In einem Labor wird eines von mehreren Glasröhrchen angehoben. © picture alliance Foto: Hendrik Schmidt

Corona: Gesundheitsämter mit Hunderten Fällen im Rückstand

Stand: 04.01.2022 09:06 Uhr

Die starke Zunahme an Corona-Infektionen in Schleswig-Holstein durch die Omikron-Virus-Variante bringt viele Gesundheitsämter im Land an ihre Belastungsgrenze. Einige von ihnen haben die Kontaktnachverfolgung stark eingeschränkt.

Unter anderem die Ämter im Kreis Herzogtum Lauenburg, Nordfriesland, Stormarn und Segeberg melden eine sehr hohe Arbeitsbelastung - und Überforderung. Die Kreisverwaltung in Stormarn spricht von "einer bisher nicht dagewesenen Anzahl von Meldungen positiv getesteter Personen und Kontaktpersonen". Der Grund: die Feiertage und der Ausbruch nach einer Feier in einer Diskothek in Trittau an den Weihnachtstagen. Am Montag hatte die Verwaltung noch nicht alle 2.000 Besucher erreicht. Die Folge der Überlastung: Neue Fälle können nicht mehr am selben Tag bearbeitet werden, damit ist auch die Meldestatistik unvollständig. "Die tatsächliche Zahl der Neuinfektionen fällt somit leider noch höher aus", schreibt die Verwaltung in einer Pressemitteilung.

Segeberg: Hunderte Fälle noch nicht erfasst

Auch die Verwaltung im Kreis Segeberg warnte am Montag vor den eigenen Zahlen: "Die angegebene Inzidenz spiegelt in keiner Weise den aktuellen Wert wider." Im Bereich der Kreisverwaltung gab es viele Fälle nach Partys in mehreren Diskotheken. Der aktuelle Wert sei deutlich höher, so die Verwaltung. Mehrere Hundert Personen mit positivem PCR-Test seien noch nicht erfasst, 1.500 Kontaktpersonen müssten noch bearbeitet werden. Der zuständige Landrat Peter Schröder berichtete am Montag auf einer Pressekonferenz davon, dass allein über die Feiertage zum Jahreswechsel mehr als 900 E-Mails eingegangen seien von Personen mit Corona-Symptomen.

Das Gesundheitsamt konzentriere sich jetzt mit 80 Mitarbeitern darauf, "was absolut und zwingend notwendig" ist, so der Landrat. Es gehe darum, die "derzeit anflutende Omikron-Welle abzumildern" und die "besonders vulnerablen Gruppen" zu schützen. "Alles was darüber hinaus geht, wird liegen bleiben müssen", sagte Schröder. Die Kontaktnachverfolgung in Schulen, Kitas und vergleichbaren Einrichtungen wird laut Kreis deshalb nun massiv eingeschränkt.

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Verwaltungen verstärken Infektionsschutz-Teams

Segeberg stellt vorerst auch die Auswertung der Fallzahlen für die regionalen Medien ein, ähnlich ging zunächst nur am Montag auch die Kreisverwaltung in Nordfriesland vor. Auch hier begründet die Pressestelle den Ausfall der Meldung damit, dass "erneut sehr hohe Fallzahlen" abgearbeitet werden müssten. Viele Verwaltungen verstärken jetzt ihre Infektionsschutz-Teams in den Gesundheitsämtern, zum Teil haben sie auch wieder Amtshilfe bei der Bundeswehr beantragt.

Infizierte sollen Kontaktpersonen selbst informieren

Viele Ämter setzten auf die Mithilfe der Betroffenen: Wer sich mit dem Coronavirus infiziert hat, wird - wie zum Beispiel auch in Flensburg - aufgefordert, Kontaktpersonen selbst zu informieren, dass sie sich gegebenenfalls in Quarantäne begeben müssen. Das Gesundheitsamt selbst ist nach Angaben des Kreises bereits völlig damit ausgelastet, Quarantänebestätigungen für die Arbeitgeber auszustellen und die Neu-Infektionen in eine digitale Datenbank aufzunehmen.

Das Ausbruchsgeschehen ist nicht überall gleichstark: Der Kreis Plön meldet keine Probleme - in seinem Zuständigkeitsbereich ist allerdings auch noch kein größerer Ausbruch bekannt geworden: Nach Angaben einer Sprecherin unterstützen dort Beschäftigte aus anderen Abteilungen die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes bei ihren Aufgaben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 04.01.2022 | 09:00 Uhr

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