Stand: 21.11.2017 07:34 Uhr  | Archiv

Atlastherapie: Halswirbel sanft behandeln

Steht der Atlaswirbel am Hals schief, kommt die Körperstatik durcheinander. Mögliche Folgen von Störungen der Halswirbelsäule sind Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Schwindel oder Tinnitus. Gegen die Beschwerden können eine Atlastherapie oder Atlaskorrekturtherapie helfen. Im Zentrum der Behandlung stehen Dehnreize, die Verspannungen dauerhaft beseitigen sollen.

Muskulatur gezielt behandeln

Um den Atlaswirbel zu stabilisieren, werden Bänder und Muskeln behandelt. In der Muskulatur befinden sich Rezeptoren, die den Spannungszustand der Muskeln und Sehnen und die Stellung des Körpers im Raum registrieren. Die Rezeptoren haben eine Verbindung zum Gleichgewichtsorgan im Innenohr und zu Hirnregionen, in denen Schmerzsignale aus dem Bewegungssystem verarbeitet werden. Bei Fehlstellungen oder Bewegungsstörungen werden Fehlinformationen an das Gehirn weitergegeben, die zu Beschwerden führen können.

Klassische Atlastherapie nach Arlen

Die Atlastherapie darf nur von Ärzten angewendet werden, nicht von Physiotherapeuten und Heilpraktikern.

Mit der Kuppe des Mittelfingers wird ein kurzer Impuls auf die Muskeln und Bänder am Übergang vom Kopf zum Hals ausgeübt. Der Dehnreiz soll die muskuläre Spannung und das "Wahrnehmungsmuster" der Rezeptoren verändern. Die Atlastherapie soll sich auch für Säuglinge und Kinder eignen, etwa um motorisch bedingte Entwicklungsverzögerungen zu behandeln.

Im Vergleich zur Chirotherapie handelt es sich bei der Atlastherapie um eine sanfte Technik, die ohne Manipulationen an Kopf und Halswirbelsäule auskommt. Verletzungen der Arterien entlang der Halswirbelsäule sind daher unwahrscheinlich. Bei der Atlastherapie liegt die besondere Herausforderung darin, die Richtung, Stärke und Häufigkeit der manuellen Impulse für jeden Erkrankten individuell zu ermitteln.

Atlaskorrektur mit Massagegeräten

Anders als die Atlastherapie darf die sogenannte Atlaskorrektur auch von Physiotherapeuten durchgeführt werden.

Die Atlaskorrektur besteht aus Massage und Druckwellenbehandlung:

  • Zunächst wird die Muskulatur entlang der Wirbelsäule bis zum Nacken mit einem speziellen Gerät gelockert. Vibrationen dringen tief in die Muskeln ein und lösen Verspannungen. Ziel ist es, dem Atlas mehr Bewegungsfreiheit zu verschaffen.

  • Anschließend werden mit einem weiteren Massagegerät Druckwellen im Nackenbereich erzeugt. Dadurch sollen die Muskeln und Sehnen gelockert werden, die den Atlaswirbel halten.

Nach der Behandlung braucht der Körper fünf bis acht Wochen, um sich an die Veränderungen durch die Atlaskorrektur zu gewöhnen. Dann wird die Position des Atlaswirbels kontrolliert und, wenn nötig, korrigiert. Begleitende Rückenmassagen sollen die Regeneration beschleunigen.

Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht

Für die Wirksamkeit der klassischen Atlastherapie nach Arlen und der Atlaskorrekturbehandlung gibt es keine wissenschaftlichen Nachweise. Die Kosten von 80 bis 250 Euro werden von gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nicht übernommen.

Weitere Informationen

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Visite | 21.11.2017 | 20:15 Uhr

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