Der Ratzeburger Dom. © NDR Foto: Lisa Pandelaki

Zehn Jahre Nordkirche: Mitgliederschwund trotz Fusion

Stand: 06.06.2022 18:21 Uhr

Die Mecklenburgische Landeskirche, die Nordelbische und die Pommersche Kirche bilden seit 2012 die Nordkirche. Am Pfingstmontag fand in Ratzeburg die Jubiläumsfeier unter dem Motto "Zusammen Nordkirche" statt.

von Naïs Baier

Es war eine bis heute einzigartige Fusion im Mai 2012, bei der sich drei Landeskirchen mit rund 1.000 Kirchengemeinden aus Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Brandenburg und Niedersachsen zusammenschlossen. Fünf Jahre dauerten die Verhandlungen im Vorfeld der Fusion an.

Es war schwierig am Anfang sagen ehemalige Bischöfe. "Aber ich dachte immer: Das wird gutgehen, das gehört zusammen", sagt der frühere Landesbischof Gerhard Ulrich. Am Pfingstmontag wurden die ersten zehn Jahre der Zusammenarbeit gefeiert: Mit einem Festgottesdienst im Ratzeburger Dom, zu dem bischöfliche Gäste aus der weltweiten Ökumene und zahlreiche Gläubige kamen.

Eine halbe Million Kirchenaustritte seit 2012

Letztere werden immer weniger, wenn man den Gemeindemitgliederzahlen Glauben schenkt. Bei der Gründung der Nordkirche waren es noch 2,4 Millionen, heute sind es rund eine halbe Million weniger. Die Gründe dafür sind vielfältig: Es werden weniger neue Kirchenmitglieder im Jahr getauft als Mitglieder sterben, viele Menschen treten aus der Kirche aus, beispielsweise, um die Kirchensteuer nicht mehr zahlen zu müssen oder weil sie das Vertrauen in die Kirche verloren haben.

"Alle Großorganisationen und Institutionen erleben gegenwärtig, dass Menschen ihnen mit Skepsis und Zurückhaltung begegnen. Als Kirche sind wir da keine Ausnahme. Ja, wir werden weniger Kirchenmitglieder und wir werden in Zukunft wohl auch über geringere finanzielle Mittel verfügen", so Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt. Einen Zusammenhang zwischen dem Mitgliederschwund und der Gründung der Nordkirche sehen sie und ihr Vorgänger aber nicht. Tatsächlich lässt sich laut Bundeszentrale für politische Bildung schon seit Ende der 1960er-Jahre ein Abwärtstrend bei den Mitgliederzahlen, sowohl in der evangelischen als auch in der katholischen Kirche, beobachten.

Auf der Suche nach neuen Wegen

1965 waren noch mehr als 95 Prozent der Deutschen Mitglied in einer Kirche, heute ist es nur noch rund die Hälfte der Bevölkerung. Dieser Entwicklung will auch die Nordkirche entgegensteuern und dafür Sprache und Formate ihrer Verkündigung anpassen, sagt Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt: "Wir brauchen neue Wege, unseren christlichen Glauben zu teilen. Als Nordkirche suchen wir, neben traditionellen Formen des Gemeindelebens, nach genau solchen Formen. Und wir ermöglichen sie: zum Beispiel über die Arbeit von 'Kirche im Dialog' oder unseren Prozess interkultureller Öffnung." Mit Offenheit will sie neue Mitglieder gewinnen - für das kommende Jahrzehnt "Zusammen Nordkirche".

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 06.06.2022 | 08:00 Uhr

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