Stand: 28.07.2020 15:07 Uhr

In Altkleidercontainern ist kein Platz mehr

Ein bunt gestalteter Altkleider Container steht vor einem Wohnhaus.  Foto: Matthias Friedrichsen
Ausrangierte Klamotten landen oft in Altkleidercontainern.

Das T-Shirt, das zu klein ist oder auch die Hose, die einem einfach nicht mehr gefällt: Viele Schleswig-Holsteiner hatten durch die Corona-Pandemie in den vergangenen Monaten viel Zeit, um ihren Kleiderschrank auszumisten. Nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) ist "das Spendenaufkommen in Schleswig-Holstein und bundesweit in den vergangenen Wochen stark gestiegen." Während das "klar Schiff machen" für viele Kleiderschränke und Haushalte vermutlich eine Erleichterung war, bedeutet es für die Textilverwerter im Land große Herausforderungen.

Der Deal mit den Klamotten

"Die Kleidung aus den Kleidercontainern von DRK, AWO oder auch Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) werden den Organisationen von den Textilverwertern abgekauft", erklärt Jürgen Hoffmeister vom DRK die Vereinbarung: "Die Erlöse dienen zur Finanzierung der Tätigkeitsfelder des DRK, die ansonsten keine Refinanzierung haben wie beispielsweise das Kieler Netzwerk gegen Kinderarmut." Das Problem: Die Textilverwerter haben nach eigenen Angaben kaum noch Lagerkapazitäten. Sie werden die gesammelte Kleidung im Moment nicht los. Die Folge sind teils überfüllte oder ganz abgebaute Container.

Keine Kleidermärkte, geschlossene Grenzen

Der Absatzmarkt sei völlig weggebrochen, die Lagerflächen komplett ausgeschöpft, berichtet beispielsweise Soex, einer der größten Textilverarbeiter Deutschlands mit Hauptsitz in Ahrensburg (Kreis Stormarn). Das bestätigt auch die Textil-Recycling Nord GmbH mit Sitz in Himmelpforten (Niedersachsen), die unter anderem mit dem kommunalen Entsorger der Kreise Stormarn und Herzogtum Lauenburg zusammenarbeitet.

Normalerweise würden sie die gesammelte Kleidung aus den Containern im Werk sortieren und dann nach Afrika, Südamerika oder Osteuropa oder auch Asien exportieren. Aber coronabedingt haben nach Angaben der Textilverwerter in vielen Abnehmerländern im Moment die Märkte, auf denen die Kleidung eigentlich verkauft werden würde, geschlossen. Zudem kommen die Unternehmen mit ihren Waren zum Teil gar nicht erst über die Landesgrenzen: Einige Staaten in Afrika hätten einen Importstopp für Altkleider verhängt, erklärt der Geschäftsführer der Textil-Recycling Nord GmbH, Nexhip Gjikolli.

Die Probleme sind vielfältig

Den Firmen fehlt außerdem auch die Autoindustrie als Abnehmer. "Deshalb bleibt zusätzlich auch die Ware im Lager, die zum Beispiel für die Innenausstattung von Fahrzeugen recycelt werden würde, nennt Soex Geschäftsführer Walter Thomsen ein weiteres Problem. Das alles zusammen sei gerade sehr brisant, so Thomsen, der wie sein Branchenkollege aus Himmelpforten ein Ende noch nicht absehen kann.

Was tun mit aussortierten Klamotten?

Drei Sticker zeigen die richtige Entsorgung der Altkleider: "Altkleider bitte in Säcken einwerfen, Schuhe bitte paarweise bündeln, bitte keine Abfälle einwerfen".  Foto: Matthias Friedrichsen
Die Sticker zeigen, wie die Altkleider in den Containern gespendet werden sollen.

Um die Menge an Klamotten zu reduzieren, hat die Arbeiterwohlfahrt Bildung und Arbeit (AWO) mit Sitz in Itzehoe in den vergangenen Wochen mehrere 100 Container in den Kreisen Pinneberg, Steinburg, Stormarn oder auch im Kreis Herzogtum Lauenburg abgebaut. "Im schlimmsten Fall müssten wir die Sachen, die zu viel sind, zur Verbrennung geben", sagt die Geschäftsführerin weiter. Sie und auch das Deutsche Rote Kreuz betonen, dass die Schleswig-Holsteiner ihre aussortierten Kleidungsstücke erst einmal zu Hause zwischenlagern sollen.

Kleiderkammern und Sozialkaufhäuser nehmen weiter Klamotten

Während die Lagerkapazitäten der Textilverwerter ausgeschöpft sind, haben Kleiderkammern und Sozialkaufhäuser von AWO und DRK noch Platz. Sie nehmen weiter Kleiderspenden an. Dort werden die Textilien vor Ort sortiert und direkt weiterverkauft. Diese Spende sei auch immer der bessere Weg zur Weitergabe gebrauchter Kleidung, so Jürgen Hoffmeister vom DRK. Er empfiehlt sich vorher zu erkundigen, ob und wann Laden oder Kleiderkammer wieder geöffnet haben.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Guten Morgen Schleswig-Holstein | 28.07.2020 | 06:40 Uhr

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