Stand: 24.03.2020 18:09 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Wegen Corona: Prien fordert Absage der Abiturprüfung

Seit dem 16. März sind die Schulen in Schleswig-Holstein wegen der Maßnahmen zur Verlangsamung der Corona-Pandemie geschlossen. Auch Abiturienten haben keinen Unterricht mehr. Weil niemand seriös vorhersagen könne, wann der Unterricht wieder starten kann, fordert Bildungsministerin Karin Prien (CDU) nun ein sogenanntes Anerkennungsabitur. Demnach sollen in diesem Schuljahr die Prüfungen zum Ersten Allgemeinbildenden Schulabschluss und Mittleren Schulabschluss nicht abgenommen werden.

Anerkennungsleistungen aus den bisherigen Noten

Ende Juni ist das Schuljahr vorbei. Wenn Abiturprüfungen in Schleswig-Holstein durchgeführt werden sollten, müsste das direkt nach den Osterferien passieren, sagt Prien. Das sei aber unrealistisch. Außerdem sei die Schule ein Lernraum, bei dem es auf die Lernbegleitung durch Lehrkräfte ankäme und nicht auf den Bildungsstand der Eltern oder die Ausstattung zu Hause.

Nach Beratungen mit Fachleuten im Ministerium und anderen Länderkollegen will die Bildungsministerin daher Abschlusszeugnisse als Anerkennungleistungen aus den bisherigen Noten vergeben. In anderen Bundesländern würden ähnliche Beschlüsse derzeit diskutiert, sagte die Ministerin. Ihr sei es besonders wichtig, dass sich die Bundesländer auf einen gemeinsamen Weg einigen, so Prien. Dafür wolle sie auch in der Kultusministerkonferenz werben.

Ministerin will faire Lösung für alle Schüler

Nicht alle Schüler dürften von dieser Idee begeistert sein. Für viele ist gerade das Abitur noch mal eine Motivation und Möglichkeit, die Leistungen zu verbessern. Diese Chance würde ihnen damit genommen werden. Allerdings gebe es auch viele Schüler, die unter diesen Voraussetzungen das Abitur sowieso nicht hätten schreiben können, sagt Prien. Beispielsweise, weil sie selbst oder Familienangehörige vom Coronavirus betroffen gewesen seien.

Auch die psychische Belastung durch eine solche Pandemie sei nicht zu vernachlässigen, erklärte Prien. "Am Ende geht es darum, beim Thema Bildungsgerechtigkeit nicht zu viele Schüler zu benachteiligen."

Ministerin Karin Prien im Landeshaus Kiel bei einer Sitzung im Plenarsaal. © rtn - radio tele nord / Picture Alliance Foto: Ute Strait

Prien zum Abitur: "Keine Nachteile für Schüler"

NDR 1 Welle Nord - Nachrichten für Schleswig-Holstein -

Bildungsministerin Karin Prien will sicherstellen, dass den Schülern durch eine mögliche Absage der Abiturprüfungen keine Nachteile entstehen. Sie wirbt für eine bundeseinheitliche Lösung.

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Entsprechender Vorschlag im Kabinett

Die Kultusministerkonferenz habe bereits in der vorvergangenen Woche beschlossen, die Zeugnisse der Allgemeinen Hochschulreife in dieser Situation gegenseitig anzuerkennen - abhängig davon, für welche Form der Abschlussleistungen sich die jeweiligen Bundesländer entschieden, so Prien. Am Mittwoch (25.3.) will sie im Kabinett einen entsprechenden Beschlussvorschlag unterbreiten.

Prien kündigt Entscheidung bis Freitag an

"In der derzeitigen Situation und der besonderen Herausforderung nicht nur für unser Schulsystem, sondern auch jeden einzelnen von uns, halte ich diese Entscheidung für geboten", sagte die Ministerin. Ein entsprechender Beschluss solle nur gefasst werden, wenn sichergestellt ist, dass den Schülern dadurch kein Nachteil entsteht. Nach Angaben der Ministerin sollen die Schüler bis Freitag mit einer Entscheidung rechnen können.

SPD fordert gemeinsame Lösung

Die oppositionelle SPD fordert eine Lösung im Gleichklang mit den anderen Bundesländern. "Auch wenn es im Mai keinen Eurovision Song Contest gibt, muss die Punktevergabe an den Schulen möglich sein", sagte der SPD-Bildungspolitiker Kai Vogel.

Zustimmung von GEW und Philologenverband

Zustimmung für Prien kommt von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). "Das ist eine sinnvolle und vernünftige Entscheidung unserer Meinung nach. Sie dient der Gesundheit der Lehrkräfte, aber auch der Gesundheit von Schülern", sagte Bernd Schauer, Geschäftsführer der GEW.

Zwei Drittel der gesamten Abiturnote stünden schon fest, ergänzte Jens Finger, Vorsitzender des Philologenverbandes. In dieser historisch einmaligen Situation sei es sinnvoll, dass das letzte Drittel hochgerechnet wird. Ein weiterer Vertreter des Verbandes sagte, dass auch eine Verschiebung der Abiprüfungen auf Mai eine Option sei.

Landesschülersprecherin: Abitur muss bundesweit anerkannt werden

Für die Schüler selbst sei dieser Vorschlag sehr überraschend gekommen, erklärte Landesschülersprecherin Amrei Seipel. Auch sie unterstütze die Pläne, betonte aber die Wichtigkeit, dass alle Hochschulen bundesweit das Abitur anerkennen.

Zwei Hamburger Schüler haben angesichts der Corona-Pandemie eine Petition zur bundesweiten Absage der Abitur-Prüfungen gestartet. Die beim Internetportal "change.org" veröffentlichte Petition haben bis Dienstagnachmittag rund 76.000 Unterstützer unterzeichnet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 24.03.2020 | 19:00 Uhr

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