Stand: 03.08.2016 11:00 Uhr  | Archiv

Chat-Protokoll zum Thema Nierenschwäche

Eine aktuelle Studie liefert erschreckende Zahlen: Experten gehen demnach davon aus, dass zwei Millionen Menschen in Deutschland eine chronische Nierenschwäche haben - und nur ein Drittel dieser Menschen davon weiß. In höherem Alter steigt das Risiko für eine Nierenschwäche deutlich an, und wenn die Nieren nicht mehr arbeiten, gerät das Leben in Gefahr. Viele Menschen aber ahnen gar nicht, dass ihre Nieren nur noch eingeschränkt funktionieren, denn eine beginnende Schwäche löst keine merklichen Symptome aus.

Thorsten Feldkamp
Prof. Thorsten Feldkamp hat Fragen im Chat beantwortet.

Eine rechtzeitige Diagnose ist jedoch die einzige Chance, mögliche Auslöser - wie Bluthochdruck und Diabetes - zu behandeln und möglichst alle Faktoren auszuschalten, die die Niere zusätzlich schädigen, zum Beispiel bestimmte Medikamente. Welche Maßnahmen helfen?

Prof. Thorsten Feldkamp, Nierenspezialist aus Kiel, hat Zuschauerfragen zum Thema im Chat beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen.

Nierenschwäche: Die Fragen und Antworten

Unbekannt: Ich nehme Ciclosporin und Prednison, habe eine Niereninsuffizienz zweiten Grades. Was kann ich tun?

Prof. Thorsten Feldkamp: Ciclosporin (das die Immunabwehr unterdrückt) ist ein toxisches Medikament für die Niere. Deswegen sollten Sie unbedingt weitere toxische Medikamente vermeiden, wie zum Beispiel Antirheumatika.

spike: Hallo, ich habe eine Vaskulitis, nehme deshalb MTX 20 mg und Kortison 5 mg (Erhaltungsdosis). Mein GFR-Wert ist seit Längerem erniedrigt (70) - ist das schon eine beginnende Nierenschwäche? Aufgrund der rheumatischen Erkrankung hab ich auch einen Diabetes und muss Insulin spritzen. Müssen die Nieren überwacht werden? Bis jetzt hat weder der Hausarzt noch die Rheumatologin etwas gesagt.

Feldkamp: Ob Sie eine Nierenschwäche haben, könnte man daran sehen, dass Sie Blut oder Eiweiß im Urin haben. Ein GFR-Wert von 70 allein reicht nicht für eine Nierenschwäche. Es sollte einmal nach Eiweiß und Blut im Urin geschaut werden. Ist dies vorhanden, sollten Sie zum Nierenfacharzt gehen.

Unbekannt: Bei mir ist eine chronische Niereninsuffizienz im Stadium III diagnostiziert worden, allerdings mit guter Prognose im Stadium G3a A1. Was raten Sie mir, um eine weitere Verschlechterung zu vermeiden? Viel trinken? Blutdruck < 140/90 halten (mache ich schon) - und was zur Ernährung? Ich bin 70 Jahre und sonst geht es mir gut.

Feldkamp: Ich empfehle Ihnen fettarme Ernährung und viel Bewegung. Gegebenenfalls auch eine Gewichtsreduktion. Ansonsten macht das einen guten Eindruck.

olgis: Welche Laborwerte (Höhe) sagen etwas über eine Niereninsuffizienz aus, und kann eine Doppelniere sie negativ beeinflussen?

Feldkamp: Kreatinin- oder Serum-Kreatininwert (meint beides dasselbe) sind wichtig, zusätzlich kann noch eine Untersuchung zur Klärfähigkeit der Niere (Clearance-Untersuchung) durchgeführt werden, um zu schauen, wie schnell die Niere filtern kann. Dabei muss über 24 Stunden der Urin gesammelt und dann das Kreatinin in Urin und Blut bestimmt werden. Dies ist eine noch genauere Untersuchung als das Serum-Kreatinin allein. Zusätzlich kann auch noch nach Eiweiß und Blut im Urin geschaut werden.

Unbekannt: Ich habe Diabetes, und der Kreatininwert ist erhöht (187). Welche Medikamente können für die Nieren schädlich sein?

Feldkamp: Schmerzmedikamente vom Typ der Antirheumatika, Kontrastmittel, bestimmte Antibiotika, bestimmte immunsuppressive Medikamente (zum Beispiel Ciclosporin).

K. Braune: Ich habe zwar Bluthochdruck und Diabetes, bin aber medikamentös sehr gut eingestellt, sodass ich stets normale Werte habe. Aber zum Nierenwert habe ich eine Frage. Meine Nieren arbeiten noch zu etwa 52 Prozent. Der Nephrologe sagt, dieser Wert wäre für mein Alter - ich bin 72 Jahre alt - zu akzeptieren, also altersgerecht. Sind auch Sie dieser Meinung? Ich habe nämlich darüber schon andere Meinungen gehört.

Feldkamp: Sicherlich ist das im Kontext Ihrer normalen anderen Werte bei Ihrem Alter gut zu akzeptieren. Und Sie können damit noch lange gut leben. Allerdings ist es nicht normal, dass ältere Menschen eine eingeschränkte Nierenfunktion haben.

Helmut: Wie wirken sich hoch dosierte Entwässerungsmedikamente (etwa Unat 30 mg) auf die Niere aus?

Feldkamp: Es kommt zu einer Anregung der Wasserausscheidung. Dies kann positive oder negative Folgen haben. Wenn eine Austrocknung droht, ist das nicht zu empfehlen. Sollten Sie allerdings eine Überwässerung haben, ist das eine gute Therapie.

H. Köhns: Seit rund 25 Jahren liegt mein Kreatininwert gleichbleibend bei 1,5 bis 1,7. Ist dieser Wert nun erhöht, oder kann ich bei mir davon ausgehen, dass dieser Wert bei mir "normal" ist?

Feldkamp: Wenn Sie nicht eine enorm große Muskelmasse haben, ist dieser Wert nicht normal und man kann nicht von einer normalen Nierenfunktion ausgehen. Da der Wert aber schon so lange stabil ist, besteht kein Anlass zu sofortiger Panik. Allerdings sollten Sie bei einem Nierenspezialisten in Behandlung sein.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 02.08.2016 | 20:15 Uhr

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