Schüler sitzen in einem Klassenzimmer mit einem von 162 professionellen Luftreinigungssystemen, die eine Initiative von Duderstädter Unternehmen und Institutionen für 36 Schulen und Kitas besorgt hat. © Duderstadt2030 Foto: Karsten Ley

Corona: Mit Stufenplan zurück an die Schulen

Stand: 04.01.2021 16:46 Uhr

Die Schulen bleiben erst einmal dicht - das ist das Ergebnis einer Beratung der Kultusminister. Wenn es möglich ist, sollen dann zuerst die Kinder in den Klassen 1 bis 6 zurückkehren. Die Größeren sollen später folgen.

Die Kultusminister der Länder haben sich am Montag für einen Stufenplan zur Öffnung der Schulen ausgesprochen. Wenn die Corona-Zahlen es zulassen, sollen zunächst die Klassen 1 bis 6 zum Präsenzunterricht zurückkehren können. In einer weiteren Stufe sei dann Hybridunterricht ab Klasse 7 möglich. Wann es soweit sein wird, ist allerdings noch unklar. "Es gibt keine Festlegung auf einen bestimmten Zeitpunkt oder einen bestimmten Inzidenzwert. Das ist Sache des einzelnen Bundeslandes, das selber zu entscheiden", sagte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) im Gespräch mit NDR Schleswig-Holstein. Die endgültige Entscheidung, wie es weitergeht, soll am Mittwoch verkündet werden. Bei der Entscheidung solle berücksichtigt werden, dass sich größere Kinder eher mit dem Coronavirus infizieren als kleinere. "Bei den Schülern ab 15 sehen wir, dass sie sich anstecken können, wie Erwachsene auch. Dem müssen wir Rechnung tragen, da müssen wir differenzieren", sagte Prien. In der Konferenz sei bekräftigt worden, dass eine Öffnung der Schulen höchste Bedeutung habe. Zudem sei der Präsenzunterricht über einen längeren Zeitraum nicht zu ersetzen, ohne dass dies negative Folgen habe.

Distanzunterricht bis nach dem 11. Januar

Sie geht allerdings davon aus, dass es auch in der kommenden Woche Distanzunterricht geben wird. Dieser beginnt schon am Donnerstag - dem ersten Schultag nach den Weihnachtsferien. "Jetzt, zu einem Zeitpunkt, in dem die Datengrundlage so ungewiss ist, in dem wir tatsächlich nicht wissen, ob der Lockdown erfolgreich ist, und wo wir auch nicht wissen, welche Auswirkungen die neuen Virusvarianten B.1.1.7 aus England unter anderem haben, können wir die Schulen nicht verantwortlich öffnen", sagte die Ministerin. Für die jüngeren Schüler werde es allerdings weiter eine Notbetreuung geben. Es gehe jetzt darum, die Fortschritte des digitalen Lernens auszuschöpfen, so Prien.

Landeselternbeirat: Arbeitsblätter reichen nicht aus

Claudia Pick vom Landeselternbeirat der Gymnasien sieht genau dort Nachholbedarf. Es reiche nicht aus, die Schüler zu Hause mit Arbeitsblättern zu versorgen. "Es hat natürlich eine Optimierung des Distanzunterrichts stattgefunden, aber nicht in allen Bereichen und vor allem nicht bei jedem Schüler und an jeder Schule. Es ist auch sehr Lehrkräfteabhängig, wie sie Distanzunterricht ausgebaut haben", sagte Pick. Das bereitet der Landeselternvertreterin vor allem mit Blick auf die Abitur-Abschlussklassen große Sorgen.

Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Astrid Henke, sagte, es sei der richtige Weg, die Entwicklung der Infektionszahlen zu beobachten und später über Präsenzunterricht zu entscheiden. Die Gewerkschaft forderte, den Lockdown in den Schulen um mindestens eine Woche zu verlängern.

Debatte um Digitalisierungs-Fortschritt an Schulen

Im Deutschlandfunk räumte Prien Versäumnisse bei der Digitalisierung an den Schulen ein. "Wir hätten in Deutschland sicherlich 10 bis 15 Jahre früher beginnen müssen mit der Digitalisierung der Schulen, aber man kann das eben nicht alles innerhalb weniger Monate nachholen." Das brauche seine Zeit.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 04.01.2021 | 12:00 Uhr

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