Stand: 13.02.2019 19:00 Uhr

Wölfe: Land verpflichtet Betriebe zu dauerhaften Zäunen

Begleitet von Protesten besorgter Schafhalter verschärft Schleswig-Holsteins Regierung die Schutzmaßnahmen gegen Wölfe im Land. Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) kündigte am Mittwoch an, dass sein Ministerium Betrieben mit mindestens 500 Schafen dauerhafte Schutzzäune finanzieren werde. Als besondere Präventionsschwerpunkte gelten die Kreise Dithmarschen, Pinneberg, Steinburg und Segeberg. Dort müssen Schafhalter die Tiere künftig durch 1,20 Meter hohe Elektrozäune schützen. Für die Betriebe bedeute das konkret, "dass sie das Anrecht haben, nicht etwa nur ausgeliehene Zäune zu bekommen, sondern eine hundertprozentige Förderung für eigene Zäune, die dann auch dauerhaft stehen bleiben können", so der Minister. Sein Ministerium bestätigte am Mittwoch zudem den Nachweis eines weiteren Wolfes im Land.

Ohne Schutzzaun keine Ausgleichszahlung

Die Halter von mindestens 500 Schafen in den genannten Kreisen können ab sofort beim Ministerium formlos die Förderung für dauerhafte Schutzzäune beantragen. Der Halter kauft den Zaun und bekommt die Kosten vollständig ersetzt. Dies hat die EU ermöglicht. Wer keine entsprechende Prävention macht, bekommt bei Rissen auch keine Ausgleichszahlungen. In Dithmarschen fallen 35 Betriebe in die genannte Kategorie, in Steinburg drei, in Pinneberg sechs. Diese Betriebe vereinen in diesen Kreise etwa 60 Prozent des Schafbestands.

Vorbereitungen können dauern

Der mittlerweile zum Abschuss freigegebene "Problemwolf" habe gelernt Zäune zu überwinden, sagte Minister Albrecht. "Wir wollen möglichst zügig verhindern, dass weitere Wölfe sich dieses Verhalten aneignen." Wann die ersten Zäune stehen werden, ist aber noch offen. Allein die Vorbereitungen könnten Wochen und Monate dauern.

Deiche sind ausgenommen

In den vier genannten Kreisen sind 44 Schäfereien von dem Vorhaben betroffen. Das Geld soll aus dem vorhandenen Budget für das Wolfsmanagement von 1,1 Millionen Euro kommen. Die Deiche und das Küstenvorland sollen nicht zu den Präventionsgebieten zählen. Dort sind Schafherden für den Küstenschutz im Einsatz. Elektrozäune oder der Einsatz von Herdenschutzhunden sind in diesen Bereichen nicht vorgesehen.

Demonstration in Wöhrden

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Schafhalter im Kreis Dithmarschen demonstrierten gegen die Wolfspolitik des Landes.

In Wöhrden im Kreis Dithmarschen demonstrierten am Mittwoch rund 50 Menschen gegen die Wolfspolitik des Landes. Sie lehnen weitere Schutzmaßnahmen ab und fordern stattdessen ein härteres Vorgehen gegen die Wölfe. Uwe Petersen aus Neukirchen (Kreis Nordfriesland) forderte beispielsweise auch psychologische Hilfe für Tierhalter. "Die Belastung ist für den Einzelnen irre hoch, weil eine Art Familienmitglied einfach vom Wolf weggeputzt wurde", sagte Petersen. Zum Zeichen des Protests sorgten die Demonstranten auf der B203 für einen Rückstau.

Ministerium hat Nachweise für weiteren Wolf

In Dithmarschen, Steinburg, Pinneberg und Segeberg hatte es in den vergangenen Wochen die meisten Rissvorfälle gegeben. Genetiker konnten in dem Bereich bisher zwei Tiere zweifelsfrei nachweisen: ein männliches Tier mit dem Kürzel GW924m und das Weibchen GW1120f. Der zum Abschuss freigegebene Rüde mit der Nummer 924 hat nach Angaben des Umweltministeriums in mindestens sechs Fällen die empfohlenen Herdenschutzzäune des Landes überwunden.

Wie das Umweltministerium am Mittwoch mitteilte, konnte außerdem ein weiterer Wolf im Land zweifelsfrei nachgewiesen werden. DNA-Analysen hätten ergeben, dass das Tier mit dem Kürzel GW900m für viele Risse in Dithmarschen in den vergangenen Wochen verantwortlich ist. Das Tier stammt ebenfalls aus Dänemark und ist der Bruder des sogenannten "Problemwolfs" aus Pinneberg.

Wann es zu einer Rudelbildung kommen könne, sei nicht vorherzusagen, sagte Albrecht. "Wir haben unterschiedliche Geschlechter im Land. Da ist es nicht ausgeschlossen, dass die sich auch mal paaren."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 13.02.2019 | 19:00 Uhr

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