Sturm in SH: Einsatzkräfte mussten mehr als 2.000 mal ausrücken

Stand: 31.01.2022 09:26 Uhr

"Nadia" hat am Wochenende in Schleswig-Holstein zu unzähligen Einsätzen von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten geführt. Außerdem fielen Züge und Fährverbindungen aus.

Die Helfer rückten laut den Rettungsleitstellen mehr als 2.000 mal aus. Dabei ging es meist um umgestürzte Bäume und um umherfliegende Gegenstände. Auf Sylt waren die Sturmböen besonders heftig. Dort wurden nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) Geschwindigkeiten bis zu 128 Kilometern pro Stunde gemessen.

Auf der A21 wurden bei einem Unfall gestern früh acht Menschen leicht verletzt, als ein Baum bei Leezen (Kreis Segeberg) auf die Fahrbahn stürzte.

Das angekündigte Ostseehochwasser in der vergangenen Nacht in Lübeck und Travemünde sowie in Flensburg verlief laut Polizei glimpflich. Das Wasser ist mittlerweile zurückgegangen.

VIDEO: Menschen genießen stürmisches Wetter in Dagebüll (1 Min)

Laster kippt auf Fehmarnsundbrücke um

Auf der Fehrmarnsundbrücke kippte am Sonnabend ein 3,5 Tonnen schwerer Laster um. Die Brücke war zeitweise voll gesperrt. Auch ein Auto verunglückte laut Polizei auf der Brücke. Für Abschleppfahrzeuge war es aber zunächst nicht möglich zum Unfallort zu kommen - wegen des starken Windes.

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Menschen beleidigen Einsatzkräfte

Den ganzen Tag über waren die Einsatzkräfte vielerorts mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Dafür mussten teilweise Straßenabschnitte gesperrt werden. Nach Angaben der Feuerwehr Bosau Kleinneudorf (Kreis Ostholstein) kam es dabei zu Zwischenfällen: Absperrungen wurden umgangen und die Einsatzkräfte beleidigt, wie die Retter auf ihrer Facebook-Seite berichteten.

Kitesufer treibt ab

Menschen kamen nach bisherigen Informationen nicht ernsthaft zu Schaden. Im Bereich Kappeln wollte am Sonnabend jedoch ein Kitesurfer den Wind ausnutzen - er trieb dabei aber ab. Ein Schiff der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) war aber in der Nähe und konnte ihn unverletzt retten.

Reetdachhaus brennt nieder

In Dollerup (Kreis Schleswig-Flensburg) brannte in der Nacht zu Sonntag ein Reetdachhaus nieder. Wie die Polizei mitteilte, weckte der Hund die Bewohner, sodass sich alle rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten. In dem Haus lebte den Angaben zufolge eine Mutter mit zwei Kindern. Die Feuerwehr war bis in den Sonntagmorgen mit Löscharbeiten beschäftigt. Das Problem: Der Wind fachte das Feuer immer wieder an. Das Gebäude wurde vollständig zerstört. Erste Schätzungen zum Sachschaden belaufen sich laut Polizei auf 250.000 Euro. Zur Brandursache war zunächst noch nichts bekannt.

VIDEO: Sturm "Nadia" fegt über Schleswig-Holstein (1 Min)

Ausfälle bei der Bahn

Im Zugverkehr gab es laut Deutscher Bahn auf der Strecke zwischen Itzehoe und Hamburg sowie zwischen Heide und Itzehoe Verspätungen oder Ausfälle wegen umgestürzter Bäume. Auch auf weiteren Strecken wie zwischen Kiel und Eckernförde, Lübeck und Kiel sowie Hamburg und Kiel kam es zu Behinderungen. Die Strecke Kiel - Eckernförde war für mehrere Stunden gesperrt. Die Bahn informiert auf ihrer Webseite über den aktuellen Stand.

Einschränkungen im Fährverkehr

Viele Fähren zu den nordfriesischen Inseln und Halligen blieben wegen des Sturms in den Häfen. Am Sonntagnachmittag entspannte sich die Lage bei der Hallig-Linie der Wyker Dampfschiffs-Reederei (W.D.R.) etwas. Wegen des vorhergesagten Niedrigwassers fallen aber heute einige Verbindung nach Föhr, Amrum bzw. Dagebüll aus.

Niedrigwasser an Ostsee am Sonnabend

An der Spitze des Flensburger Hafens sitzen Möwen auf dem Trockenen und auch erste Schiffe liegen auf Grund. Der Sturm hat das Wasser rausgedrückt. © Benjamin Nolte Foto: Benjamin Nolte
Der Wind aus nord-westlicher Richtung sorgt für Niedrigwasser im Flensburger Hafen.

Im Laufe des Sonntags hatte sich der Sturm etwas abgeschwächt. Der Wind aus nord-westlicher Richtung hatte nicht nur für Hochwasser an der Nordsee gesorgt, sondern auch für Niedrigwasser an der Ostsee. So wurde am Samstagabend das Wasser aus der Flensburger Förde in die offene See gedrückt. An der Spitze des Flensburger Hafens lagen einige Schiffe auf Grund. Erst am Sonntagmorgen drückte das Wasser wieder zurück in die Innenförde. In der Nacht zu Montag stieg in Flensburg das Wasser nach Angaben des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in der Nacht auf 1,49 Meter über den mittleren Wasserstand. Hier wurden, ebenso wie in Lübeck, wo das Wasser auf 1,40 Meter stieg, unter anderem Straßen und Parkplätze überschwemmt. Nach Angaben des BSH waren die beiden Städte diejenigen mit den höchsten Pegelständen in Schleswig-Holstein. Nennenswerte Einsätze gab es nach Angaben von Polizei und Feuerwehr wegen des Ostseehochwassers aber nicht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 31.01.2022 | 07:00 Uhr

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