Stand: 18.10.2017 10:17 Uhr  | Archiv

Chat-Protokoll zum Thema Rückenschmerzen

Dr. Christian Sturm zu Gast bei Visite.
Dr. Christian Sturm hat im Chat Fragen zum Thema Rückenschmerzen beantwortet.

Bei Rückenschmerzen lassen viele Ärzte gleich ein Röntgenbild, CT oder MRT machen. Doch bei neun von zehn Patienten ist die Ursache der Beschwerden völlig harmlos und die frühe Bildgebung laut aktueller Leitlinien überflüssig. Welche Untersuchungen sind sinnvoll, um eine Diagnose zu finden, auf welche kann man verzichten?

Ihre Fragen zum Thema Rückenschmerzen hat Orthopäde Dr. Christian Sturm von der Medizinischen Hochschule Hannover beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen.

Helga O.: Diagnose Sakroiliitis: Jetzt empfiehlt der Orthopäde Stoßwellentherapie. Ist dies sinnvoll, besonders weil ich es selber zahlen soll?

Dr. Christian Sturm: Stoßwellentherapie kann bei muskulären oder Problemen an Bändern hilfreich sein, für das Gelenk selbst ist Stoßwelle aus meiner Sicht nicht hilfreich.

vitoatsea: Ich bin 76 Jahre alt (m) und habe lebenslang Sport betrieben. Auch heute noch täglich bis zu drei Stunden Radfahren, Schwimmen, Laufen. Seit gut zwei Jahren habe ich Rückenschmerzen, vor allem am Morgen nach dem Aufstehen. Gut geht es mir beim Radfahren. Eine CT-Untersuchung hat nichts ergeben, auch gecheckt wegen eventueller Metastasen nach Blasenkrebs/Neoblase (Zystektomie) 2014. Auch die regelmäßige Behandlung beim Physiotherapeuten (Massage, Übungen, etc.) haben keine wesentliche Besserung gebracht. Trotz den Schmerzen kann ich mich aber sportlich entsprechend betätigen, wohl auch Dank täglicher Rückenmassage. Was kann man noch tun? Einfach zu alt?

Sturm: Ihre Schilderung klingt nach einer muskulären Ursache, da sie auch bei Bewegung besser wird und den morgendlichen typischen "Anlaufschmerz" beinhaltet. Generell würde Ihnen Dehnung besonders nach der sportlichen Tätigkeit sicher helfen. Überlegen Sie, welcher Muskel in der schmerzhaften Region ist und lesen Sie im Internet über passende Dehnübungen nach.

JUELLE: Ich habe täglich Rückenschmerzen rechts - zeitweise für ein paar Stunden mit Ausstrahlung in den großen Zeh und/oder Fußknöchel. Dort hatte ich vor drei Jahren auch eine Fußheberparese (Kraft ist zu 95 Prozent zurückgekommen), angeblich laut MRT ohne sichtbare Kompression, jedoch diverse Verengungen in den Foramen und Vorwölbungen. Würden Sie zu einer OP raten? Versuche seit Jahren Mehreres, um von den Schmerzen und Beeinträchtigungen loszukommen - bis jetzt ohne viel Erfolg.

Sturm: Zunächst sollte man eine muskuläre Stabilisierung der Lendenwirbelsäule gezielt über die Mm. multifidi versuchen, zum Beispiel mit Flexistäben oder Wackelbrettern, um die Scherkräfte an den Neuroforamina zu reduzieren. Ob eine Operation danach sinnvoll ist, hängt von Ihrem Leidensdruck ab.

Martin: Nach einer diagnostizierten Spinalkanalverengung möchte ich eine OP vermeiden. Welche konservativen Behandlungsmethoden empfehlen Sie mir? Ich betreibe regelmäßig Fitness und trainiere meinen Rücken mit Flex und anderen Rückentrainingsprogrammen.

Sturm: Für Sie gilt auch die Empfehlung mit dem Training der Multifidi-Muskeln.

Schnecke13jm: Ich habe Schmerzen bei den eben erwähnten versteckten quadratischen Muskeln. Wenn ich am Wochenende ausschlafe beziehungsweise gern ausschlafen möchte, habe ich besonders Schmerzen. Haben Sie bestimmte Übungen dafür oder muss ich zum Orthopäden oder Physiotherapeuten?

Sturm: Dehnung des Muskels geht am besten im Stehen mit dem Arm über den Kopf gehoben. Dann sich zur Gegenseite schräg nach vorne langsam vorbeugen, ungefähr im 45-Grad-Winkel, bis Spannung am Rücken entsteht. Dort in Ruhe 45 Sekunden halten und ruhig ein- und ausatmen. Für beide Seiten jeweils dreimal wiederholen.

Munic76: Ich habe eine bekannte Osteochondrose im Bereich des fünften Lendenwirbels. Physio, Krankengymnastik und Schmerzmittel bringen keine Linderung. Was kann ich tun?

Sturm: Wenn alle Maßnahmen bereits ausgeschöpft sind und Sie weiterhin starke Schmerzen haben, kann auch eine Operation eine sinnvolle Maßnahme sein. Ob die Maßnahmen immer richtig durchgeführt sind, können wir von hier natürlich nicht entscheiden und auch Schmerzmittel sind meistens noch nicht ausgereizt.

Unbekannt: Ich hatte vor zehn Jahren eine Rückenoperation und habe seit dieser Zeit Schmerzen im Operationsbereich (Narbenbereich). Trotz Massagen und Gymnastik bleiben die Schmerzen immer da. Gibt es eine spezielle Rückenbehandlung für die vorhandene Narbenbildung?

Sturm: Es gibt eine besondere Form der Bindegewebsmassage, die man modifiziert auch zur Lockerung von Narben nutzen kann. Möglicherweise bestehen die Schmerzen, wenn Sie seit der Operation aufgetreten sind, aber auch, weil bei der Operation das Ursprungsproblem gar nicht gelöst wurde.

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