Stand: 17.04.2018 22:51 Uhr  - Visite  | Archiv

Chat-Protokoll: Demenztest

PD Dr. M. Axel Wollmer
Der Gerontopsychiater Dr. M. Axel Wollmer hat im Visite Chat Fragen zum Thema Demenztests beantwortet.

Schlüssel verlegt? Termin vergessen? Bei solchen Fehlern wächst oft die Sorge: Ist das normal oder womöglich Anzeichen einer Demenz? Medizinische Gedächtnistests sollen hier Klarheit schaffen und werden auch als Selbstzahler-IGeL-Leistung für Gesunde angeboten. Doch das Ergebnis bedeutet oft nur unnötige Verunsicherung, denn nicht immer entwickelt sich aus einer leichten Merkstörung eine Alzheimer-Erkrankung. Auf der anderen Seite wünschen sich Menschen mit fortschreitenden Gedächtnisproblemen und ihre Angehörigen Klarheit, um sich auf die Krankheit einstellen zu können und die bestmögliche Hilfe zu suchen. Hier können Tests in einer Gedächtnissprechstunde durchaus sinnvoll sein - auch wenn die Demenz nach wie vor nicht heilbar ist.

Der Gerontopsychiater Dr. Axel Wollmer hat im Visite Chat Fragen zum Thema Demenztests beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen.

Paul: Ist es richtig, dass an Demenz erkrankte Personen nur etwa sieben Jahre noch leben?

Dr. M. Axel Wollmer: Die Prognose kann nur individuell gestellt werden und ist von vielen Faktoren abhängig. Man kann mit einer Demenz auch deutlich länger als sieben Jahre überleben.

Nogates: Der Arzt meiner Mutter meint, sie hat beginnende Demenz, das ist halt so und da kann man nix machen. Was halten Sie von dieser Ansicht?

Wollmer: Das hängt davon ab, wie genau die Ursachenforschung betrieben wurde. Es gibt behandelbare Demenz-Ursachen, aber selbst wenn es eine Alzheimer-Erkrankung sein sollte, können Medikamente helfen die Symptome zu lindern.

Christina: Meine Mutter hatte eine mittelschwere vaskuläre Demenz. Wie sinnvoll ist es, sich deshalb testen zu lassen?

Wollmer: Sie selber sollten sich dann testen lassen, wenn Sie eine für Sie besorgniserregende Veränderung Ihrer geistigen Leistungsfähigkeit feststellen. Wenn man aus der Erkrankung Ihrer Mutter eine familiäre Belastung mit Gefäßerkrankungen ableiten möchte, ist es besonders wichtig, die entsprechenden Risikofaktoren zu kontrollieren und gegebenenfalls zu behandeln.

claudia: Ich bin 56 Jahre alt und werde immer schusseliger: Ich greife nach Sachen, die mir dann herunterfallen, ich stottere unter Stress und verwechsle auch mal Spülmaschine mit Kühlschrank. Da ich auf dem totalen Land lebe, finde ich keinen Neurologen. Raten Sie mir, mich testen zu lassen? Wenn ja, welcher Test kommt infrage?

Wollmer: Die von Ihnen geschilderten Symptome sind nicht unbedingt typisch für eine beginnende Demenz. Möglicherweise spielt der von Ihnen erwähnte Stress eine Rolle. Dennoch würde ich raten, einen Nervenarzt zu konsultieren.

Eri: Was kann man tun, wenn die betroffene Person keine unterstützenden Dinge wie Ergotherapie, Tanzen, etc. machen möchte?

Wollmer: Letztlich muss man es akzeptieren. Man sollte aber immer wieder versuchen, zu motivieren, doch derlei Hilfe anzunehmen. Es nützt aber nichts, wenn die Therapie aber nicht auch irgendwie Spaß macht.

Biggi: Kann der Homocystein-Wert etwas über Demenz aussagen?

Wollmer: Ja, er spielt als Risikofaktor für Gefäßveränderungen und damit zumindest indirekt für Demenzerkrankungen eine Rolle. Es konnte gezeigt werden, dass die bei einer Homocystein-Erhöhung unter Umständen auftretende Gehirnatrophie durch Behandlung mit B-Vitaminen, also Vitamin B12 und Folsäure, behandelt werden kann.

Regizim: Was ist eine vaskuläre Demenz? Kann man sie aufhalten?

Wollmer: Eine vaskuläre Demenz ist eine Demenz, die durch Gefäßschäden und die dadurch entstehenden Durchblutungsstörungen des Gehirns bedingt ist. Eine konsequente Behandlung der Risikofaktoren für Gefäßschäden kann den Verlauf unter Umständen günstig beeinflussen.

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