Stand: 20.05.2019 05:48 Uhr

Was tun gegen das Insektensterben?

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Viele Pflanzenarten sind auf Bienen als Bestäuber angewiesen.

Wo es früher summte und brummte, ist es in den vergangenen Jahren leiser geworden: Der natürliche Lebensraum für Bienen und andere Insekten wird immer knapper, viele Arten sterben aus. Der Insektenschwund hat inzwischen auch die Politik auf den Plan gerufen: Nach dem großen Erfolg des Volksbegehrens "Rettet die Bienen" in Bayern liegt inzwischen bereits ein Gesetzespaket für mehr Umwelt- und Artenschutz im südlichsten Bundesland vor. Geplant ist, die Biolandwirtschaft zu verstärken und Biotope sowie Blühwiesen anzulegen. Auch im Norden wird der Schutz der Insekten immer mehr zum Thema. Doch wie steht es überhaupt um die Insekten in Deutschland?

Bienen auf Lavendel-Blüten © NDR/Labo M GmbH

Rettung für die Bienen

Der natürliche Lebensraum für Bienen und andere Insekten wird immer knapper, viele Arten sterben aus. Naht eine ökologische Katastrophe? Und was können wir tun?

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So wichtig sind Insekten für unser Ökosystem

Insekten sind die artenreichste Tiergruppe und spielen eine wichtige Rolle in unserem Ökosystem:

  • als Nahrungsquelle: Viele Tierarten sind auf Insekten als Nahrung angewiesen. Weniger Insekten bedeuten zum Beispiel weniger Fische, Frösche und Eidechsen. Wenn Vögel nicht mehr genug Insekten finden, um damit ihre Jungen zu füttern, dann gibt es auch weniger Vögel. Außerdem vertilgen Insekten viele Schädlinge, die sonst die Nutzpflanzen in der Landwirtschaft gefährden würden.
  • als Bestäuber: Rund 90 Prozent der Wildpflanzen sind ganz oder teilweise von der Bestäubung durch Insekten abhängig. Weltweit brauchen 75 Prozent unserer Nutzpflanzen die Bestäubung durch Insekten für ihre Fortpflanzung.
  • als Aas-Beseitiger: Die Zersetzung von Aas, Kot und Totholz funktioniert nicht ohne Insekten. Innerhalb von zwei Wochen zerlegen sie ein totes Reh, sie sind so etwas wie die Müllabfuhr der Natur.

Wie sähe die Welt ohne Insekten aus?

Ohne Insekten müssten Pflanzen per Hand vom Menschen bestäubt werden, das wäre extrem teuer und viele Arten würden aussterben. In der Folge hätten auch viele Tiere nichts mehr zu fressen und die Menschen kaum noch Fleisch. Viele Tierarten wären bedroht, Frösche, Mäuse und Vögel fänden keine Nahrung mehr. Ohne Larven, Raupen und Insekten könnten Vögel ihre Jungtiere nicht mehr aufziehen und würden aussterben. Überall würden Berge von Kadavern, Kot und Totholz herumliegen, weil Insekten sie nicht mehr zersetzen. Pflanzenreste würden nicht mehr in Humus umgewandelt.

Studie: 75 Prozent weniger Insekten

Laut einer Studie, die im Herbst 2017 im Fachmagazin "Plos One" veröffentlicht wurde, hat die Gesamtmasse an Insekten in den vergangenen 27 Jahren in Teilen Deutschlands um mehr als 75 Prozent abgenommen. Wissenschaftler werteten für die Langzeitstudie Daten aus, die ehrenamtliche Insektenkundler aus Krefeld gesammelt hatten. Die Forscher verglichen, wie sich in einzelnen Lebensräumen wie Heidelandschaften, Graslandschaften oder auf Brachflächen die Biomasse über die Zeit verändert hat. Als Gründe für das dramatische Insektensterben vermuteten die Wissenschaftler unter anderem die intensivierte Landwirtschaft mit dem Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln.

Honigbienen stehen unter dem Schutz der Imker

Honigbienen gehören nicht zu den aussterbenden Arten. In Deutschland gibt es rund 800.000 Honigbienenvölker. Dabei liegt Imkern besonders in den Städten im Trend: Der Deutsche Imkerverein zählte im vergangenen Jahr rund 120.000 Mitglieder, gut 6.000 mehr als 2017. Ein Honigbienenvolk ist eine Art Superorganismus, in dem bis zu 40.000 Arbeiterinnen leben. Sie übernehmen die unterschiedlichsten Aufgaben, vom Putzen über Brut-Aufzucht, Bautätigkeit und Wächtertätigkeit bis zum Einsammeln von Nahrung. Der größte Feind der Honigbiene ist die Varroamilbe.

Wildbienen sind stark betroffen

Während die Honigbienen unter dem Schutz der Imker stehen, sind besonders Wildbienenbestände vom Aussterben bedroht: Von den rund 580 heimischen Wildbienen-Arten stehen mehr als die Hälfte auf der Roten Liste der bedrohten Arten, mehr als 30 sind laut Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vom Aussterben bedroht. Die Ursachen für das Wildbienensterben sind vielfältig:

  • Pestizide: In der konventionellen Landwirtschaft werden in großem Stil Insektenvernichtungsmittel eingesetzt. Diese Mittel treffen nicht nur Schädlinge, sondern auch die nützlichen Insekten. An sogenannten Neonikotinoiden, also bienenschädlichen Insektengiften, sterben Bienen und Hummeln meist nicht sofort, aber das Gift schädigt die Nerven und macht die Tiere orientierungslos. Im Kampf gegen das Insektensterben beschloss die EU-Kommission im Frühjahr 2018, den Einsatz dreier bienenschädlicher Neonikotinoide im Freiland zu verbieten. Umweltorganisationen wie der BUND halten die Maßnahmen allerdings nicht für ausreichend.
  • Fehlende Nistplätze: Viele Wildbienen-Arten nutzen zum Beispiel Pflanzenstängel in Blumenwiesen. Doch selbst dort, wo solche Wiesen noch gedeihen, fallen sie im Spätsommer oft dem Mäher zum Opfer. Manche Wildbienenarten nisten auch unterirdisch, doch auf landwirtschaftlich genutzten Flächen haben sie dazu keine Chance.
  • Fehlende Nahrung: Es gibt immer weniger unberührte Landschaft, wo Wildbienen Futter für ihre Brut und sich selbst finden.

Was können wir selbst gegen das Insektensterben tun?

Um überleben zu können, brauchen Wildbienen und andere Insekten möglichst viele Blühflächen. Jeder Einzelne kann dabei viel für den Insektenschutz tun. Heimische Blumen und Stauden sowie Kräuter wie Lavendel, Thymian und Oregano sind die besten Nahrungsquellen für Insekten. Eine Königskerze zum Beispiel ernährt 80 verschiedene Insektenarten. Damit im eigenen Garten ein Biotop entstehen kann, braucht es eine gewisse Unordnung. Wenigstens auf ein paar Quadratmetern sollte daher selten gemäht und Wildpflanzen stehen gelassen werden. Tipps für eine insektenfreundliche Garten- und Balkongestaltung liefert zum Beispiel das Netzwerk Blühende Landschaft.

Insektenhotels oder mit Sand gefüllte Kübel können Nützlingen wie Wildbienen helfen, einen geeigneten Lebensraum im heimischen Garten zu finden. Auf den Einsatz von Pestiziden sollten Hobbygärtner verzichten.

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Dieses Thema im Programm:

tagesschau24 | 30.04.2019 | 09:20 Uhr

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/ratgeber/Was-tun-gegen-Insektensterben,insekten200.html

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