Stand: 15.05.2018 09:20 Uhr

Was tun gegen das Insektensterben?

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Viele Pflanzenarten sind auf Bienen als Bestäuber angewiesen.

Insekten sind die Grundlage unseres Ökosystems: Sie machen etwa zwei Drittel allen Lebens auf der Erde aus. Doch wo es früher summte und brummte, ist es in den vergangenen Jahren leiser geworden. Der Grund ist das Insektensterben, das Forscher im vergangenen Jahr belegen konnten. Die Folgen für unser Ökosystem sind dramatisch.

Studie: 75 Prozent weniger Insekten

Laut einer Studie, die im Herbst 2017 im Fachmagazin "Plos One" veröffentlicht wurde, hat die Gesamtmasse der Insekten in den vergangenen 27 Jahren in Teilen Deutschlands um mehr als 75 Prozent abgenommen. Wissenschaftler werteten für die Langzeitstudie Daten aus, die ehrenamtliche Insektenkundler aus Krefeld gesammelt hatten. Die Forscher verglichen, wie sich in einzelnen Lebensräumen wie Heidelandschaften, Graslandschaften oder auf Brachflächen die Biomasse über die Zeit verändert hat. Als Gründe für das dramatische Insektensterben vermuten die Wissenschaftler unter anderem die intensivierte Landwirtschaft mit dem Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln.

Moderator Tim Berendonk im tagesschau24-Studio. © NDR

Die Folgen des Insektensterbens

Es ist leiser geworden in der Natur: Die Zahl der Insekten ist deutlich zurückgegangen. Aber was bedeutet das Insektensterben für den Menschen?

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Drei bienenschädliche Insektizide verboten

Im Kampf gegen das Insektensterben beschloss die EU-Kommission im Frühjahr 2018, den Einsatz dreier bienenschädlicher Insektizide (Neonikotinoide) im Freiland zu verbieten. Umweltorganisationen wie der BUND kritisieren allerdings, dass das Verbot nicht in Gewächshäusern gilt. Der Einsatz anderer Neonikotinoide ist weiterhin erlaubt. Umweltschützer fordern ein Umdenken hin zu einer ökologisch orientierten Landwirtschaft, um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln generell zu verringern. In der Verantwortung stehen nicht nur Bauern und Politiker, sondern auch die Verbraucher, denn ihre Nachfrage bestimmt, wie Landwirte produzieren.

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Warum sind Insekten so wichtig?

Insekten sind die artenreichste Tiergruppe und ein Fundament unseres Ökosystems. Viele Tierarten sind auf Insekten als Nahrung angewiesen. Weniger Insekten bedeuten zum Beispiel weniger Fische, Frösche und Eidechsen. Wenn Vögel nicht mehr genug Insekten finden, um damit ihre Jungen zu füttern, dann gibt es auch weniger Vögel. Außerdem vertilgen Insekten viele Schädlinge, die sonst die Nutzpflanzen in der Landwirtschaft gefährden würden.

Nach Angaben des Deutschen Imkerbundes sind rund 80 Prozent der 2.000 bis 3.000 heimischen Nutz- und Wildpflanzen auf Honigbienen als Bestäuber angewiesen. Weniger Insekten bedeuten auch weniger Obst und Gemüse: Rund 85 Prozent der Erträge hängen allein von den Honigbienen ab, die die Blüten bestäuben.

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Was können wir selbst gegen das Insektensterben tun?

Insektenschutz beginnt vor der eigenen Haustür. Heimische Blumen sind die beste Nahrungsquelle für Insekten. Eine Königskerze zum Beispiel ernährt 80 verschiedene Insektenarten. Damit im eigenen Garten ein Biotop entstehen kann, braucht es eine gewisse Unordnung. Wenigstens auf ein paar Quadratmetern sollte daher selten gemäht und das Unkraut stehen gelassen werden. Tipps für eine insektenfreundliche Garten- und Balkongestaltung liefert zum Beispiel das Netzwerk Blühende Landschaft. Insektenhotels oder mit Sand gefüllte Kübel können Nützlingen wie Wildbienen helfen, einen geeigneten Lebensraum im heimischen Garten zu finden. Auf den Einsatz von Pestiziden sollten Hobbygärtner verzichten.

Dieses Thema im Programm:

tagesschau24 | 15.05.2018 | 09:20 Uhr

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/ratgeber/Was-tun-gegen-Insektensterben,insekten200.html

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