Stand: 29.08.2018 10:00 Uhr  | Archiv

Quallen: Faszinierende Glibberwesen im Meer

Quallen im Meer © picture alliance / dpa Themendienst Foto: Jens Becker
Quallen gehören zu den merkwürdigsten Tieren überhaupt.

Quallen gehören zu den ältesten Tieren der Welt und sind in allen Meeren zu Hause. Sie sind hervorragende Jäger und Lebenskünstler mit einer enormen Anpassungsfähigkeit. Weltweit sind rund 2.500 verschiedene Arten bekannt.

Was sind Quallen?

Wie beispielsweise Seeanemonen und Polypen gehören Quallen zu den Nesseltieren. Unterschieden werden Scheiben- oder Schirmquallen, die eher harmlos sind, und die giftigen Würfelquallen. Wissenschaftlich gesehen sind Quallen Plankton, weil sie - obwohl sie Schwimmbewegungen machen - von der Strömung des Meeres getrieben werden. Während die kleinsten Quallen einen Durchmesser von knapp einem Millimeter haben, messen die größten mehrere Meter.

Woraus besteht der Körper eine Qualle?

Quallen bestehen zu 98 Prozent aus Wasser. Sie haben weder Gehirn noch Knochen, dafür aber ein Nervensystem und Sinnesorgane. Der Quallenkörper ist ein Gebilde aus zwei Zellschichten, einer inneren und einer äußeren. Dazwischen liegt eine Gallertmasse als Stützschicht, über die sich die Qualle mit Sauerstoff versorgt. Unten aus dem Schirm ragt der Magenstiel, an dessen Ende sich die Mundöffnung befindet. Die meisten Quallen haben Fangarme (Tentakel), die mit Nesselkapseln ausgestattet sind und die sie zum Tasten und Jagen brauchen. Bei Berührung schießt aus den Nesselkapseln Gift wie aus einer Harpune. Bei manchen Quallenarten sind die Tentakel sehr kurz - andere haben bis zu 20 Meter lange Fangarme.

Was fressen Quallen?

Quallen ernähren sich hauptsächlich von Plankton, größere Exemplare machen auch keinen Halt vor kleinen Fischen oder Krebsen. Mit der Tentakel befördern sie ihre Beute zur Mundöffnung und verschlingen sie.

Größere Fische oder gar Menschen stehen nicht auf ihrem Speiseplan. Aber natürlich setzen die Nesselzellen der Tiere auch Gift frei, wenn diese die Qualle berühren. Das Gift vieler Quallen ist so schwach, dass es dem Menschen nicht schaden kann. Natürliche Feinde haben die gallertartigen Meeresbewohner kaum. Nur Schildkröten oder Meeresschnecken wagen sich an die Wabbeltiere.

Wie gefährlich sind Quallen?

Seewespe © picture alliance / WILDLIFE Foto: G.Bell
Die australische Seewespe gehört zu den gefährlichsten Nesseltieren der Welt.

Eine der gefährlichsten Quallen ist die australische Seewespe. Eine Seewespe besitzt Tausende von Nesselkapseln. Ihr Toxin greift das Nervensystem an und lähmt die Beute. Die Würfelquallenart ist vor allem vor der Nord- und Ostküste Australiens sowie im westlichen Pazifik zu finden.

An den Stränden Europas sind Quallen und andere Nesseltiere meist ungefährlich. Doch es gibt hier auch Arten, denen Badegäste und Schwimmer besser aus dem Weg gehen sollten. An den Stränden Mallorcas sorgt immer wieder die Portugiesische Galeere für Aufregung und die Schließung von Strandabschnitten. Sie ist eigentlich gar keine Qualle, sondern eine riesige Polypenkolonie, in der jedes Individuum eine bestimmte Aufgabe übernimmt. Die Portugiesische Galeere hat meterlange Tentakel. Bei Berührung verschießen sie ein starkes Gift, das kleinere Fische in Sekunden tötet. Bei Menschen kann das Gift zu offenen Wunden, Übelkeit und Erbrechen führen. Auch Herz-Kreislauf-Versagen und Atemstillstand kommen vor, Todesfälle sind aber selten.

Wie gefährlich sind Quallen an Nord- und Ostsee?

In der Nord- und Ostsee ist überwiegend die Ohrenqualle Aurelia zu Hause. Ihr Körper ist durchsichtig mit vier weißen, rosa- oder lilafarbenen Ringen auf der Oberseite. Die Berührung ist völlig ungefährlich, ihr Gift kann dem Menschen nichts anhaben.

Auch Feuerquallen kommen in der Nord- und Ostsee vor und können schmerzhafte Hautverletzungen verursachen. Bei den meisten Menschen gleicht die Berührung dem Kontakt mit einer Brennnessel. Bei empfindlichen Menschen kann die Haut auch stark anschwellen, Blasen bilden und jucken.

Was tun bei einem Quallenstich?

Oft sind nach dem Kontakt mit einer Giftqualle noch Fäden an der Haut, die entfernt werden sollten. Die Quallenfäden sollten auf keinen Fall mit Süßwasser, einem Handtuch oder der bloßen Hand abgerubbelt werden, weil sich dann die verbliebenen Nesselkapseln öffnen. Rasierschaum gilt als Geheimwaffe gegen die unangenehmen Stiche: auftragen und mit einer Plastikkarte die Nesselkapseln entfernen. Alternativ können die Tentakel auch mit Sand abgerieben werden. Zudem empfiehlt es sich, die Haut zu kühlen und zu desinfizieren. Waschen mit Essig kann helfen, die Haut zu beruhigen. Bei Kreislaufproblemen unbedingt einen Arzt aufsuchen!

Warum gibt es immer mehr Quallen?

In einigen Meeren haben Forscher eine Zunahme der Glibberwesen beobachtet. Sie verstopfen Fischernetze oder Kühlanlagen. Auch in Nord- und Ostsee tummeln sich immer mehr von ihnen. Dabei steigt nicht nur die Zahl der Quallen - auch neue Quallenarten siedeln sich an. Wissenschaftler vermuten, dass ökologische Probleme wie die Überfischung, der Klimawandel und die Überdüngung der Meere Gründe für die Zunahme der Quallen sind.

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Dieses Thema im Programm:

Mein Nachmittag | 31.08.2018 | 16:20 Uhr

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