Stand: 09.04.2020 17:33 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Corona-Krise: Beratungsbedarf für Eltern und Kinder steigt

von Laura Albus

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Irene Johns, Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein, befürchtet, dass die Zahl der gemeldeten Fälle noch steigen wird.

Psychische oder körperliche Gewalt gegen Kinder sind mögliche Auswirkungen der Corona-Krise. Davor warnt der Kinderschutzbund vom Landesverband Schleswig-Holstein. Die aktuelle Krise führe in einigen Familien zur Verschärfung von Konflikten. In den vergangenen Wochen hat der Kinderschutzbund nach eigenen Angaben einen Anstieg von 21 Prozent bei Anrufen der Elterntelefone verzeichnet. Bei der Kinder- und Jugendberatung per Chat sei eine Steigerung von 26 Prozent sichtbar. Ein Anstieg der gemeldeten Fälle ist nach Angaben des Landesjugendamtes derzeit aber noch nicht zu verzeichnen. Laut der Vorsitzenden des Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein, Irene Johns, liegt das aber vor allem daran, dass weder Kitas noch Schulen derzeit geöffnet sind. Denn der Kinderschutzbund schult Lehrer und Betreuer darin, mögliche Kindeswohlgefährdungen zu erkennen und dann weitere Maßnahmen zu ergreifen.

Kinderschutzmaßnahmen auch während Corona-Pandemie

Bisher musste auch das Kinderschutzteam im Kreis Steinburg während der Corona-Pandemie noch nicht aktiv in die Familien gehen. "Jede Meldung auf Verdacht einer Kindeswohlgefährdung wird in einem standardisierten Verfahren geprüft", sagte Kreismitarbeiterin Sonja Wilke. Bei akuter Gefährdung des Wohls eines Kindes erfolge unmittelbar ein Hausbesuch von zwei Kinderschutzfachkräften, um die Situation vor Ort zu überprüfen und das Kind in Augenschein zu nehmen. Gegebenenfalls wird eine "Inobhutnahme" durchgeführt. Das Kind muss dann aus der Familie genommen werden. Diese Maßnahme fände auch während der Corona-Pandemie statt, so Wilke. Die Mitarbeiter würden jedoch, anders als sonst, Schutzmasken und Handschuhe tragen. Dadurch soll Covid-19 keinen Einfluss auf die Sicherung des Kindeswohls haben.

Vermutung: Kindeswohlgefährdungen steigen

Irene Johns vom Kinderschutzbund und Sonja Wilke vom Kreis Steinburg haben jedoch eine Vermutung: Die Zahl der gemeldeten Kindeswohlgefährdungen wird steigen – spätestens, wenn Schulen und Kitas wieder geöffnet sind. Bis dahin fordern sie Nachbarn auf, sich bei der Vermutung von Gewalt gegen Kinder im Zweifel an den Kinderschutzbund zu wenden und Rat zu holen.

Kontaktnummern

  • Kinder- und Jugendtelefon (anonym): Montag bis Sonnabend von 14 – 20 Uhr: 11 61 11
  • Elterntelefon (anonym): Montag bis Freitag von 9 – 11 Uhr; Dienstag und Donnerstag von 17 – 19 Uhr: 0800 111 05 50

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 08.04.2020 | 19:00 Uhr

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