Stand: 21.09.2018 09:20 Uhr

Alzheimer und Demenz: Fragen und Antworten

Hilfe für Menschen mit Demenz und Unterstützung für deren Angehörige ist das diesjährige Ziel von "Hand in Hand für Norddeutschland", der NDR Benefizaktion. Die Alzheimer Gesellschaften im Norden sind in diesem Jahr Partner.

Was ist der Unterschied zwischen Demenz und Alzheimer?

Demenz ist ein Oberbegriff für Erkrankungen, die mit dem Verlust von geistigen Fähigkeiten wie Denken, Erinnern oder Orientierung einhergehen. Circa 90 Prozent aller Demenzerkrankungen haben hirnorganische Ursachen (primäre Demenz), sie sind in der Regel chronisch, nicht umkehrbar (irreversibel) und nicht heilbar. Die Alzheimer-Krankheit ist eine Form der Demenz, sie kommt mit rund 60 Prozent der Demenzerkrankungen am häufigsten vor. Weitere primäre Demenzerkrankungen sind die Frontotemporale Demenz (Morbus Pick), Chorea Huntington, Morbus Parkinson oder die Lewy-Körper-Demenz. Rund 10 Prozent der Betroffenen leiden unter einer Form der sekundären Demenz, die keine hirnorganischen Ursachen hat und zum Teil gut heilbar ist.

Scrabble-Steine bilden eine Überschrift "Krankheit des Vergessens" und "Alois Alzheimer" neben einem schwarz-weiß Foto auf einem weißen Tisch. © NDR

Was ist Demenz? Ein Erklärfilm

Schleswig-Holstein Magazin -

Menschen mit Demenz stehen im Mittelpunkt der diesjährigen NDR Benefizaktion "Hand in Hand für Norddeutschland". In diesem Film antworten wir auf die Frage: Was ist eigentlich Demenz?

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Wie häufig ist die Krankheit Demenz?

In Deutschland leben zurzeit etwa 1,7 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung, in Norddeutschland sind es circa 284.500. Mit steigendem Lebensalter nimmt die Häufigkeit zu, 2050 könnten bundesweit rund drei Millionen Menschen betroffen sein.

Kann man Demenz vorbeugen?

Nein, zurzeit ist eine gezielte Vorbeugung nicht möglich. Eine gesunde Lebensweise mit Bewegung, geistigen und sozialen Aktivitäten, rechtzeitiger Behandlung von Bluthochdruck, Herzerkrankungen und Diabetes Mellitus und eine ausgewogene Ernährung können das Risiko zu erkranken, verringern.

Wie entsteht die Krankheit Alzheimer?

Die Krankheit ist nach dem Neurologen und Psychologen Alois Alzheimer benannt. Bereits 1906 untersuchte Alzheimer das Gehirn einer verstorbenen Patientin und fand auffällige Veränderungen. Bei der Alzheimer-Krankheit lagern sich Eiweiße an den Nervenzellen ab und verklumpen, es kommt zunächst zu Störungen der Kommunikation in den Nervenzellen, Informationen werden nicht mehr verarbeitet. Über die Jahre sterben Nervenzellen im Gehirn ab, die geistigen Fähigkeiten verschwinden.

Einfach vergesslich oder schon dement?

Das Kurzzeitgedächtnis wird schlechter, neue Informationen langsamer verarbeitet und Reaktionszeiten lassen nach: All das sind ganz normale Alterserscheinungen. Gedächtnislücken, Probleme beim Planen und Problemlösen, Probleme mit gewohnten Tätigkeiten, Orientierungsschwierigkeiten, Wahrnehmungsstörungen, Sprach- und Schreibschwächen, Verlegen von Gegenständen, eingeschränktes Urteilsvermögen, Rückzug und Persönlichkeitsveränderungen: Wenn diese Symptome häufiger und wiederholt auftreten, könnte eine Erkrankung vorliegen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Neben einer ausführlichen Anamnese, dem Gespräch mit Patienten und Angehörigen, gehören psychologische Tests, die die geistigen Fähigkeiten überprüfen, körperliche und neurologische Untersuchungen, Laborbestimmungen und bildgebende Verfahren wie Computertomografie oder das MRT (Magnet-Resonanz-Tomografie) zur Diagnose. Einrichtungen wie Gedächtnissprechstunden oder Memory-Klinken sind auf Diagnose und Therapie von Demenzerkrankungen spezialisiert.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Primäre Demenzerkrankungen sind in der Regel nicht heilbar, sekundäre Demenzen, die zum Beispiel durch Vitamin-B12-Mangel, Hormonstörungen oder Infektionen entstehen können, sind teilweise heil- und behandelbar, indem die ursächliche Erkrankung behandelt wird. Die Alzheimer-Krankheit ist nicht heilbar, ihr Verlauf kann aber durch Medikamente positiv beeinflusst werden. Ergotherapie, Logotherapie und Krankengymnastik können die Lebensqualität verbessern, hilfreich können auch therapeutische Angebote wie zum Beispiel Kunsttherapie oder Verhaltenstherapieformen sein.

Welche Betreuungs- und Versorgungsmöglichkeiten gibt es für Demenzerkrankte?

