Stand: 19.03.2018 14:54 Uhr

Erektionsstörungen behandeln: Was hilft?

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Bei Erektionsstörungen greifen viele Männer zur blauen Pille.

Die erektile Dysfunktion ist die häufigste Sexualstörung beim Mann. Laut Definition der Deutschen Gesellschaft für Urologie liegen Erektionsstörungen vor, wenn über einen Zeitraum von sechs Monaten oder länger mindestens 70 Prozent der Versuche, Geschlechtsverkehr zu vollziehen, erfolglos sind.

Medikamente aus dem Internet oft gefälscht

Aus Scham kaufen viele Betroffene potenzsteigernde Mittel in Online-Shops. Doch jedes zweite im Internet bestellte Potenzmittel ist gefälscht, heißt es in einer Untersuchung des Zentrallabors Deutscher Apotheker. Die Medikamente seien gepanscht oder enthielten eine zu geringe Dosis des Wirkstoffs Sildenafil ("Viagra").

Experten warnen außerdem vor pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln, die als harmlose Potenzmittel angepriesen werden. Darin wurde Sildenafil zum Teil in deutlich höherer Dosierung als in den üblichen Tabletten nachgewiesen.

Nahaufnahme von eingeschweißten Tabletten

Erektile Dysfunktion: Ursachen und Therapien

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Bei Erektionsstörungen bestellen viele Männer Potenzmittel wie Viagra im Internet. Doch jedes zweite Medikament ist gefälscht. Was hilft bei erektiler Dysfunktion?

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Jeder Dritte ab 60 hat eine erektile Dysfunktion

An einer erektilen Dysfunktion leidet in Deutschland etwa ein Drittel der über 60-Jährigen. Bei den 40- bis 49-Jährigen sind es zehn Prozent. Experten gehen davon aus, dass die Dunkelziffer weit höher liegt. Denn die erektile Dysfunktion ist ein Tabuthema. Viele Männer scheuen sich, darüber zu sprechen oder zum Arzt zu gehen. Doch dadurch verschlimmert sich das Problem häufig.

Erektion ist ein komplexer Vorgang

Eine Erektion ist nur durch das komplexe Zusammenspiel von Nerven, Blutgefäßen und Hormonen möglich. Sie entsteht durch eine gesteigerte Blutzufuhr in den Penis. Unter hohem Druck wird das Blut durch erweiterte Arterien in den Schwellkörper gepumpt. Dabei werden die Venen zusammengepresst. Durch den zunehmenden Druck im Schwellkörper wird der Penis steif.

Gründe für erektile Dysfunktion

Die Gründe für eine verminderte Erektionsfähigkeit sind vielfältig. Körperliche und psychische Ursachen können dabei eine Rolle spielen.

Zu einer verminderten Durchblutung des Schwellkörpers kommt es zum Beispiel durch

  • Rauchen
  • Alkohol
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel

Erektionsstörungen können auf einen drohenden Herzinfarkt oder Schlaganfall hinweisen, wenn die Ursache eine Arteriosklerose ist.

Auch Krankheiten des zentralen Nervensystems können eine erektile Dysfunktion auslösen:

  • Alzheimer
  • Morbus Parkinson
  • Multiple Sklerose
  • Diabetes mellitus
  • Bluthochdruck
  • Fettleber
  • gestörter Fettstoffwechsel

Psychische Gründe für Erektionsstörungen sind:

  • Stress
  • Depressionen
  • Angsterkrankungen
  • belastende Ereignisse

Mit zunehmendem Alter kann ein natürlicherweise sinkender Testosteronspiegel Erektionsprobleme verursachen.

In einigen Fällen tritt eine erektile Dysfunktion nach der Einnahme bestimmter Medikamente auf, zum Beispiel Antidepressiva, Hormontabletten oder Betablocker, oder nach Verletzungen (Beckenbodenfraktur) oder nach Prostatakrebs-Operation.

Viele Männer machen Bluthochdruck-Medikamente für die nachlassende Erektionsfähigkeit verantwortlich. Doch die Potenzstörungen sind nach Einschätzung der Deutschen Hochdruckliga eher die Folge anderer Gesundheitsstörungen. Diese Ansicht wird durch die Hope-3-Studie untermauert.

