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Vom Nazi-Bauwerk zum Naturschutzgebiet: Das Rantumbecken

Stand: 29.07.2022 15:15 Uhr

Das Rantumbecken ist heute ein beliebter Ort für Spaziergänger auf Sylt. In den 1930er Jahren sollte hier aber ein Landeplatz für Wasserflugzeuge entstehen. Letztlich ist daraus ein der großes Naturschutzprojekt entstanden.

von Karl Dahmen

Viele Vögel sitzen auf einer Sandbank. © NDR
Im Rantumbecken brüten mehr als 30 See- und Wasservogelarten.

Als Mateo Gruber vor einem Jahr nach Rantum auf Sylt kam, war ihm vieles rätselhaft. Vor allem, wie er als Freiwilliger all die Vögel zählen sollte, die er im Rantumbecken sah. Heute kann er sich gar nicht mehr vorstellen, Rantum zu verlassen. Ein Jahr Freiwilliges Ökologisches Jahr im Verein Jordsand verging für ihn wie im Fluge. Der vor allem dem Vogelschutz verpflichtete Verein Jordsand ist seit 1957 für das Rantumbecken verantwortlich, für die Pflege und den Schutz von mehr als 30 See- und Wasservogelarten, die hier brüten.

In diesem Freiwilligenjahr war für den 19 Jahre alten Hamburger eine seiner Hauptaufgaben, vogelkundliche Führungen anzubieten. Dabei lernte er auch die Geschichte des Beckens kennen, denn es ist nicht natürlich entstanden, sondern nach einem speziellen Wunsch von Hermann Göring.

Ein Militärflugplatz entsteht in der Mitte Sylts

Ausschnitt mit einem alten Luftbild des Rantumbeckens. © NDR
1936 entstand das Rantumbecken, gebaut vom Reichsarbeitsdienst auf Sylt.

Der Chef der deutschen Luftwaffe war einer der mächtigsten Männer im Nationalsozialismus und bekennender Sylt-Liebhaber. In Wenningstedt besaß er ein Sommerhaus. Er wünscht sich auf der Insel, neben den beiden bereits bestehenden Flugplätzen List und Hörnum, einen weiteren Fliegerhorst, der nur von Wasserflugzeugen genutzt werden konnte. So entstand 1936 das Rantumbecken, das von mehr als 700 Männern des Reichsarbeitsdienstes gebaut wurde. 1937 wurde der Damm geschlossen, doch schon bei Kriegsbeginn wurde klar, dass Wasserflugzeuge keine kriegswichtigen Aufgaben übernehmen konnten. Als die Deutsche Wehrmacht Dänemark eroberte, hatte sie genug Flugplätze an der Nordsee und das Rantumbecken verlor jegliche Bedeutung.

Ein Mann mit einer blauen Weste blickt in die Kamera. © NDR
Mateo Gruber absolvierte im vergangenen Jahr sein Freiwilliges Ökologisches Jahr beim Verein Jordsand.

Mateo Gruber findet bei seinen Führungen rund um das Becken immer wieder Dinge, die an den alten Flughafen erinnern: eiserne Ringe, an denen die Flugzeuge befestigt waren oder das Fundament für einen Kran, mit denen die Wasserflieger aus dem Becken gehoben wurden. Für ihn ist es schön, dass sich so eine "schlimme Sache wie ein Nazi-Flughafen in so etwas Schönes, wie ein Vogelschutzgebiet" verwandelt hat.

Zwischen Naturschutz und Umwelt-Katastrophe

Nach dem Krieg gab es verschiedene Pläne für das Becken: Einige wollten es sprengen, andere eine landwirtschaftliche Fläche daraus machen. 1962 wurde es schließlich zum Naturschutzgebiet erklärt. Aber weiterhin wurden in das Becken die lediglich mechanisch geklärten Abwässer von Westerland eingespeist. In den 1970er Jahren kündigte sich eine Katastrophe an: Im gesamten Rantumbecken drohte jegliches Leben durch Giftstoffe zerstört zu werden. Nun griff die Landesregierung ein. 2,5 Millionen D-Mark investierte das Land in das Rantumbecken, um es als Brut- und Rastplatz für Vögel zu erhalten. 

Beginn des aktiven Umweltschutzes in Schleswig-Holstein

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Das Rantumbecken liegt vor der "Skyline" von Westerland auf Sylt.

Am 31. Juli 1982 meldete ein Fernsehbericht des NDR: "Auf Sylt sind Schöpfanlagen in Gang gesetzt worden, um wieder Salzwasser in das Rantumbecken einzustauen. Damit ist das größte und teuerste Naturschutzprojekt des nördlichsten Bundeslandes verwirklicht worden." Zugleich wurde darauf hingewiesen, dass mit dem Projekt auch der Schritt zu einer aktiven Umweltpolitik gegangen wird. Das bedeutet, nicht nur passiv etwas zu erhalten, sondern aktiv Gebiete wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückverwandeln.

Für Mateo Gruber ist aktiver Umweltschutz der einzige Weg, um mit der Natur umzugehen. Er ist froh, dass so eine der größten und schönsten deutschen Naturschutzgebiete erhalten werden konnte. Nach seinem Freiwilligenjahr will er jetzt Landschaftsökologie studieren, um mitzuhelfen, dass nicht weiter die Natur zerstört wird.

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Dampflokomotive aus dem 19. Jahrhundert. © dpa - report Foto: Votava

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 31.07.2022 | 19:30 Uhr

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