Rund zwei Drittel aller Demenzerkrankten werden in den Familien gepflegt, ambulante Pflegedienste unterstützen die Familien bei Bedarf. Tagespflegeeinrichtungen oder Betreuungsgruppen können Familien entlasten. In Einrichtungen der Kurzzeitpflege ist eine befristete Unterbringung möglich. Weitere Möglichkeiten zur Entlastung pflegender Angehöriger sind ehrenamtliche Unterstützer, die stundenweise die Betreuung übernehmen oder Wohngemeinschaften für Demenzkranke.

Haben Demenzkranke einen Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung?

Ja, seit Anfang 2017 wird in der Pflegeversicherung nicht mehr zwischen körperlichen oder geistigen Einschränkungen unterschieden. Nachdem ein Antrag bei der zuständigen Pflegekasse gestellt wurde, klärt ein Gutachter im Rahmen eines Hausbesuches, ob eine Pflegebedürftigkeit vorliegt und gibt seine Empfehlung für die Einstufung in einen von fünf Pflegegraden ab. Die Höhe der Leistungen der Pflegeversicherung, die für die Versorgung zur Verfügung stehen, ist vom Pflegegrad abhängig.

Welche Tipps gibt es für den Umgang mit Demenzkranken?

Alle Menschen sind unterschiedlich, und so verschieden sind auch ihre Erkrankungen und die Auswirkungen der Krankheit auf sie selbst und ihre Familien. Für Angehörige ist es sehr wichtig, sich über die Krankheit und über den Umgang und Beschäftigung mit den Erkrankten zu informieren. Demenzkranke können sich nicht ändern, ein gleichbleibend geregelter Tagesablauf, eine klare deutliche Kommunikation und Beschäftigung mit vertrauten Handlungen können hilfreich sein. Gut lesbare Uhren und Kalender sowie eine gute Beleuchtung helfen bei der Orientierung, unkomplizierte Kleidung ermöglicht Selbstständigkeit.

Wie können Selbsthilfegruppen Angehörigen helfen?

Selbsthilfegruppen bieten Kontakt zu Menschen, die ähnliche Erfahrungen in der Pflege demenzkranker Menschen haben. Das gemeinsame Gespräch und der Austausch kann entlastend wirken und den täglichen Umgang mit den Kranken erleichtern. Dazu kommen Tipps und Anregungen, wie der Alltag zu bewältigen ist, Kurse und Schulungen im Umgang mit Demenzerkrankungen sowie Freizeitangebote wie Tanzcafés oder gemeinsame Radtouren.

Zehn Anzeichen für Demenz

1. Gedächtnisverlust: Jeder ist einmal vergesslich, weiß nicht mehr, wo die Schlüssel liegen oder wundert sich, warum die Hundeleine im Kleiderschrank liegt.
2. Schwierigkeiten im familiären Alltag: Tägliche Aufgaben werden begonnen, aber nicht beendet oder gar nicht mehr bewältigt - wie zum Beispiel Kleidung in der richtigen Reihenfolge anziehen, ein Essen kochen und servieren oder den Hund spazieren führen.
3. Probleme mit der Sprache: Einfache Begriffe wie Zahnbürste werden durch kompliziertere Umschreibungen ersetzt, die Wortfindungsschwierigkeiten häufen sich.
4. Zeitliche und örtliche Desorientierung: Vertraute Wege werden nicht mehr gefunden, der Weg nach Hause nicht mehr erinnert, abgesprochene Zeiten vergessen.
5. Eingeschränktes Urteilsvermögen: Nicht richtig angezogen für die Jahreszeit, kein Gefühl für angemessene Summen beim Einkauf oder die Häufigkeit notwendiger Körperpflege.
6. Probleme "bei der Sache" zu bleiben: Es wird kompliziert, ein Gespräch zu verfolgen oder eine Rechnung zu bezahlen, die Dinge verlieren an Bedeutung.
7. Verlegen von Gegenständen: Die Tätigkeit wird erinnert, es geht ums Aufräumen, aber dann landet der Einkauf im Keller oder das Bügeleisen im Kühlschrank.
8. Schwankungen der Stimmungen und des Verhaltens: Sentimental wird jeder einmal, Erkrankte leiden unter häufigen und abrupten Stimmungswechseln.
9. Persönlichkeitsveränderungen: Die Persönlichkeit eines Menschen ändert sich auffällig, die Reaktionen reichen von reizbar, ängstlich oder misstrauisch bis zu unangemessen oder distanzlos.
10. Verlust von Antrieb und Initiative: Auch das kennt wohl jeder - man ist müde und ausgelaugt, aber dieser Zustand ändert sich nicht mehr, soziale Aktivitäten strengen mehr und mehr an.

Wenn Sie Anzeichen von diesen Symptomen haben oder beunruhigt über die Veränderungen eines Familienmitgliedes oder Freundes sind, besuchen Sie einen Arzt und besprechen ihre Bedenken.
Interpretiert nach den "Early Symptoms der Alzheimer's Disease International (ADI)"

Weitere Informationen

Hier können Sie jederzeit spenden!

"Hand in Hand für Norddeutschland": Helfen Sie mit Ihrer Spende Menschen mit Demenz. Sie können jederzeit spenden, das Spendenkonto ist bis zum 28. Februar 2019 geöffnet. mehr

Antworten auf Fragen zum Projekt

"Hand in Hand für Norddeutschland" - unter diesem Motto wird einmal im Jahr eine Benefizaktion NDR realisiert. Antworten auf Fragen zur Aktion und zum Spendenverfahren finden Sie hier. mehr

Dieses Thema im Programm:

Visite | 04.12.2018 | 20:15 Uhr

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