Stand: 16.08.2019 21:14 Uhr

UKSH in Kiel: Endlich ein Grund zum Feiern

von Constantin Gill

Eine halbe Stunde vor Beginn des eigentlichen Festakts hat sich schon eine lange Schlange vor dem Eingang zum neuen Gebäude auf dem Kieler Campus des UKSH gebildet. Abgeordnete, Minister, Ärzte- und Kassenvertreter, Unternehmer - sie alle wollen heute Jens Scholz gratulieren. Fast könnte man meinen, der Vorstandschef des Universitätsklinikums hätte heute Geburtstag. Aber die Gäste wollen ihn stattdessen zum fertig gestellten Neubau beglückwünschen. 321 Millionen Euro hat der Bau gekostet. Er soll modernste Technik bieten und insgesamt 13 Kliniken vereinen, die bisher noch über den Campus verteilt sind.

Das Sorgenkind schafft das "Jahrhundertprojekt"

Während sich die Eingangshalle des neuen Klinikkomplexes weiter füllt, herrscht draußen fast Volksfeststimmung. Clowns belustigen Kinder, die Sonne kommt heraus. Der Tag der offenen Tür im UKSH ist gut besucht. Der Festakt wird draußen auf einer Videoleinwand übertragen. "Guck mal", sagt eine Besucherin zu ihrer Freundin und zeigt auf den Ministerpräsidenten, der vor dem Eingang noch kurz ein Statement abgibt. Ein "Jahrhunderprojekt" nennt Daniel Günther (CDU) den Neubau. Und sichert dem UKSH die Unterstützung des Landes zu. Die Klinikchefs hatten von der Politik mehr Geld gefordert - es geht um eine Summe von 400 Millionen Euro. Günther sagt, man werde sich noch unterhalten müssen - aber es seien "ausgesprochen gute Gespräche." Dann sagt jemand: "Daniel, wir würden mal anfangen" und der Ministerpräsident eilt in die Klinik.

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Der 321 Millionen teure Neubau des UKSH in Kiel ist fertig. Mit einem Festakt und einem Tag der offenen Tür wurde die Eröffnung des neuen Klinikums mit prominenten Gästen gefeiert. Bildergalerie

Mittlerweile haben die Gäste ihre Plätze eingenommen. Es sind auch viele ehemalige Amtsträger darunter. Der frühere Wirtschaftsminister Jost de Jager etwa, damals als Staatssekretär für das UKSH zuständig. Oder Carl Hermann Schleifer, von 2007 bis 2010 Sanierungsberater der Klinik. Mit ihm hat Scholz damals den Masterplan für den Neubau entwickelt.

Auf Umwegen zum Schlussakkord

Dann wird es ruhig. Das Duo "Runge und Ammon" eröffnet den Festakt mit Cello und Klavier. Los geht es mit "Air" von Johann Sebastian Bach. Ein sanfter Einstieg. Jeder hat nun Zeit, zur Ruhe zu kommen, andächtig zu lauschen, die Gedanken schweifen zu lassen. Dann schlägt die Stimmung plötzlich um: Bach geht in Gershwin über - es wird moderner, schneller, auch etwas schräger - bis Klavier und Cello sich letztlich im Dur-Schlussakkord versöhnen. Applaus.

Als UKSH-Chef Jens Scholz ans Mikro tritt, ist ihm die Erleichterung anzumerken: "Neubau geschafft", sagt er und bekommt großen Applaus. An erster Stelle dankt er den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die die Arbeit auf einer Baustelle "ertragen" hätten. Und an zweiter Stelle den Patienten. Deren Zahl, sagt er, ist während der Bauphase sogar gestiegen. Für Jens Scholz war der Neubau Chefsache - seine Mitarbeiter sagen, dass er jede Fliese und jede Steckdose im UKSH kennt. Als er die Mitglieder seines Teams einzeln aufruft, gibt es für sie stehende Ovationen.

Erst die Feier - dann die Finanzen

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Dass Scholz in einem Brandbrief mehr Geld vom Land forderte und sogar in Frage stellte, dass der Neubau sich wirklich durch Einsparungen im Klinikbetrieb quasi aus sich selbst heraus finanzieren lässt - das scheint heute vergessen. Dem Land hat er inzwischen versichert, dass das UKSH die sogenannte Effizienzrendite erwirtschaften wird. Sie wird laut Scholz noch nicht mit Fertigstellung des Neubaus in voller Höhe kommen, sondern erst, wenn nach zweieinhalb Jahren auch die Altbauten saniert sind. Die anwesenden Abgeordneten, die über die Finanzspritzen fürs UKSH letztlich entscheiden müssen, sehen an diesem Tag trotzdem einen Grund zu feiern. Sie loben die Verbesserungen für Mitarbeiter und Patienten. Den Rest, so der Tenor, bekomme man auch noch hin.

Ein Image-Video vermittelt einen ersten Eindruck von dem, was die Patienten im neuen UKSH erwarten können. Kürzere Wege, Röntenbilder direkt am Multimedia-System, das der Patient an seinem Bett hat: "Hier werden Visionen Wirklichkeit" verkündet der Film selbstbewusst.

Während drinnen die Rednerliste länger und länger wird, hat sich der Bereich vor dem Eingang weiter gefüllt. Auch vor der Videoleinwand wird es immer enger. Eine Frau fragt besorgt, ob sie Sarah Connor verpasst hat. "Nein, die kommt noch", lautet die beruhigende Antwort. Drinnen hat das Klassik-Duo schon zusammengepackt und verlässt das Gebäude durch einen der neuen Flure. Der letzte Redner - Uli Wachholtz vom Unternehmensverband - kündigt schließlich seine Nachfolgerin an. Die sei, sagt er, "deutlich charmanter" als er.

Sarah Connor erobert die Herzen der Schwestern

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Mit der Unterstützung zahlreicher Krankenschwestern kommt beim Auftritt von Sarah Connor richtig Stimmung auf.

Sarah Connors Auftritt ist quasi ein Geschenk zum Einzug. Denn die Ärzte im UKSH haben ihre Tochter nach einem Herzfehler behandelt. Dafür gibt es emotionale Dankesworte von der Sängerin. Und weil die 700 Gäste ihr bei den ersten zwei Songs nicht genügend Stimmung gemacht haben, ruft Sarah Connor die Krankenschwestern, die teils in den Seitenfluren einen Blick zu erhaschen versucht haben, vor die Bühne. Jetzt klappt es auch mit dem Mitsingen besser - offensichtlich trifft die Sängerin bei den Schwestern einen Nerv. Langsam greift die Stimmung auch auf die bisher eher zurückhaltenden Gäste über. Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) nickt im Takt. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) groovt kaugummikauend mit. Und Vorstandschef Jens Scholz blickt kurz hinter sich - und strahlt.

Als Sarah Connor ihren letzten Song gesungen hat, ist vor dem Eingang fast kein Durchkommen mehr. Neubau geschafft - der Ernst des Lebens geht dann morgen weiter.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 16.08.2019 | 17:00 Uhr

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