Stand: 08.06.2016 08:52 Uhr  | Archiv

"Eigentlich verträgt jeder irgendein Statin"

Prof. Johannes Dahm lächelt in die Kamera.
Prof. Johannes B. Dahm hat Fragen im Chat beantwortet.

Weltweit zählen Cholesterinsenker zu den meistverkauften Medikamenten überhaupt. In Deutschland werden vor allem Medikamente aus der Wirkstoffgruppe der Statine eingesetzt. Sie senken den Cholesterinspiegel im Blut. Um die Versorgung der Zellen mit Cholesterin sicherzustellen, wird vermehrt LDL-Cholesterin aus dem Blut aufgenommen. So soll das Risiko für die Entstehung von Arteriosklerose, koronaren Herzerkrankungen und Schlaganfällen vermindert werden. Doch viele Patienten leiden unter den Nebenwirkungen der Statine, besonders häufig sind Muskelschmerzen. Was tun?

Prof. Johannes B. Dahm, Kardiologe und Angiologe aus Göttingen, hat Zuschauerfragen zum Thema im Chat beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen.

Statine: Die häufigsten Fragen und Antworten

 

Muss ich die Statine überhaupt einnehmen?
Wenn ein erhöhtes Gefäßatheroskleroserisiko oder gar ein Gefäßereignis (zum Beispiel Herzinfarkt) schon stattgefunden hat und die Cholesterinverteilung im Blut nicht günstig ist, muss man ein Statin einnehmen, nicht nur wegen der cholesterinsenkenden Wirkung, sondern wegen der günstigen Nebeneffekte (Verhinderung erneuter Infarkte, lebensverlängernde Wirkung).

Unbekannt: Ab welchem Wert spricht man von gefährlich hohen Cholesterinwerten?

Prof. Johannes B. Dahm: HDL unter 45 und LDL über 160.

nabari: Ich vertrage weder Statine noch Ezetrol, bekomme davon Leberschmerzen und -schwellung. Welche Alternativen gibt es noch? Gibt es ein gutes naturheilkundliches Präparat?

Dahm: Eigentlich verträgt jeder Mensch irgendein Statin. Als Nahrungsergänzungsmittel sind Knoblauchpräparate oder roter Reis zu empfehlen.

Flieger: Ich habe Probleme mit der Einnahme von Simvalip (20 Milligramm) gehabt - Muskelschmerzen und stechender Schmerz in der Wade. Ich habe dann umgestellt auf Ezetrol (10 Milligramm). Musste ich jetzt auch absetzen - wegen der gleichen Probleme. Gibt es noch eine Alternative?

Dahm: Nein, eigentlich sind nur die Statine und Ezetrol wirksam bei der Verhinderung der Arteriosklerose. Ich würde mal ausprobieren, ob das im Beitrag angesprochene Q10 helfen könnten.

Unbekannt: Nach welcher Zeit ist bei Statinen mit Nebenwirkungen zu rechnen?

Dahm: Eigentlich in der Regel nach vier bis sechs Wochen.

lili09: Können Cholesterinsenker Diabetes auslösen?

Dahm: Mit nur einer sehr geringen Wahrscheinlichkeit.

THOMAS: Soll ich bei einem LDL-Wert von 178 (HDL-Wert 38) Statine einnehmen?

Dahm: Nach den europäischen und amerikanischen Richtlinien wahrscheinlich ja.

kb: Wo kann ich den Statin-Gen-Test durchführen lassen?

Dahm: Der Arzt verschreibt den Test, der vom Patienten in der Apotheke dann käuflich zu erwerben ist. Der Arzt nimmt dann wiederum Blut ab und schickt den Test beziehungsweise die Teströhrchen zum Labor ein. Nach einigen Tagen kommt dann das Ergebnis.

Chrissy: Der genetische Bluttest wird doch von den Kassen übernommen. Ich habe ihn im Februar 2016 in Münster gemacht.

Dahm: Manche Privatkassen übernehmen die Kosten.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 07.06.2016 | 20:15 Uhr

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