Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther lächelt in die Kamera bei einem Interview im Studio des NDR. © NDR

Sperrstunde und weniger Kontakte - SH verschärft Corona-Regeln

Stand: 27.10.2020 19:23 Uhr

Kontakte werden stark eingeschränkt: Wegen der aktuellen Entwicklung der Corona-Lage hat Ministerpräsident Günther verschärfte Regeln angekündigt, die vom Wochenende an für die kommenden drei Wochen gelten sollen.

Auch wenn Schleswig-Holstein im bundesweiten Vergleich gut dasteht: Die Landesregierung verschärft die Corona-Maßnahmen, und zwar schon vom Wochenende an. Wie Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) am Dienstagmittag sagte, soll für drei Wochen landesweit jenes Regelwerk gelten, das grundsätzlich für Inzidenzwerte über 50 vorgesehen ist - unabhängig von Entwicklungen in einzelnen Kreisen. Die Lage sei dramatisch, so Günther. Oberstes Ziel müsse es nun sein, das wirtschaftliche und soziale Leben am Laufen zu halten, so Günther. Deshalb ist es nach seinen Worten notwendig, jetzt zu handeln und Kontakte weiter zu beschränken. Ab Sonnabend darf man sich in Schleswig-Holstein nur noch mit maximal zehn Personen treffen - sowohl im privaten als auch im öffentlichen Raum. Die entsprechende Verordnung soll am Freitag veröffentlicht werden.

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Schutzmaßnahmen für die 50er-Marke

  • Pflicht eine Mund-Nasen-Bedeckung überall dort zu tragen, wo Menschen länger oder dichter zusammen kommen - zum Beispiel auf belebten Plätzen oder in Einkaufsstraßen
  • Kontaktbeschränkung auf maximal 10 Personen - auch im Amateursport.
  • Generelles Verbot des Außerhausverkaufes von Alkohol zwischen 23 und 6 Uhr (Gaststätten, Tankstellen, Supermärkte)
  • Sperrstunde in der Gastronomie zwischen 23 und 6 Uhr
  • Begrenzung von Veranstaltungen auf maximal 100 Teilnehmende außen und innen. Wochenmärkte dienen der Grundversorgung. Sie sind von dieser Begrenzung ausgenommen.
  • Im Profisport wird die Zuschauerzahl auf maximal 100 begrenzt. Profis dürfen auch Kontaktsport mit mehr als zehn Personen ausüben.

Sonderregelung für Schulen

Außerdem sollen den Plänen zufolge auch Schülerinnen und Schüler ab der fünften Klasse in den kommenden drei Wochen weiter einen Mund-Nasen-Schutz im Unterricht tragen. Ursprünglich war das nur für die zwei Wochen nach den Herbstferien vorgesehen. Grundschüler dagegen müssen demnach eine Maske erst tragen, wenn der Inzidenzwert in der Region die Zahl 50 überschreitet. Günther nannte das als die wahrscheinlich einzige Ausnahme zur generellen Anwendung der 50er-Inzidenz-Regeln. Gleichzeitig sprach sich der Ministerpräsident dagegen aus, die Gastronomie komplett zu schließen: "Es gibt viele Gastronomen, die tolle Hygienekonzepte haben und auch darauf achten, diese einzuhalten." Er wolle kein Berufsverbot für einen ganzen Berufszweig, nur weil Einzelne sich nicht an die Regeln halten, betonte Günther.

Schleswig-Holstein habe rechnerisch noch zwölf Tage Vorsprung vor der durchschnittlichen Corona-Entwicklung in ganz Deutschland, sagte Günther. Man wolle verhindern, in zwölf Tagen so dazustehen wie andere Bundesländer.

"Damit wir uns auf Weihnachten freuen können"

Die verschärften Maßnahmen gelten laut Ministerpräsident unabhängig von den Beschlüssen, die am Mittwoch bei einer Konferenz der Länderchefs mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) getroffen werden könnten. "Noch haben wir es in der Hand", sagte Günther. "Jeder sollte bei den Einschränkungen immer daran denken, dass wir das machen, damit wir uns auf Weihnachten freuen können."

Oppositionsführer Ralf Stegner (SPD) nannte die Einschränkungen "vernünftig und maßvoll". Sie seien darauf ausgerichtet, "dass wir die Verbreitung des Virus, die Geschwindigkeit vor allem, einschränken können". Wichtig sei es, dass am Ende bundesweit die gleichen Maßstäbe gelten, "und situativ und regional angepasst die Maßnahmen, die jeweils passen", so Stegner.

Merkel: Niemand darf ausgegrenzt werden

Mit Blick auf das Treffen mit den Ministerpräsidenten mahnte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag: "Wir sehen bei den steigenden Zahlen, dass wenn wir das, was wir wissen über das Virus, nicht einhalten, dass wir dann wieder in Situationen kommen, die ausgesprochen schwierig sind." Zugleich sprach sie sich dagegen aus, im Zuge des Infektionsschutzes Kranke, Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderungen vom gesellschaftlichen Leben auszuschließen. "Die Einschränkungen dienten und dienen dem Schutz der Gesellschaft, aber auch dem Schutz besonders gefährdeter Gruppen", sagte Merkel. Es brauche ein Schutzkonzept, "das nicht zu einer Separation von Gesellschaftsteilen führt".

Corona-Ausbruch in zwei Norderstedter Heimen

Wie schutzbedürftig viele Einrichtungen sind, zeigt ein Blick nach Norderstedt (Kreis Segeberg): Dort gibt es in zwei Alten- und Pflegeheimen seit Freitag insgesamt 39 Corona-Fälle. In beiden Einrichtungen, die unter Quarantäne stehen, stehen insgesamt noch knapp 300 Testergebnisse aus.

Amateurfußball eingestellt

Weil auch beim Amateursport nur noch maximal zehn Personen in getrennten Kohorten trainieren dürfen, wurde der komplette Spielbetrieb im Amateurfußball am Dienstag für vorerst dreieinhalb Wochen eingestellt. Der Schleswig-Holsteinische Fußballverband (SHFV) beschloss, den Spielbetrieb bei den Amateuren zunächst bis zum 22. November einzustellen.

Scholz: Maßnahmen zielgerichtet, zeitlich befristet und fokussiert

Neben Kanzlerin Merkel äußerten sich am Dienstag auch mehrere Minister besorgt über die aktuelle Corona-Lage. Vize-Kanzler und Finanzminister Olaf Scholz (SPD) sprach von einer besorgniserregenden Entwicklung, Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) geht davon aus, dass es bereits Ende dieser Woche 20.000 Neuinfektionen täglich geben wird. Beide forderten zusätzliche Maßnahmen, um in der Pandemie verstärkt gegenzusteuern. "Die zusätzlichen Maßnahmen sollten zielgerichtet, zeitlich befristet und fokussiert sein", erklärte Scholz.

VIDEO: Günther: Kontakte werden stark eingeschränkt (9 Min)

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 27.10.2020 | 14:00 Uhr

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