Gerodete Bäume in Quickborn.

So viele illegale Waldrodungen wie nie

Stand: 20.02.2021 06:00 Uhr

Arbeiter haben gerade in Neumünster einen Wald illegal gerodet. Wochen vorher passierte ähnliches in Quickborn, in Bargteheide und in Aumühle. Nur etwa elf Prozent der Fläche in Schleswig-Holstein sind mit Wald bedeckt.

Bäume dürfen nur noch bis Ende Februar gefällt werden, wenn es eine Genehmigung gibt. Doch in diesem Winter wurden in Schleswig-Holstein besonders viele Wälder gerodet, ohne Erlaubnis. "Das ist wirklich eine absolute Häufung in diesem Jahr", erklärt Martin Schmidt, Sprecher des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR). Zu den größten Fällen zählen nach seinen Aussagen Quickborn (Kreis Pinneberg) mit fast einem Hektar illegal gefälltem Wald und Neumünster. Dort wurde vor wenigen Tagen rund ein halber Hektar ungenehmigt gerodet. Die Mitarbeiter der unteren Forstbehörde sind noch immer dabei, die Aktionen aufzuklären.

Kriminelle Machenschaften nicht dulden

Über die Hintergründe der Rodungen kann Schmidt nur spekulieren. "In den Fällen Neumünster und Quickborn sind die Flächen kein Bauland oder Bauerwartungsland." Von Seiten seiner Behörde gebe es deshalb keine Genehmigungsgrundlage. Und auch Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) kündigt schärfere Maßnahmen an. "Der Staat darf solche kriminellen Machenschaften auf keinen Fall dulden." Er will eine Initiative vorbereiten und so das Bundesnaturschutzgesetz ändern lassen. So könnten höhere Strafen verhängt werden. Aktuell beträgt das maximale Bußgeld 50.000 Euro.

Verhindertes Baurecht ist zusätzliche Strafe

Bis zur Änderung sollten Land und Kommunen die zur Verfügung stehenden Sanktionen aber auch ausschöpfen. "Umweltzerstörung darf sich weder rechnen noch dürfen Behörden untätig zuschauen," sagt Albrecht. Zusätzlich meint Martin Schmidt vom LLUR, dass "in diesen Fällen ganz entscheidend auch die Kommunen vor Ort gefordert sind, die das Baurecht betreiben". In Neumünster werde darüber diskutiert, dass für die illegal gerodete Fläche kein Baurecht geschaffen werde sollte. Nach Schmidts Meinung ist das, "mindestens so wirksam wie eine Straferhöhung". Weil die Eigentümer dann eben sehen würden, dass sie damit nicht durchkommen, sondern genau das Gegenteil erreichen.

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Schleswig-Holstein Magazin | 19.02.2021 | 19:30 Uhr

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