Sendedatum: 06.07.2014 06:00 Uhr Archiv

Ilka@home (18): Flügge

von Ilka Petersen
Ilka Petersen mit ihrem Sohn Leonard Aaron. © privat Foto: Anne Lorenzen
Das erste freie Wochenende seit Lennys Geburt war eine Herausforderung für das Mutterherz.

Ich habe es gewagt: Nach rund sechs Monaten Tag und Nacht mit Lenny sitze ich allein im Zug auf dem Weg zu einer gefühlt völlig wilden Party in Süddeutschland, dem Junggesellinnenabschied meiner Freundin. Die Nacht war unruhig. Das schlechte Gewissen, Lenny alleine zu lassen, hat sich mit dem Feierbiest in mir unterhalten und irgendwie sind sie nicht auf einen Nenner gekommen.

Ich könnte jetzt schreiben, wie cool ich das gemeistert habe, wie sehr ich mich auf das Ausschlafen gefreut habe. Oder dass ich es genossen habe, mit nur einer Tasche in der Hand ganz entspannt meinen Sitzplatz zu suchen, ohne schweißgebadet mit Wickeltasche und Schnullerband im Mundwinkel durch die Gänge zu stolpern. Aber es steckt mehr Mutter Beimer  in mir als ich dachte – und gehofft hatte. Bereits auf dem Bahnsteig habe ich meinem Mann die erste SMS geschrieben, ob denn alles in Ordnung sei und er (Lenny) mich nicht schon lauthals vermissen würde.

Mutter Beimer ist in mir

Die erste Stunde im Zug habe ich dann damit verbracht, mir Schnappschüsse von Lenny auf dem Handy anzuschauen. Wenn ich dann gar nicht anders konnte, habe ich auch gleich meine Freundinnen per SMS damit bombardiert. Mit dem Hinweis, dass ich ja zum ersten Mal ein freies Wochenende habe und zu einer Party fahre. Ihr könnt euch vorstellen, was da zurück kam. (Blog 3)

Eine coole Partybraut bin ich damit wohl nicht so ganz. Aber es ist doch auch so, von heute auf morgen bekommt man einen riesigen Batzen Verantwortung aufgebrummt, ist dabei gleichzeitig schwer verliebt und verbringt auf einmal jede freie Minute mit diesem Menschen. Das krempelt schon einmal alles um. Kaum hat man sich dann einigermaßen daran gewöhnt, klopft beharrlich das alte Leben an die Tür und will mit der neuen Situation vereint werden. Das kann schon mal überfordern.

Aber nach gut einer Stunde konnte ich die Tür endlich öffnen und mein freies Wochenende im Bordbistro mit einem Grauburgunder begrüßen. Nicht unbedingt ein geschmackliches Highlight, aber in einem Bistro zu sitzen, aus dem Fenster zu starren und Wein zu trinken, irgendwie schon.

Ein Hoch auf uns!

Danach ging es erst einmal zu einer Bekannten, um den weiteren Ablauf zu planen. Das letzte Mal hatte ich sie vor Ewigkeiten gesehen, dementsprechend mussten erst einmal Eckdaten ausgetauscht werden. Beziehungsstatus, Job und so weiter. Während ich versuchte, mir dabei mit dem ersten Glas Prosecco möglichst nur die Lippen zu befeuchten, da sich das Glas Wein aus dem Bordbistro beharrlich seinen Weg in mein Sprechzentrum bahnte, erzählte sie mir aus ihrem Singleleben. So herrlich normal lästerte sie über Männer, philosophierte über neue Chancen im Leben und schnipste dabei lässig ihre Zigarette in den Ascheimer.

Zum weiteren Verlauf des Abends nur so viel: Das Licht in der Kneipe an der Ecke brennt tatsächlich noch. Im Morgengrauen befand ich mich in einer Disco, wo der DJ beharrlich den Knopf für die Nebelmaschine betätigte und dazu den aktuellen Hit von Andreas Bourani "Auf uns“ auflegte. Ich riss die Arme in die Luft und sang lauthals mit: "Ein Hoch auf das, was vor uns liegt(…) Auf diese Zeit. Ein Hoch auf uns“.

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | 06.07.2014 | 06:00 Uhr

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