Stand: 17.09.2020 08:06 Uhr

Wissenschaftler wollen wissen: Wie schnell fließt die Eider?

von Oliver Kring

Viele Menschen in Schleswig-Holstein hätten regelmäßig nasse Füße, wenn es die Eider nicht gäbe. Denn über den Fluss, der bei Kiel entspringt und hinter Tönning in die Nordsee mündet, werden weite Teile Schleswig-Holsteins entwässert. Zusammen mit den Zuflüssen von Treene oder Sorge fließen jährlich unzählige Kubikmeter Wasser bis zum Eidersperrwerk und "ab in die Nordsee"! Doch wie viel Wasser ist das eigentlich genau? Wie schnell fließen die Wassermassen in den "großen Teich"? Und was kann man gegen die Versandung der Eider tun? Das wollen Wissenschaftler und verschiedene Behörden gerade herausfinden. Deshalb messen sie noch bis Sonnabend mit moderner Technik die Strömung am Eidersperrwerk.

Mini-Katamaran mit jeder Menge Technik

Tausende Kubikmeter Wasser strömen durch das geöffnete Eidersperrwerk - je nachdem, ob gerade Ebbe oder Flut herrscht. Wie schnell das Wasser derzeit ankommt, misst ein unbemanntes Boot, das aussieht wie ein Mini-Katamaran. Der ist ungefähr 140 Zentimeter lang und etwa 80 Zentimeter breit. Der Katamaran hat jede Menge Technik an Bord und wird wie bei einer Seilbahn im Wechsel von der einen Seite des Flusses zur anderen Seite gezogen. Das ganze bis zu 150 Mal am Tag. Währenddessen zeichnen die Geräte im Katamaran die Fließgeschwindigkeit der Eider auf, sagt Projektleiterin Sabine Rüb: "Das Problem ist die Versandung der Eider. Die Folge ist, dass die Entwässerung über die Eider beeinträchtigt wird, ebenso wie die Schifffahrt."

Eider versandet

Das Problem gab es bereits früher. Denn seit dem Bau des Sperrwerks Nordfeld bei Drage in den 1930er-Jahren gab es ebenfalls Probleme mit der Versandung der Eider. Die Folge: Die Oberflächenentwässerung funktionierte nicht ausreichend. 1973 wurde das Eidersperrwerk gebaut. Seitdem sind Überflutungen der Flächen zwischen Nordfeld und der Eidermündung passé, sagt der Leiter des Eidersperrwerks, Volker Sönksen: "Damals, als es das Eidersperrwerk noch nicht gab, waren im Binnenland viele der Niederungen überflutet."

Versandungsproblem soll sachte gelöst werden

Aber das Problem der Versandung der Eider ist geblieben. Früher kamen Bagger und Saugbagger zum Einsatz und haben den Sand in die Nordsee zurückgepumpt. Heute möchte man nicht mehr so stark in die Natur eingreifen. Deshalb wollen die Experten der Bundesanstalt für Wasserbau, ein Ingenieurbüro, das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt, mehrere Deich- und Hauptsiel-Verbände und die Bundesanstalten für Wasserbau sowie für Gewässerkunde der Sache auf den Grund gehen. Mit den Messdaten an der Eiderabdämmung wollen sie später ein Modell entwickeln, erklärt Sabine Rüb: "Es wird der Einzugsbereich der Eider und der Treene abgebildet, so dass wir dann untersuchen können, wie wir die Entwässerung optimieren können - damit die Versandung reduziert wird."

Was passiert bei Starkregen?

Das heißt konkret: Wenn die Fließgeschwindigkeit an den verschiedenen Stellen der Eider erstmal bekannt ist, wollen die Fachleute die bestehenden Abdämmungen mit weiteren Bauwerken wie zum Beispiel Buhnen optimal kombinieren. "Das heißt: Wie können die Anlagen im Eider-Treene-System so aufeinander abgestimmt werden, damit wir besonders im Ernstfall mehr Wasser aus dem Hinterland in die Eider bekommen und somit auch in die Nordsee?", sagt Sabine Rüb.

Die Frage ist aber auch, wie die Entwässerung wie bisher funktionieren kann, wenn sich Starkregen-Ereignisse im Land häufen, Sturmfluten länger dauern oder der Meeresspiegel aufgrund des Klimawandels insgesamt steigt. 

Weitere Informationen
Lufbild der Eider bei Pahlen. © imago/blickwinkel Foto: C. Kaiser

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Moin! Schleswig-Holstein – Von Binnenland und Waterkant | 17.09.2020 | 19:00 Uhr

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