Stand: 17.01.2017 17:00 Uhr  | Archiv

Erkältungswelle - Der Norden ist verschnupft

Verschnupfte Nase, entzündeter Hals und Fieber: Viele werden zurzeit von Erkältungserregern geplagt, die Praxen sind so voll wie schon lange nicht mehr. In den Kliniken häufen sich zudem Fälle von Lungenentzündungen durch verschleppte virale Atemwegsinfekte, auf deren Boden sich gefährliche Bakterien ausgebreitet haben.

Wie breiten sich die Erreger aus?

Anstecken kann man sich mit den Erkältungserregern überall, denn sie werden nicht nur durch Anniesen oder Anhusten verbreitet, sondern viel öfter durch direkten Kontakt. So zeigen Computersimulationen, wie sich ein Erreger in der U-Bahn ausbreitet, wenn ein Keimträger mitfährt: Die meisten Infektionen erfolgen dabei durch Berühren kontaminierter Flächen und weniger über direktes Anniesen. Dabei spielt es keine Rolle, ob ein Fahrgast vermeidet, sich irgendwo festzuhalten, oder mit einem Schal Mund und Nase schützt: Beim Aussteigen drückt er dann doch auf den Türknopf und holt sich dort die Viren ab. Fasst er sich danach an Mund oder Nase, können die Erreger in den Körper eindringen und eine Erkältung auslösen.

Innerhalb weniger Stunden verbreiten sich die Viren vom Halteknopf über das ganze U-Bahn-Netz und können so theoretisch Tausende Menschen infizieren. Auch wenn Viren auf porösem Material schnell austrocknen, bleiben sie immerhin vier Stunden am Leben. Auf harten, glatten Materialien wie Haltegriffen oder Plastiksitzen in Bussen und Bahnen können sie sogar bis zu neun Stunden überleben.

Wie kann man einer Erkältung vorbeugen?

Immun werden kann man gegen Erkältungserreger nicht, denn die Viren verändern sich ständig und zudem reagiert das Immunsystem bei Atemwegserkrankungen anders als bei Erregern, die sich im ganzen Körper ausbreiten. Der einzige Weg, sich in der Öffentlichkeit vor einer Infektion zu schützen, ist, Handschuhe zu tragen und zu Hause sofort die Hände gründlich mit Seife zu waschen. Das hilft gut gegen die meisten Viren und ist leicht umsetzbar. Wo immer es möglich ist, sollte man zudem Abstand zu anderen halten, indem man das Gesicht in Bus, Bahn und Wartezimmer weg von der schniefenden Masse zum Fenster dreht.

Daneben ist es vor allem in trockener Heizungsluft sehr sinnvoll, die Nasenschleimhaut feucht zu halten. So haben die Erreger kaum eine Chance, in den Körper zu gelangen. Hilfreich sind auch regelmäßige Nasenspülungen, um etwaige Erreger auszuwaschen, bevor sie Unheil anrichten können. Wer trotz aller Vorsichtsmaßnahmen erkrankt und die Symptome nicht in den Griff bekommt, sollte vorsichtshalber einen Arzt aufsuchen, um einer Lungenentzündung vorzubeugen.

Interviewpartner

Interviewpartner im Beitrag:
Dr. Maike Klingler
Fachärztin für Allgemeinmedizin und Notfallmedizin
Lange Straße 77, 26122 Oldenburg
Tel. (0441) 261 51, Fax (0441) 261 10
Internet: www.arztpraxis-oldenburg.de

Dr. Andreas Brüning
Facharzt für Allgemeinmedizin, Chirotherapie, Psychotherapie
Gemeinschaftspraxis am Schlosspark
Oldenburger Straße 218, 26180 Rastede
Tel. (04402) 863 72-0, Fax (04402) 863 72-29
Internet: www.gpblf.de

Dr. Hans Klose
Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie
II. Medizinische Klinik und Poliklinik – Sektion Pneumologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52, 20246 Hamburg
Internet: www.uke.de

Prof. Dr. Johannes K. Knobloch
Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie
Institut für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene
Arbeitsbereich Krankenhaushygiene
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52, 20246 Hamburg
Internet: www.uke.de

Prof. Dr. rer. nat. Thomas Clemen
Experte für Datenbanken und Informationssysteme
Prodekan für Internationales
Fakultät Technik und Informatik
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
Berliner Tor 7, 20099 Hamburg
E-Mail: thomas.clemen@haw-hamburg.de
Internet: www.haw-hamburg.de

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