Stand: 17.08.2020 19:20 Uhr

Wie gefährlich ist der Rückbau des AKW Brokdorf?

Die Atomaufsichtsbehörde hat Mitte Juni die Genehmigung für den Rückbau des Atomkraftwerks Brokdorf (Kreis Steinburg) beantragt. Kritiker halten das für übereilt, weil wichtige Fragen im Umgang mit dem radioaktiven Abfall ungeklärt seien. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Initiative Brokdorf-akut warnen vor einer erhöhten Strahlenbelastung. Gegner des geplanten Rückbaus haben am Montag etwa 800 Unterschriften und weitere Einzeleinwendungen beim Ministerium für Energiewende in Kiel eingereicht. Bis Ende nächsten Jahres darf das Kraftwerk Strom liefern.

Kritiker: Material könnte unter freiem Himmel gelagert werden

1.000 Brennelemente und tonnenweise radioaktiv belastete Bauteile des AKWs muss Betreiber PreussenElektra in Zwischen- und Endlager transportieren und schließlich auch entsorgen. Dem BUND und der Initiative Brokdorf-akut ist nicht klar, wie das funktionieren soll. Ein Endlager dafür gebe es nicht und das Zwischenlager entspreche nicht den Sicherheitsanforderungen, so ihre Meinung.

Mehr noch: Der Rückbau werde so übereilt angegangen, dass nicht einmal die Fertigstellung einer Transporthalle garantiert sei, in der belastetes Material abgestellt werden soll. Das, so die Sorge der Aktivisten, werde dann unter freiem Himmel auf Pufferlagerflächen stehen und sei für die Mitarbeiter, die dort täglich zu tun haben, gesundheitsgefährdend.

Betreiber PreussenElektra: Vom Gesetzgeber gestellte Aufgabe

"Der Strahlenschutz steht auch bei der Stilllegung und dem Abbau eines Kernkraftwerks immer im Vordergrund", hatte Energiewendeminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) zum Start der Öffentlichkeitsbeteiligung im Juni erklärt. In einer Stellungnahme von Montag sagte eine Sprecherin von PreussenElektra, das Unternehmen halte sich an die vom Gesetzgeber gestellte Aufgabe, die Kernkraftwerke unverzüglich abzubauen. Im Februar will sich das Ministerium für Energiewende zu den jetzt abgegebenen Einwendungen äußern. Außerdem muss PreussenElektra bis dahin noch weitere Unterlagen einreichen.

Weitere Informationen
Blick auf das Atomkraftwerk in Brokdorf in Schleswig-Holstein. © Imago/Star Media

Castoren kommen 2023 auch nach Brokdorf

Auf dem Kraftwerksgelände in Brokdorf werden sieben Castorbehälter zwischengelagert, bis ein Endlager zur Verfügung steht. Wann dieses gefunden sein wird, steht noch nicht fest. mehr

Wolfram König, Präsident des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit, steht an einer Informationstafel. © dpa-Bildfunk Foto: Carsten Rehder

Experten informieren in Kiel über Atommüll-Endlagersuche

Es ist wohl die schwierigste Aufgabe im Zusammenhang mit dem geplanten Aus für die Atomenergie in Deutschland: die Atommüll-Endlagersuche. In Kiel war Auftakt der bundesweiten Bürger-Infoveranstaltungen. mehr

Blick auf das Atomkraftwerk in Brokdorf in Schleswig-Holstein. © Imago/Star Media

Brokdorf-Betreiber stellt Stilllegungsantrag

Der Betreiber des Atomkraftwerks Brokdorf hat einen Antrag auf Stilllegung des Werks gestellt. Damit ist ein weiterer Schritt zum Rückbau getan. 2021 soll das Werk endgültig vom Netz gehen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 17.08.2020 | 17:00 Uhr

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Ein Feuerwehrmann hält seinen Sohn im Arm.
3 Min

Hochwasserhilfe: Kräfte aus Schleswig-Holstein kehren zurück

87 Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr sind wieder in der Heimat. Sie konnten in Rheinland-Pfalz viel Unterstützung leisten. 3 Min

Videos