In Sankt Peter-Ording, Blick durch die Dünen zum belebten Strand mit Wohnmobilen auf dem Sand © IMAGO / Annett Mirsberger Foto: IMAGO / Annett Mirsberger

Wohnmobil-Urlaub: Ärger mit Parkplatz-Campern

Stand: 26.06.2021 14:28 Uhr

Urlaub machen und das möglichst unabhängig und flexibel: In Zeiten von Corona steigt die Zahl der Wohnmobilisten rasant an. Einige halten sich nicht an die Regeln.

Nach einem Strandtag im ausgebauten Camper den Sonnenuntergang genießen und gleich im Wagen schlafen - das ist bei vielen in Schleswig-Holstein fast schon Ritual. Und spätestens seit vergangenem Sommer boomt es bundesweit, mit dem Wohnmobil wegzufahren: Während der Norden für Camping-Fans schon immer attraktiv war, hat sich der Trend im Zuge der Corona-Krise noch massiv verstärkt. Doch die Stellplätze sind begrenzt, vielerorts sind die Campingplätze ausgebucht.

Mit dem Wohnmobil auf dem Parkplatz campen? Grundsätzlich verboten

Aber: Mit seiner Wohnung auf Rädern kann man sich doch einfach irgendwo an den Straßenrand oder auf einen gewöhnlichen Parkplatz hinstellen, oder nicht? Das klingt verlockend - ist aber grundsätzlich verboten, wenn man das Mobil zu Wohnzwecken nutzt. Zwar gibt es in der Straßenverkehrsordnung einen Passus, der sagt, es sei erlaubt, für die "Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit" eine Nacht auf gewöhnlichen Parkflächen im Wagen zu übernachten.

Doch das gilt maßgeblich, wenn Fahrer auf dem Weg zu ihrem Ziel müde werden - zum Beispiel auf Autobahnraststätten. Bei den meisten - vor allen an den hübschen Parkplätzen an der Küste - ist dies nicht der Fall, erst recht nicht, wenn Alkohol getrunken wurde. Das hat das Oberlandesgericht Schleswig explizit klargestellt.

Bisher waren die Ordnungsämter kulant

Probleme mit unzulässig stehenden Wohnmobilen gibt es nahezu überall in den Küstenorten im Land - egal ob in Damp (Kreis Rendsburg-Eckernförde), auf Fehmarn (Kreis Ostholstein) oder in St. Peter-Ording (Kreis Nordfriesland). Für reichlich Wirbel hat gesorgt, dass auf dem Strandparkplatz Heidkate der Gemeinde Wisch (Kreis Plön) kürzlich das Übernachten endgültig verboten wurde.

Seit vielen Jahrzehnten ist der Parkplatz einer der beliebtesten für Surfer und Kiter an der Kieler Förde. Wenn dann mal für eine Nacht im Bulli übernachtet wurde, habe sich da nie jemand dran gestört, sagt die Bürgermeisterin der Gemeinde Wisch, Verena Sapia. Das Problem seien jetzt aber die großen Wohnmobile, deren Besitzer teilweise ihren gesamten Urlaub dort verbracht haben. Deshalb drohen denjenigen, die gegen das Verbot verstoßen, bis zu 2.556 Euro Geldbuße.

Es müssen mehr Stellplätze her

Lange haben die Ordnungsämter ein Auge zugedrückt, doch in diesem Sommer haben sie angekündigt, grundsätzlich strenger zu kontrollieren. Eine unerlaubte Übernachtung auf einem Parkplatz koste etwa 100 Euro, sagt René Kinza, der Leiter des Ordnungsamtes Schlei-Ostsee: "Weil wir sehr schöne Parkplätze teilweise haben, sogar direkt am Wasser. Und würden wir das durchgehen lassen, dann wäre da gar kein Platz mehr für andere." Aber es sei auch nicht die Lösung, nur zu kontrollieren oder zu ahnden, so Kinza weiter. "Wir brauchen einfach mehr geeignete Campingplätze oder Wohnmobilplätze."

Die Gemeinden arbeiten aber an Lösungen für das Problem: Auf Fehmarn beispielsweise wird gerade ein Konzept erstellt, wo möglichst schnell möglichst viele Wohnmobil- und Bulli-Plätze entstehen könnten. In Gollendorf komme bereits ein erster neuer Stellplatz, heißt es aus dem Rathaus in Burg auf Fehmarn.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 25.06.2021 | 19:00 Uhr

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