Stand: 21.08.2018 17:46 Uhr

Viel Wind um die richtige Planung in SH

Windenergie steht in der Kritik. Die eigentlich saubere Form der Stromerzeugung verschandele die Landschaft, die Schallbelastung durch die Anlagen sei für die Anwohner kaum zu ertragen, sagen Gegner. Umweltschützer fürchten, ein möglicher unkontrollierter Ausbau von Windparks könne gefährlich in Lebensräume zum Beispiel von Vögeln eingreifen. Um einem möglichen Wildwuchs von Anlagen Einhalt zu gebieten, legt die Landesregierung in sogenannten Regionalplänen fest, wo und wie in Schleswig-Holstein Windräder gebaut werden dürfen. Am Dienstag hat das Kabinett um Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) in Kiel eine neue Version dieser Pläne vorgestellt.

Mindestabstand: 1.000 Meter

Das Ziel der Landesregierung ist klar vorgegeben: 98 Prozent des Landes sollen frei von Windkraftanlagen sein. In dem neuen Entwurf werden 1,95 Prozent der Landesfläche als Windgebiete ausgewiesen. Auf dieser Fläche können laut Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) bis 2025 zehn Gigawatt Strom aus Wind produziert werden - mithilfe von 3.600 Windrädern.

Der Mindestabstand von Wohnsiedlungen zu den Windrädern soll dabei 1.000 Meter betragen, mindestens aber die fünffache Anlagenhöhe. In dünn besiedelten Gebieten kann dieser Wert unterschritten werden, die Anlagen müssen mindestens aber 400 Meter Abstand zu Wohnhäusern haben. Um die Mindestabstände zu Siedlungen vergrößern zu können, wurden zum Teil bestehende Beschränkungen unter anderem im Naturschutz gelockert. Trotzdem zeigte sich auch Umwelt- und Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne) zufrieden mit dem Ergebnis. "Mir tut nichts weh", sagte der Politiker.

Anlagen in 361 Vorranggebieten

Windkraftanlagen wird es künftig in 361 Vorranggebieten geben - das sind zu einem Fünftel neue Vorrangflächen. Hier dürfen auch neue Anlagen gebaut oder alte mit leistungsstärkeren Turbinen ausgestattet werden, das sogenannte Repowering. Etwa 1.000 bestehende Anlagen liegen außerhalb der Vorranggebiete und sollen mittelfristig abgebaut werden. Rund 2.100 Anlagen dürfen stehen bleiben, bis 2025 sollen rund 1.500 hinzukommen. Grote und Habeck haben den Kompromiss zwischen größeren Abständen und höheren Leistungszielen zu Wohnbebauung ausgearbeitet und jeweils als Erfolg bewertet.

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Bürger können zu Plänen Stellung nehmen

Die neuen Pläne basieren auf einer großen Bürgerbeteiligungs-Offensive, die die Vorgängerregierung um Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) im Dezember 2016 gestartet hatte: "Die 6.500 Einwendungen haben zu erheblichen Änderungen geführt", sagte Grote. Die Auswertung umfasse rund 21.000 Seiten. Grundlage für diese Bürgerbeteiligung waren Regionalpläne, die Anfang Dezember 2016 vorgestellt worden waren. Laut Innenministerium sind in den neuen Plänen ein Fünftel der Flächen aus den alten Plänen weggefallen.

Erste Pläne hatte das Oberverwaltungsgericht 2015 wegen Verfahrensmängeln gestoppt. Weil das OVG in seinem Urteil damals auch die mangelnde Bürgerbeteiligung kritisiert hatte, geht die neue Version der Pläne jetzt in die Anhörungsphase. Vom 4. September an können Bürger Stellung zu den neuen Regionalplänen nehmen. Bis Anfang Januar können dann Einwände eingereicht werden. Auch eine weitere Planungsrunde ist noch möglich.

SPD: Landesregierung verantwortet Stillstand

Auf Grundlage des Entwurfs könne das Land aber schon jetzt den Bau neuer Windparks erlauben, wo keine Konflikte zu erwarten sind, hofft der Bundesverband Windenergie. Der Verein "Gegenwind" zeigt sich enttäuscht. Die neuen Abstandsregeln würden nur für bisher unbebaute Flächen gelten, so die Vorsitzende Susanne Kirchhoff. Kritik kommt auch von der SPD: Die Landesregierung habe ein Jahr an Stillstand in der Branche zu verantworten. Und die wenigen Änderungen gingen zulasten des Natur- und Artenschutzes, so die Sozialdemokraten weiter.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 21.08.2018 | 15:00 Uhr

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