Stand: 15.06.2020 09:59 Uhr

Wie sich ein Hobby-Ornithologe für Mauersegler engagiert

Mauersegler sind reine Lufttiere - denn während andere Vögel auch mal auf dem Boden herumhopsen oder auf Zweigen im Baum sitzen, verbringen die Zugvögel fast ihr ganzes Leben im Flug. Und während der kleine schwarze oder dunkelbraune Vogel mit heller Kehle lange keine Probleme hatte, sich unter den Dächern in Städten und Dörfern anzusiedeln, steht er laut NABU mittlerweile auf der Vorwarnliste der Roten Liste gefährdeter Brutvögel. Einer, der sich um das Wohl der Mauersegler sorgt, ist Hobby-Ornithologe Helmut Joachim aus Kisdorf (Kreis Segeberg). Er hat es sich vor Jahren zur Aufgabe gemacht, die seltenen Vögel zu schützen. Im Moment brüten sieben Paare bei ihm am Haus.

Sanierungen rauben dem Mauersegler die Brutmöglichkeit

Den Mauersegler im Flug zu beobachten, ist eine Herausforderung. Nach Angaben des NABU kommt der kleine Zugvogel auf eine Spitzengeschwindigkeit von 200 Kilometern pro Stunde. Doch Joachim ist mittlerweile geübt und ist mit seiner Kamera und einem Fernglas regelmäßig zwischen Kaltenkirchen und Henstedt-Ulzburg im Kreis Segeberg unterwegs. Vor allem Gebäudesanierungen machten dem Mauersegler zu schaffen, weiß Joachim. "Da blutet einem ein kleines bisschen das Herz", sagt Joachim. "In den Sommermonaten wird dem Vogel bei Sanierungsmaßnahmen das Dach über dem Kopf weggerissen - und was meistens auch noch passiert, ist, dass die Nester und Küken in den Abfallcontainern landen." Das Brüten ist das Einzige, das der Mauersegler nicht in der Luft kann. Alles andere erledigt er beim Fliegen, sogar das Schlafen - und kann so mehrere Monate im Flug verbringen, ohne landen zu müssen.

Suche nach Spuren des Mauerseglers

Joachim möchte etwas gegen die Gefährdung der Mauersegler machen: Er möchte Baufirmen darüber aufklären, bevor sie mit den Sanierungsmaßnahmen beginnen. Dafür müsse er sich allerdings erst einmal ein Bild davon machen, wo Mauersegler überhaupt brüten, sagt er. Vor allem sucht er deshalb nach Spuren des kleinen Vogels. Das ist nicht ganz einfach - denn wenn es keine sichtbaren Brutplätze unter Dachvorsprüngen zum Beispiel gibt, sind kleine Kotflecken der einzige Anhaltspunkt für den Hobby-Ornithologen. Auch neue Brutmöglichkeiten will Joachim für den Mauersegler erschließen: Einige Städte und Baufirmen konnte er schon überzeugen, Nistkästen einzubauen, wie in Kisdorf oder am Rathaus in Henstedt Ulzburg - ein großer Schritt, findet Joachim. "Man ist über wirklich jede Ansiedlung und Bebauung mit solchen Kästen dankbar", sagt er. "Das sind solche Dinge, wenn es klappt und wenn man ein repräsentatives Gebäude wie das Rathaus bekommt, macht es erst Recht Spaß."

Sichelförmige Flügel und schriller Schrei

Mauersegler können sich mit ihren kurzen angewinkelten Beinen nicht gut am Boden aufhalten. Für gewöhnlich lassen sie sich von Hauswänden runtersegeln - wie ihr Name schon sagt. Sieht man Mauersegler am Himmel fliegen, verwechseln ihn manche mit einer Schwalbe - was ihm auch den Spitznamen "Turmschwalbe" beschert hat. Beim genauen Hinsehen aber wird die charakteristische Sichelform der Flügel deutlich. Auch der schrille Schrei, der sich deutlich vom Singen der Schwalbe unterscheidet, ist ein unverkennliches Merkmal.

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Schleswig-Holstein Magazin | 14.06.2020 | 19:30 Uhr

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