansagen

Lösen muskuläre Probleme die Leistenschmerzen aus, ist eine Hüftoperation überflüssig. Jetzt ist vor allem eines wichtig: Dehnübungen, um die Verhärtungen im Muskel zu lockern. Zum Beispiel können große Ausfallschritte den Psoas-Muskel aufdehnen. Mit Koordinationsübungen auf einem Wackelbrett lässt sich das Hüftgelenk stabilisieren. Nach Anleitung kann man diese Übungen gut zuhause machen.

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Visite | 10.04.2018 | 20:15 Uhr

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