Stand: 24.09.2018 13:08 Uhr

Was tun gegen das Insektensterben?

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Viele Pflanzenarten sind auf Bienen als Bestäuber angewiesen.

Insekten sind die Grundlage unseres Ökosystems und machen etwa zwei Drittel allen Lebens auf der Erde aus. Doch wo es früher summte und brummte, ist es in den vergangenen Jahren leiser geworden. Der Grund ist das Insektensterben, das Forscher im vergangenen Jahr belegen konnten. Die Folgen sind dramatisch.

Honigbiene auf einer Blüte © NDR/Labo M GmbH

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So wichtig sind Insekten für unser Ökosystem

Insekten sind die artenreichste Tiergruppe und spielen eine wichtige Rolle in unserem Ökosystem:

  • als Nahrungsquelle: Viele Tierarten sind auf Insekten als Nahrung angewiesen. Weniger Insekten bedeuten zum Beispiel weniger Fische, Frösche und Eidechsen. Wenn Vögel nicht mehr genug Insekten finden, um damit ihre Jungen zu füttern, dann gibt es auch weniger Vögel. Außerdem vertilgen Insekten viele Schädlinge, die sonst die Nutzpflanzen in der Landwirtschaft gefährden würden.
  • als Bestäuber: Rund 90 Prozent der Wildpflanzen sind ganz oder teilweise von der Bestäubung durch Insekten abhängig. Weltweit brauchen 75 Prozent unserer Nutzpflanzen die Bestäubung durch Insekten für ihre Fortpflanzung.
  • als Aas-Beseitiger: Die Zersetzung von Aas, Kot und Totholz funktioniert nicht ohne Insekten. Innerhalb von zwei Wochen zerlegen sie ein totes Reh, sie sind so etwas wie die Müllabfuhr der Natur.

Wie sähe die Welt ohne Insekten aus?

In einer Welt ohne Insekten würden als Erstes die Pflanzen aussterben, womit die Menschen auf einen Großteil ihrer Nahrung verzichten müssten. Es gäbe keine pflanzenfressenden Tierarten mehr - also auch kein Fleisch und keine Milchprodukte. Auch Bekleidung aus Baumwolle oder Seide könnten nicht mehr hergestellt werden. Stattdessen gäbe es überall Berge von Kadavern, Kot und verrotteter Biomasse.

Studie: 75 Prozent weniger Insekten

Laut einer Studie, die im Herbst 2017 im Fachmagazin "Plos One" veröffentlicht wurde, hat die Gesamtmasse an Insekten in den vergangenen 27 Jahren in Teilen Deutschlands um mehr als 75 Prozent abgenommen. Wissenschaftler werteten für die Langzeitstudie Daten aus, die ehrenamtliche Insektenkundler aus Krefeld gesammelt hatten. Die Forscher verglichen, wie sich in einzelnen Lebensräumen wie Heidelandschaften, Graslandschaften oder auf Brachflächen die Biomasse über die Zeit verändert hat. Als Gründe für das dramatische Insektensterben vermuteten die Wissenschaftler unter anderem die intensivierte Landwirtschaft mit dem Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln.

Wildbienen sind stark betroffen

Während die Honigbiene unter dem Schutz der Imker steht, sind besonders Wildbienenbestände bedroht: Von den rund 580 heimischen Wildbienen-Arten stehen mehr als die Hälfte auf der Roten Liste der bedrohten Arten, mehr als 30 sind laut Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vom Aussterben bedroht. Die Ursachen für das Wildbienensterben sind vielfältig:

  • Pestizide: In der konventionellen Landwirtschaft werden in großem Stil Insektenvernichtungsmittel eingesetzt. Diese Mittel treffen nicht nur Schädlinge, sondern auch die nützlichen Insekten. An sogenannten Neonikotinoiden, also bienenschädlichen Insektengiften, sterben Bienen und Hummeln meist nicht sofort, aber das Gift schädigt die Nerven und macht die Tiere orientierungslos.
  • Fehlende Nistplätze: Viele Wildbienen-Arten nutzen zum Beispiel Pflanzenstängel in Blumenwiesen. Doch selbst dort, wo solche Wiesen noch gedeihen, fallen sie im Spätsommer oft dem Mäher zum Opfer. Manche Wildbienenarten nisten auch unterirdisch, doch auf landwirtschaftlich genutzten Flächen haben sie dazu keine Chance.
  • Fehlende Nahrung: Es gibt immer weniger unberührte Landschaft, wo Wildbienen Futter für ihre Brut und sich selbst finden.

Drei bienenschädliche Insektizide verboten

Im Kampf gegen das Insektensterben beschloss die EU-Kommission im Frühjahr 2018, den Einsatz dreier bienenschädlicher Neonikotinoide im Freiland zu verbieten. Umweltorganisationen wie der BUND kritisieren allerdings, dass das Verbot nicht in Gewächshäusern gilt. Der Einsatz anderer Neonikotinoide ist weiterhin erlaubt. Umweltschützer fordern ein Umdenken hin zu einer ökologisch orientierten Landwirtschaft, um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln generell zu verringern. In der Verantwortung stehen nicht nur Bauern und Politiker, sondern auch die Verbraucher, denn ihre Nachfrage bestimmt, wie Landwirte produzieren.

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Was können wir selbst gegen das Insektensterben tun?

Um überleben zu können, brauchen Wildbienen und andere Insekten möglichst viele Blühflächen. Jeder Einzelne kann dabei viel für den Insektenschutz tun. Heimische Blumen und Stauden sowie Kräuter wie Lavendel, Thymian und Oregano sind die besten Nahrungsquellen für Insekten. Eine Königskerze zum Beispiel ernährt 80 verschiedene Insektenarten. Damit im eigenen Garten ein Biotop entstehen kann, braucht es eine gewisse Unordnung. Wenigstens auf ein paar Quadratmetern sollte daher selten gemäht und das Unkraut stehen gelassen werden. Tipps für eine insektenfreundliche Garten- und Balkongestaltung liefert zum Beispiel das Netzwerk Blühende Landschaft.

Insektenhotels oder mit Sand gefüllte Kübel können Nützlingen wie Wildbienen helfen, einen geeigneten Lebensraum im heimischen Garten zu finden. Auf den Einsatz von Pestiziden sollten Hobbygärtner verzichten.

In Schleswig-Holstein hat das Umweltministerium mit "Schleswig-Holstein blüht auf" eine Initiative für mehr Artenvielfalt in der Landschaft ins Leben gerufen. Bereits mehr als 200 Landwirte sowie 150 Gemeinden und Unternehmen haben im Rahmen des Programms vom Ministerium gestelltes Saatgut auf ihren Freiflächen ausgesät.

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Dieses Thema im Programm:

NDR WissensCheck | 24.09.2018 | 21:00 Uhr

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