Sendedatum: 10.06.2014 05:00 Uhr  | Archiv

Ilka@home (14): Planschbecken und Pommes-Gefühl

von Ilka Petersen
Ilka Petersen mit ihrem Sohn Leonard Aaron. © privat Foto: Anne Lorenzen
Ilka Petersen mit ihrem Sohn Leonard Aaron.

Urlaub mit Baby ist ... ein  bisschen wie im Freibad in ein Handtuch eingewickelt Pommes essen. Es ist etwas Besonderes, fühlt sich heimelig und glücklich an.

Zugegeben, manchmal ist das Freibad nicht das Meer und die Pommes kein Cocktail mit Schirmchen, aber was kann denn schon gegen den Ferienduft von Chlor in der Nase anstinken. Übrigens, wenn man der Nase nach geht, ist der Chlorgeruch im Babypieschbecken am stärksten. Und da die Ekelschwelle von Eltern ungefähr so hoch ist wie der Bungsberg, knien sie jubelnd neben ihrem Nachwuchs mittendrin. Allerdings fällt das eben auch nur auf, wenn man sich in Gesellschaft von Nicht-Eltern befindet.

Aber von Anfang an: Fest steht, Urlaub mit Baby hat das Koffer packen nicht gerade erleichtert. Zwei Koffer, eine große Sporttasche, diverse Tüten, der Spiele-Dschungel, Kinderwagen, ein Beutel mit Schuhen - nix mit gemütlicher Urlaubsstullen-Schmier-Atmosphäre vor der Abfahrt. Stattdessen Diskussionen über die Notwendigkeit von Fönaufsätzen und Spieledecken, dazu die ständige Befürchtung: "Da fehlt doch was!" Im Endeffekt sind wir dann erst einen Tag später losgekommen und den Nudelsalat für die Fahrt habe ich schon beim Packen gegessen.

Ich muss dem Helikopter in mir die Starterlaubnis entziehen

Ein Kofferraum ist bis oben hin voll mit Kinderwagen, Spielzeug und Klamotten. © privat
Kofferraumtetris

Gut, dass mein Mann zur Gameboy-Generation gehört. So haben sich seine Tetris-Stunden doch wirklich bezahlt gemacht. Es passte alles ins Auto (siehe Foto). Und so konnte es guter Dinge losgehen. Um zu entspannen, musste ich nur noch dem Helikopter in mir die Starterlaubnis entziehen. Da zuppel ich die Mütze zurecht, ziehe den Sonnenschirm von links nach rechts, von rechts nach links, bis er endgültig abfällt, und fühle regelmäßig Lennys Nacken, ob ihm nicht doch zu warm ist.

Es wurde vielleicht einmal Zeit, dass ich den Babyclub hier nach vier Monaten verlasse und Zeit in einer kinderlosen Umgebung verbringe. Zum Beispiel begrüße ich jeden Morgen Lennys Beine, namens "Hampel" und "Strampel". Dazu erzähle ich mit dem sich überschlagendem Enthusiasmus einer hormonell verstrahlten Mutter die Geschichte von den Füßen "Frohgemut" und "Gehtmirgut".

Frischgebackene Eltern haben irgendwie einen Knall

Da ich im Urlaub zum ersten Mal Publikum bei dieser Aufführung hatte und Lenny schließlich immer ganz begeistert von meiner Darbietung war, erwartete ich natürlich Applaus. Doch stattdessen verwirrte Gesichter und schließlich schallendes Lachen. Die selbstverständliche Diskussion über Windelinhalte am Frühstückstisch machte es nicht besser. Als ich dann noch laut drüber nachgedacht habe, mir den Namen von Lenny in Elbenschrift tätowieren zu lassen (aber wirklich nur kurz!), war wohl endgültig klar, dass frischgebacke Eltern irgendwie einen Knall haben.

Aber genau wie ich hoffe, dass die fehlenden sieben Prozent Hirn wieder zu mir zurückkommen, halte ich auch hormonell daran fest, wieder normal zu werden. Wobei, ganz ausschließen kann ich bei dem Wetter nicht, dass ich in den nächsten Tagen knieend im Babyplanschbecken hocke. Aber ich kann ja zumindest zwischendurch mal vom Dreier springen. Dort ist garantiert babyfreie Zone und es pustet den Kopf frei. So oder so, ich wünsche euch eine ganz schöne Zeit am See, im Freibad oder im Planschbecken, Hauptsache ihr habt das Pommes-Gefühl!

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | 10.06.2014 | 05:00 Uhr

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