Stand: 25.02.2020 15:33 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Wiershop will AKW-Bauschutt aufnehmen

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Die Gemeinde Wiershop hat zugestimmt, leicht radioaktive Abfälle in der örtlichen Deponie zu lagern.

Die drei Atomkraftwerke in Schleswig-Holstein sollen zurückgebaut werden. Dabei ist aber immer noch nicht die Frage geklärt, wohin der Bauschutt aus den Kraftwerken Krümmel, Brunsbüttel und Brokdorf soll. Laut Landesregierung kommen nur wenige Deponien für eine Lagerung in Frage - darunter ist auch der Standort Wiershop. Die Gemeinde im Kreis Herzogtum Lauenburg hat am späten Montagabend einer Lagerung von leicht radioaktivem Abfall in der örtlichen Deponie zugestimmt. Das sei ein positives Signal und ein wichtiger Schritt, um den Atomausstieg und den Rückbau der Kernkraftewerke im Land zum Abschluss zu bringen, sagte Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne).

Wiershop will allerdings nur Abfall aus dem nahe gelegenen AKW Krümmel aufnehmen. Es geht um 700 Tonnen leicht kontaminiertes Material - vor allem Bauschutt und Dämmstoffe. Beim Krümmel-Rückbau fallen laut Betreiber höchstens knapp 11.000 Tonnen radioaktiver Abfall an.

50.000 Tonnen leicht kontaminiertes Material

Bei dem Rückbau der drei Kraftwerke fällt viel leicht kontaminiertes Material an, zum Beispiel Mineralwolle, Isolierungen und Bauschutt. Auch Alltagsgegenstände wie Wasserhähne, Lichtschalter und Handtuchhalter müssen fachgerecht entsorgt werden. Insgesamt sind es bis zu 50.000 Tonnen Schutt, die beim Abriss der drei Atomkraftwerke in Schleswig-Holstein in den kommenden 10 bis 20 Jahren anfallen werden.

Das Energiewendeministerium versichert, dass von dem Bauschutt keine nennenswerte Strahlung ausgeht und auch keine Gefahr für die Bevölkerung besteht. Gesetzlicher Maßstab ist dabei das Dosiskriterium für die Freigabe, wonach für Einzelpersonen der Bevölkerung durch die freizugebenden Stoffe und Gegenstände nur eine effektive Dosis im Bereich von zehn Mikrosievert im Kalenderjahr auftreten darf. Ein Mensch strahlt laut dem Energiewendeministerium mit durchschnittlich 300 Mikrosievert pro Jahr. Wer täglich zwei Paranüsse isst, steigert seinen Jahreswert an körpereigener Strahlung nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz um bis zu 160 Mikrosievert.

Sieben Standorte wurden untersucht

Trotz der - laut Ministerium - sehr niedrigen Strahlungswerte weigern sich Deponien, den Abfall aufzunehmen. Neben Wiershop kommen noch die Deponien Lübeck-Niemark, Johannistal nördlich von Oldenburg in Holstein (Kreis Ostholstein) und Harrislee bei Flensburg (Kreis Schleswig-Flensburg) in Frage. Lübeck hatte eine Aufnahme bereits abgelehnt, an den anderen beiden Standorten gibt es Widerstand.

Insgesamt hatten Experten sieben Deponien in Schleswig-Holstein untersucht. Grundsätzlich seien alle für die Abfälle geeignet. Doch die Deponien Schönwohld (Kreis Rendsburg-Eckernförde), Damsdorf/Tensfeld und Großenaspe (beide Kreis Segeberg) seien bald voll. Sie könnten perspektivisch die erwarteten Abfallmengen nicht aufnehmen, so das Energiewendeministerium.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 25.02.2020 | 08:00 Uhr

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