Stand: 27.06.2017 23:06 Uhr  | Archiv

Chat-Protokoll zum Thema Schilddrüse

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Prof. Gerhard Hintze hat Fragen zum Thema Schilddrüse im Visite Chat beantwortet.

Man fühlt sich müde und abgeschlagen, ist schlechter Stimmung und das Gewicht ist auch nicht wirklich in den Griff zu bekommen. Oder das Herz rast immer wieder und ständig ist man unruhig. Das alles sind typische Merkmale einer Schilddrüsenerkrankung. Dabei produziert das Organ zu wenig oder zu viel TSH. Das Hormon steuert die Aktivität der Schilddrüse. Ziel der Therapie einer Schilddrüsenerkrankung ist es, den TSH-Wert zu normalisieren, bei einer Unterfunktion durch die Einnahme künstlicher Hormone, bei einer Überfunktion durch hemmende Präparate. Das ist nicht immer einfach, und häufig bleiben Beschwerden zurück, auch wenn der TSH-Wert sich wieder im Normbereich befindet. Wie kann man eine chronische Schilddrüsenentzündung erkennen, wie sie behandeln? Und was kann man tun, wenn trotz Therapie Beschwerden bleiben?

Der Endokrinologe Prof. Gerhard Hintze aus Lüneburg hat Fragen zum Thema im Visite Chat beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen.

Unbekannt: Vor etwa 20 Jahren wurde bei mir Hashimoto diagnostiziert. Seit etwa fünf Jahren habe ich Herzrhythmusstörungen und muss seitdem Betablocker und Marcumar nehmen. Kann dieses Vorhofflimmern durch die Thyroxin-Tabletten ausgelöst worden sein (100 mg/75 mg im Wechsel täglich)? Gibt es eine andere Lösung?

Prof. Gerhard Hintze: Entscheidend ist auch hier der TSH-Wert. Wenn der Wert im Normbereich liegt, halte ich es bei der Dauer der Erkrankung von 20 Jahren für unwahrscheinlich, dass die Herzrhythmusstörung hier durch die Schilddrüsenerkrankung verursacht wird. Eine andere Lösung als die Thyroxin-Gabe in richtiger Dosis gibt es nicht.

Lisbeth: Beim Radiologen wurde mir Hashimoto diagnostiziert. Bei der letzten Untersuchung beim Hausarzt lag mein TSH-Wert bei 4,18. Gleichzeitig habe ich Probleme mit sehr trockenen Augen. Kann das zusammenhängen? Ich bekomme zurzeit keine Medikamente. Augentropfen helfen - wenn überhaupt - nur kurzfristig.

Hintze: Ich würde in Ihrem Fall eine zunächst niedrige Hormondosis empfehlen. Trockene Augen sind ein untypisches Symptom.

Provence: Ich habe einen starken Tremor in den Händen. Kann die Ursache Hashimoto sein? Neurochirurgisch gibt es keinen Befund.

Hintze: Der Tremor ist nur bei Vorliegen einer Überfunktion ein Symptom. Ansonsten empfehle ich eine neurologische Vorstellung.

Unbekannt: Ich leide seit Jahren unter Hashimoto, der aber bisher mit Euthyrox gut eingestellt war. Seit Oktober 2016 habe ich alle Symptome einer Überfunktion (unter anderem Gewichtsverlust, erhöhte Stuhlfrequenz mit Durchfällen, Herzrasen, innere Unruhe). Blutbild, Magen-Darm-Spiegelung sind ohne Befund. Kann trotz normaler fT3-, fT4- und TSH-Werte eine Überfunktion vorliegen, zum Beispiel durch eine Autonomie oder Störungen der Hypophyse?

Hintze: Nein, eine Überfunktion halte ich für unwahrscheinlich. Aber: Mit der Hashimoto-Erkrankung können weitere Autoimmunerkrankungen assoziiert sein, die zum Beispiel auch den Darmtrakt betreffen.

Sabrina: Ich würde gerne auf natürliche Schilddrüsenhormone umsteigen (Rind oder Schwein). Warum tun sich die meisten Ärzte so schwer damit, diese zu verschreiben?

Hintze: Das Schilddrüsenhormon in den Tabletten unterscheidet sich in keinster Weise von den normalen in der Schilddrüse gebildeten Hormonen. Insofern besteht kein Grund, auf tierische Hormone umzusteigen.

Melodia: Wie entsteht Hashimoto - und warum? Was sind die typischen Ursachen? Dahingehend gibt es viele Aussagen und Meinungen. Was denken Sie?

Hintze: Hashimoto ist eine Autoimmunerkrankung, für die eine erbliche Veranlagung besteht und bei der es zu einer Bildung von Antikörpern gegen die Schilddrüsenzellen kommt.

Unbekannt: Ich habe oftmals starke Gelenk- und Beinschmerzen. Rheuma wurde ausgeschlossen. Kann dies an Hashimoto liegen? Und was mache ich, wenn mein Endokrinologe bestreitet, dass solche Symptome mit Hashimoto in Verbindung stehen können?

Hintze: Eine Unterfunktion kann diese Symptome auslösen, aber dies hat Ihr Endokrinologe sicher ausgeschlossen.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 27.06.2017 | 20:15 Uhr

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