Stand: 04.04.2017 22:38 Uhr  | Archiv

Chat-Protokoll zum Thema Herzschwäche

Herbert Nägele zu Gast bei Visite.
Prof. Dr. Herbert Nägele hat Fragen im Visite Chat beantwortet.

Rund 400.000 Menschen sterben jedes Jahr an Herzschwäche, auch Herzinsuffizienz genannt. Damit gehört sie zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Vor allem bei Frauen wird sie aber oft übersehen. Ihr Risiko, an einer Herzschwäche zu sterben, ist deutlich höher als bei Männern.

Der Kardiologe Prof. Dr. Herbert Nägele, leitender Arzt am Department für Herzinsuffizienz und Devicetherapie im Albertinen-Krankenhaus in Hamburg, hat Zuschauerfragen zum Thema im Chat beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen.

Paul: Welche Einschränkungen habe ich im Alltag durch einen eingesetzten Defibrillator?

Prof. Dr. Herbert Nägele: Im normalen Alltag gibt es kaum Einschränkungen durch den Defibrillator. Vorausgesetzt, seine Funktion ist regelgerecht. Elektromagnetische Quellen, wie starke Sender, Diebstahlsicherungsanlagen oder auch Induktionsherde, können interferieren. Der Abstand ist hier entscheidend. Bei einer Entfernung von mehr als 30 Zentimetern sollte nichts passieren. Auch am Flughafen sollten Sie Ihren Ausweis zeigen, um gesondert kontrolliert zu werden, weil sonst die Sicherungsanlagen Alarm schlagen.

Irene S.: Ich hätte gern noch mal den erwähnten Schwächetest gewusst.

Nägele: BNP oder NT-proBNP. Kann durch eine Blutentnahme untersucht werden.

Luise: Im Beitrag wurden mögliche Ursachen einer Herzschwäche aufgeführt. Kann eine Chemotherapie auch eine Herzschwäche begünstigen?

Nägele: Ja, Chemotherapie kann je nach Substanz und Dosis eine Herzschwäche auslösen oder eine bestehende Herzschwäche verschlechtern. Eine kardiologische Überwachung sollte bei Chemotherapie in der Regel durchgeführt werden.

Barbara: Kann eine Herzschwäche durch Abhören eines Stethoskops durch den Hausarzt festgestellt werden?

Nägele: Über das Stethoskop kann man einige Informationen über die Herzklappenfunktionen bekommen. Dies kann eine Vorauswahl für weitere Untersuchungen sein. In der Regel ist eine Ultraschalluntersuchung des Herzens und/oder der BNP-Test notwendig.

Unbekannt: Reicht es bei Bluthochdruck, alle zwei Jahre zum Gesundheitscheck zu gehen oder sollte man auch regelmäßig einen Kardiologen zur Kontrolle aufsuchen?

Nägele: Wenn der Blutdruck gut eingestellt ist (gelegentliche Eigenmessungen, Zielblutdruck systolisch unter 120) und Sie sich wohlfühlen, sollte eine zweijährige Kontrolle ausreichen.

Chica: Führt ein persistierendes Vorhofflimmern - seit fünf Jahren - zwangsläufig zu Herzschwäche?

Nägele: Das kommt auf die Herzfrequenz an. Wenn die Ruheherzfrequenz dauerhaft über 110 pro Minute liegt, kann eine Herzschwäche ausgelöst werden. Meist ist jedoch das persistierende Vorhofflimmern eine Folge der Erweiterung des Herzens, also eher eine Folge der Herzinsuffizienz.

Paul: Ab wann ist bei Herzschwäche mit Vorhofflimmern ein eingesetzter Defibrillator notwendig?

Nägele: Bei Vorhofflimmern brauchen Sie keinen Defibrillator. Entscheidend ist hier die Auswurfleistung. Unter 35 Prozent wäre es zu überlegen (sogenannte Ejektionsfraktion).

Unbekannt: Verursacht ein Ein-Kammer ICD eine Herzinsuffizienz?

Nägele: Wenn er falsch programmiert ist, kann es so sein - wenn nur der rechte Ventrikel über die Elektrode dauerhaft stimuliert wird. In so einem Fall muss entweder die Programmierung optimiert oder auf sogenannte kardiale Resynchronisationsbehandlung (CRT) umgerüstet werden.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 04.04.2017 | 20:15 Uhr

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