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Erektionsstörungen: Was der Arzt untersucht

Bestehen Potenzprobleme über mehrere Monate, sollten Betroffene ihren Hausarzt oder einen Urologen aufsuchen. Der Arzt wird zunächst in einem Gespräch klären, ob Vorerkrankungen, Verletzungen, Operationen, Medikamente oder Lebensumstände die Erkrankung ausgelöst haben können. Anschließend stehen mehrere Untersuchungen an:

  • Messung des Testosteronspiegels im Blut
  • Überprüfen des Penis auf Nervenschädigungen mit schwachen elektrischen Impulsen
  • Funktionsfähigkeit des Schwellkörpers per Injektionstest

Auch ein Aufenthalt im Schlaflabor kann helfen, die Ursachen für eine erektile Dysfunktion zu finden. Dabei wird gemessen, ob es im Schlaf zu spontanen Erektionen kommt. Sind die Werte normal, ist eine psychische Ursachen der Erektionsstörungen wahrscheinlich.

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Interview: Was tun bei einer Erektionsstörung?

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Therapie der erektilen Dysfunktion

Je nach Untersuchungsergebnis wird der Urologe den Betroffenen zur Behandlung an einen oder mehrere Fachärzte überweisen, zum Beispiel an einen Psychologen, Neurologen oder Kardiologen. Behandeln lässt sich eine erektile Dysfunktion abhängig von der Ursache beispielsweise mit einer Psychotherapie, Medikamenten, mechanischen Hilfen oder einer Operation.

Häufig wird bei Erektionsstörungen Testosteron als Gel oder per Spritze verabreicht. Tabletten mit dem Wirkstoff Sildenafil enthalten sogenannte PDE-5-Hemmer, die unter anderem eine Erweiterung der Blutgefäße bewirken. PDE-5-Hemmer sind allerdings wirkungslos bei einer erektilen Dysfunktion durch Nervenschäden.

Bei der Schwellkörper-Autoinjektions-Therapie (SKAT) spritzt sich der Mann - mit einer sehr dünnen Nadel - ein Medikament in den Penis. Ähnlich wirkt das sogenannte medikamentöse urethrale System zur Erektion (MUSE): Der Wirkstoff gelangt über eine Art Zäpfchen durch die Harnröhre in den Schwellkörper.

Andere Betroffene bekommen mittels einer Vakuumpumpe eine Erektion. Außerdem ist eine Implantation von Silikonkissen in den Schwellkörper möglich.

Muskelaufbau durch Sport und richtige Ernährung

Unerlässlich für die Erektionsfähigkeit ist eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung und regelmäßiger Bewegung. Kraft- und Ausdauersport stärken Muskeln und Gewebe und führen zu einer größeren Testosteron-Ausschüttung. Auch gezieltes Beckenbodentraining kann hilfreich sein.

Wer zu viele Pfunde auf den Rippen hat, profitiert von einer Gewichtsreduktion. Vor allem das Fett im Bauchraum zwischen den Organen muss verschwinden, denn es produziert große Mengen an störenden Hormonen.

Ähnlich wie Viagra wirkt der Eiweißbestandteil L-Arginin: Er hilft, die Gefäße zu erweitern und den Blutfluss zu steigern. L-Arginin findet sich vor allem in Kürbiskernen, Erdnüssen, Mandeln, Rindfleisch, Thunfisch, Huhn und Linsen.

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Interviewpartner

Prof. Dr. Mona Tawab
Stellvertretende Wissenschaftliche Leitung - Deputy Scientific Management
Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker
Carl-Mannich-Str. 20, 65760 Eschborn
Tel. (06196) 937 955
E-Mail: m.tawab@zentrallabor.com

Dr. Immo Ries
Facharzt für Urologie, Andrologie, Med. Tumortherapie
Urologische Praxis Othmarschen
Waitzstraße 22, 22607 Hamburg
Tel. (040) 21 90 97 10
E-Mail: info@urologe-in-hamburg.de
Internet: www.urologe-in-hamburg.de

Weitere Informationen
Impotenz Selbsthilfe
Übersicht zu Selbsthilfegruppen für Erektionsstörungen, sexualmedizinische Ambulanzen und Paarberatungsstellen in Deutschland.
Internet: http://impotenz-selbsthilfe.org/

Hope-3-Studie: Erektile Dysfunktion und Blutdrucksenker
http://www.onlinecjc.ca/article/S0828-282X(17)31091-7/fulltext

Deutsche Hochdruckliga
Blutdrucksenker und Erektionsstörungen
Internet: www.hochdruckliga.de/blutdrucksenker-und-erektionsstoerungen.html

Dieses Thema im Programm:

Visite | 20.03.2018 | 20:15 Uhr

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