Stand: 11.05.2018 21:14 Uhr

Plastik-Skandal in Schlei wohl größer als gedacht

Überraschende neue Erkenntnisse zum Plastik-Skandal an der Schlei: Über das Schleswiger Klärwerk sind wahrscheinlich erheblich mehr Plastik-Schnipsel in den Ostsee-Arm gelangt als bisher bekannt. Denn es gibt Hinweise darauf, dass der Anteil an geschredderten Kunststoffverpackungen in den Speiseresten, die in den Faulturm der Kläranlage gegeben wurden, deutlich höher war als bisher vom zuständigen Fachdienst Umwelt des Kreises Schleswig-Flensburg angenommen. "Was ich sagen kann ist, dass es sich mit Sicherheit um mehrere Tonnen handeln wird, im Gegensatz zu den 500 Kilogramm , die bislang auf der Grundlage der Lieferscheine von den Stadtwerken ermittelt wurden", sagt Thorsten Roos, Fachbereichsleiter Umwelt beim Kreis Schleswig-Flensburg. Die Schleswiger Stadtwerke sind der Betreiber der Anlage.

Daten auf Lieferschein und aus Labor offenbar unterschiedlich

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Thorsten Roos, Leiter des Fachbereichs Umwelt des Kreises Schleswig-Flensburg, hat seine Schätzungen der Menge der Plastikschnipsel in der Schlei deutlich nach oben korrigiert.

Die Angaben auf den Lieferscheinen vom Lebensmittelverwerter ReFood an die Schleswiger Stadtwerke über den Plastikanteil waren allerdings viel zu gering, sagt Roos. Denn ihm liegen Laborberichte vor, die ReFood in den vergangenen Jahren selbst bei einem externen Labor in Kiel beauftragt hatte. Es sollte den Anteil größerer Kunststoffpartikel in der Biomasse für das Schleswiger Klärwerk ermitteln. Auf den Lieferscheinen sind die Angaben über den Plastikanteil mit Verweis auf diese konkreten Laboruntersuchungen angegeben. Doch die dort genannten Werte weichen nach Roos' Angaben eklatant von den Zahlen auf den Lieferscheinen ab. ReFood äußerte sich zu den widersprüchlichen Lieferscheinen am Freitag nicht.

Werte unterscheiden sich durchschnittlich um den Faktor 30

Das von ReFood selbst beauftragte Labor in Kiel ermittelte nach seinen Angaben in mehreren Proben einen Kunststoffanteil von 0,4 Prozent, in einem Fall waren es sogar 2,5 Prozent. Auf den Lieferscheinen sind meist 0,02 Prozent und weniger ausgegeben. Im Durchschnitt unterscheiden sich die Werte um den Faktor 30. "Es ist zu vermuten, dass wir falsche Angaben in den Lieferscheinen haben, die ReFood ausgefüllt hat", sagt Stadtwerke-Chef Wolfgang Schoofs. Das wohl über zwei Jahre. Die Kreisbehörde erhielt jüngst ein Foto aus dem Jahr 2016, aufgenommen am Abfluss der Kläranlage, das bereits damals die typischen kleinen Schnipsel zeigt.

Auch Stadtwerke in der Kritik

Auch die Stadtwerke stehen in der Kritik. Aus Sicht des Behördenleiters hätte überhaupt kein Material mit Kunststoffresten in der Kläranlage landen dürfen. Die Stadtwerke verweisen dagegen auf Spielräume in der Biomasseverordnung.

Skandal sorgt für Aufregung in der Region

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Bis zu zehn Menschen suchen täglich das Schleiufer nach Plastikteilchen ab.

Das Recyclingunternehmen ReFood schreddert deutschlandweit in seinen Werken abgelaufene Lebensmittel zusammen mit deren Plastikverpackungen. Ein Teil der Fremdstoffe wird entfernt. Aber einiges bleibt in der Biomasse, die dann zum Beispiel an die Kläranlage der Schleswiger Stadtwerke geliefert wurde. Auf diese Weise gelangten wohl massenhaft Plastikschnipsel in die Schlei. Im März wurde das bekannt und sorgt immer noch für viel Aufregung in der Region. Rund zehn Mitarbeiter reinigen seitdem täglich das Schleiufer. Die Plastikschnipsel finden sich nur noch vereinzelt. Ein Hochwasser im März hatte bereits vieles vom Ufer gespült.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 11.05.2018 | 17:00 Uhr

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