Eine Luftaufnahme des Eckernförder Panoramas. © Eckernförde Touristik & Marketing GmbH Foto: Stefan Borgmann

Modellregion Eckernförde: Ab Montag kommen die Touristen

Stand: 13.04.2021 05:00 Uhr

Eckernförde ist - zusammen mit der Schlei-Region - eine von vier genehmigten Modellregionen in Schleswig-Holstein. Wer darf ab Montag kommen und was ist alles geöffnet? Ein Überblick.

von Andrea Schmidt

Die Telefone bei der Touristinformation in Eckernförde stehen seit dieser Woche nicht mehr still. Auch E-Mails von Urlauber-Willigen aus ganz Deutschland laufen ein. "Die Buchungszahlen schnellen jetzt hoch", sagt der Touristik-Chef des Ostseebades, Stefan Borgmann. Hinter den Kulissen wird dabei viel geregelt. Die Touristiker, die Stadt, das Ordnungsamt und das Gesundheitsamt - alle müssen jetzt in wenigen Tagen Bestimmungen umsetzen, Konzepte genehmigen, Betriebe und Gastgeber informieren. Erst am vergangenen Freitag hatte Tourismusminister Bernd Buchholz (FDP) vier Tourismus-Modellregionen für Schleswig-Holstein benannt.

Gemütlich im warmen Restaurant essen

Anders als in der Schlei-Region dürfen in Eckernförde die Restaurants und Cafés sogar wieder im Innenbereich Gäste bewirten. Während also in Städten wie Kiel, Kappeln oder Flensburg nur draußen auf der Terrasse geschlemmt werden darf, sitzen in Eckernförde die Gäste gemütlich im Warmen, wenn sie möchten. Hier gelten die üblichen Corona-Regeln wie Abstand zwischen den Tischen, Kontaktverfolgungen und eine begrenzte Personenzahl am Tisch. "Was jetzt neu ist: Man kommt nur mit einem negativen Corona-Test ins Restaurant. Es kann sein, dass einige das nervt", meint Touristiker Borgmann.

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Antigen-Schnelltests sind drinnen Pflicht

Bei dem Test muss es sich um einen Antigen-Schnelltest eines medizinischen Dienstleisters handeln, wie es beispielsweise beim kostenlosen Bürgertest der Fall ist. Ein PCR-Test ist nicht nötig, Selbsttests sind nicht gestattet. Das Testergebnis darf maximal 48 Stunden alt sein. Wer nur auf der Terrasse eines Gastronomiebetriebes Platz nehmen möchte, muss keinen Test vorweisen.

Urlauber müssen schon bei Anreise Test vorlegen

Die Strategie des Testens spielt eine wesentliche Rolle in Eckernförde. Urlaubsgäste müssen schon bei der Anreise das negative Ergebnis eines maximal 48 Stunden zurückliegenden Antigen-Schnelltests in ihrer Unterkunft vorlegen. "Wenn sie zwei Tage oder länger bleiben, müssen sie sich erneut in der Stadt testen lassen", sagt Borgmann. Am Montag wurde ein zusätzliches Testzentrum in der Innenstadt aufgebaut. Insgesamt gibt es jetzt in Eckernförde sieben verschiedene Teststationen. Jeder Test an diesen Stationen ist laut Borgmann kostenlos.

Vom Hotel bis zum Schwimmbad: Alles darf öffnen

Geschäftsführer der Eckernförde Touristik & Marketing GmbH Stefan Borgmann steht vor einer Werbetafel. © NDR Foto: Andrea Schmidt
Stressige Tage für Eckernfördes Touristik-Chef Stefan Borgmann. Er sieht das Modellprojekt als große Chance.

Alle Beherbergungsbetriebe, die zum Stadtgebiet von Eckernförde zählen, dürfen öffnen. "Vom kleinen Schlafstrandkorb über eine Ferienwohnung bis zum Hotel dürfen alle dabei sein", sagt Touristiker Borgmann. Die Voraussetzung sei "ein vernünftiges Corona-Konzept". Auch Campingplätze dürfen öffnen. Ebenso der Jachthafen und zum Beispiel die Fischräucherei, das Ostsee-Info-Center und das Meerwasser-Wellenbad. Immer gilt: Gibt es ein Corona-konformes Hygienekonzept, dürfen Besucher empfangen werden.

Modellprojekte können auch abgebrochen werden

Das Modellprojekt in Eckernförde läuft vom 19. April bis 15. Mai. Es gibt eine Verlängerungsoption. Voraussetzungen sind eine stabil unter 100 liegende Sieben-Tage-Inzidenz, eine wissenschaftliche Begleitung und die Zustimmung der jeweiligen Gesundheitsämter - möglicherweise mit weiteren Auflagen. Im Ernstfall, etwa bei einer Überlastung des Gesundheitswesens, könnten die Projekte jederzeit durch das Veto des örtlichen Gesundheitsamts abgebrochen werden, hatte Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) am vergangenen Freitag klargestellt.

Professor Ott begleitet wissenschaftlich

Die wissenschaftliche Begleitung in Eckernförde übernimmt Professor Dr. Stephan Ott vom Kreis Rendsburg-Eckernförde - der Infektiologe ist dort Leiter des Gesundheitsamts. Er hat zum Beispiel einen Blick auf die Kontaktdaten in der Gastronomie und macht klar: "Jeder Betreiber einer gastronomischen Einrichtung muss dem Gesundheitsamt die Kontaktdaten jederzeit digital übermitteln können." Auch die Zahl der Registrierten in den Testszentren listet er auf. Wichtig dabei: die Trennung der touristischen Zahlen von dem Rest. Tagesaktuell wird Ott immer wieder schauen, ob die Öffnungen gerechtfertigt bleiben.

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Der wissenschaftliche Begleiter sagt: "Eckernförde wird spannend." Schon Minister Buchholz hatte darauf hingewiesen, dass die Stadt neben Urlaubern auch für Tagestouristen attraktiv sei. Aus den Erfahrungen von Eckernförde ergäben sich lehrreiche Erkenntnisse und Aspekte für andere Orte, so Buchholz. Für die Schlei-Region vermutet Professor Ott, dass es aufgrund der dezentralen Beherbergungen zu keinen kritischen Inzidenzen kommen wird.

Borgmann: "Es kann auch in die Hose gehen"

Stefan Borgmann weiß, wie wichtig die kommenden Wochen für Eckernförde nun sind. "Wir wollen zeigen, dass wir Tourismus verantwortlich betreiben können. Und dass es durchaus möglich ist, wieder Leben in die Bude zu bringen." Die große Frage wird sein: Halten sich alle an die Regeln? "Es kann am Ende auch rauskommen, dass es total in die Hose geht, dass abgebrochen werden muss bei einer Inzidenz von 100 und mehr." Und das würde dann heißen: "Tut mir leid, Leute, Ihr habt die Chance nicht genutzt, Tourismus findet 2021 gar nicht mehr statt."

Im Notfall Ordungsamt und Polizei

Bleibt noch die Frage, was Eckernförde macht, wenn die Ostseestadt nun völlig überlaufen wird? Wenn nicht nur Urlauber in Scharen kommen, sondern auch viel zu viele Schleswig-Holsteiner, die sich einen netten Tag machen möchten in einer schönen Stadt, in der so viel möglich ist? Stefan Borgmann bleibt gelassen. "April und Mai sind nicht gleichzusetzen mit Hochsaison. Wenn es zu viel wird, dann müssten wir mit Ordungsamt und Polizei agieren."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 13.04.2021 | 08:00 Uhr

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