Stand: 25.06.2020 07:54 Uhr

Ausbildung trotz Corona: Prämien beschlossen

Fast 30.000 junge Menschen in Schleswig-Holstein haben in diesem Sommer ganz frisch ihren Schulabschluss in den Händen. Eigentlich würde mehr als die Hälfte von ihnen jetzt eine Ausbildung anfangen. Wegen der Corona-Krise ist in diesem Jahr aber alles etwas anders. Die Kammern im Land melden 20 Prozent weniger Ausbildungsverträge.

Prämie für ausbildende Unternehmen

Der Bund will Abhilfe schaffen und hat entschieden: kleine und mittlere Betriebe, die trotz Corona-Schwierigkeiten ausbilden oder sogar mehr Azubi-Stellen schaffen, bekommen in diesem Jahr eine einmalige Prämie von 2.000 beziehungsweise 3.000 Euro pro Ausbildungsplatz. Auch Unternehmen, die Azubis aus insolventen Betrieben übernehmen, sollen eine Einmalzahlung bekommen. Schleswig-Holstein legt nach und hat Prämien für das kommende Jahr angekündigt. Wirtschaftsstaatssekretär Thilo Rohlfs (FDP) findet das Instrument der Prämien besonders wirkungsvoll: "Wir sind überzeugt, dass auch 2021 noch Betriebe in Schwierigkeiten sind." Die Zahlung sei eine Anerkennung. Sie decke zwar nicht die laufenden Kosten einer Ausbildung - solle aber ein Signal sein und den Firmen helfen, Ausbildungsverträge aufrecht zu erhalten.

Berufliche Bildung soll verlässlich sein

Rund 9.000 Ausbildungsplätze sind in Schleswig-Holstein derzeit unbesetzt. Rohlfs und Bildungsstaatssekretärin Doris Stenke (CDU) riefen Schüler, Eltern und Betriebe auf, die duale Ausbildung verstärkt in den Blick zu nehmen. Bei einem Treffen in Kiel betonten Spitzenvertreter von Land, Arbeitsagentur, Gewerkschaften und Wirtschaftsverbänden, die berufliche Bildung müsse trotz Corona-Krise dauerhaft und verlässlich gestaltet werden. Die betriebliche Ausbildung habe nach wie vor Vorrang, sagte DGB-Nord-Chef Uwe Polkaehn. Außerbetriebliche Auffangprogramme seien als absolut nachrangig zu betrachten. Prämien für Betriebe, die Auszubildende aus insolventen Firmen übernehmen, seien wichtige und notwendige Hilfen.

"Bedarf an Fachkräften steigt nach der Krise"

In ganz Schleswig-Holstein stünden noch viele freie Ausbildungsplätze im Handwerk zur Verfügung, sagte der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Lübeck, Andreas Katschke. Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe sei trotz Corona hoch. "Um Bewerber und Betriebe auch während der Corona-Krise zusammenzubringen, haben die Handwerkskammern ihre digitalen Angebote stark ausgeweitet", sagte er. In den Online-Lehrstellenbörsen der beiden Handwerkskammern im Land seien etwa 1.500 freie Ausbildungsplätze zu finden. UV-Nord-Geschäftsführer Sebastian Schulze appellierte an die Betriebe: "Wir dürfen trotz erheblicher pandemiebedingter Schwierigkeiten in den Ausbildungsanstrengungen nicht müde werden." Der Bedarf an Fachkräften werde nach der Krise zügig wieder steigen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Magazin | 24.06.2020 | 19:30 Uhr

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