Stand: 19.06.2019 08:41 Uhr

Nordlink: 630-Kilometer-Kabel erreicht Festland

von Kai Salander

Vom kommenden Jahr an soll es für einen Strom-Austausch zwischen Deutschland und Norwegen sorgen: das Nordlink-Kabel. Netzbetreiber Tennet will überschüssige Wind- und Solarenergie durch die Nordsee bis zum norwegischen Tonstad leiten. Bei hiesigen Flauten soll andersherum Wasserstrom aus Norwegen ins deutsche Stromnetz fließen. Die 630 Kilometer lange Stromtrasse wird Umspannwerke in Wilster (Kreis Steinburg) und Tonstad miteinander verbinden. Das Seekabel der Verbindung verläuft mehr als 500 Kilometer durch die Nordsee. Am Mittwoch hat es mithilfe eines Spezialschiffs das deutsche Festland in Büsum (Kreis Dithmarschen) erreicht.

Das Investitionsvolumen der Stromautobahn liegt bei mehr als 1,5 Milliarden Euro. Sie kann 1.400 Megawatt übertragen und so rechnerisch drei Millionen Haushalte versorgen. Tennet-Sprecher Mathias Fischer nannte Nordlink "ein Leuchtturmprojekt im deutschen und auch europäischen Energiewendegedanken".

Gefährliche Arbeiten im Wattenmeer

Tennet wollte das Seekabel eigentlich schon im vergangenen Sommer ans Festland bringen. Die Gezeiten und der starke Wind verhinderten die Arbeiten jedoch immer wieder. Das Kabelverlegeschiff kam nicht über die Sandbank bei Büsum und damit nicht nah genug an den Deich. Zudem kenterten zwei Vermessungsingenieure mit ihrem Boot. Eine Nacht lang trieben sie auf der Nordsee, bevor Seenotretter die Männer aus dem Wasser retten konnten.

Kabelenden werden hinterm Deich verbunden

Aufgrund der Problematik mit den Sandbänken hatte Tennet beschlossen, das Kabel durchzuschneiden - und mit einem kleineren Schiff Richtung Deich zu bringen. Es wurde von Bord des Verlegeschiffs über eine Kabeltrommel und durch ein knapp 500 Meter langes Leerrohr in den Schlick gelassen. Ein sogenannter Spülschlitten spülte das Seekabel eineinhalb Meter tief ins Watt ein. Auf dem Festland zog eine Winde das Kabel durch die Rohrleitung und unter dem Landeschutzdeich hindurch.

Hinter dem Deich sollen die Enden der Kabel wieder verbunden werden. Nach und nach soll nun das 54 Kilometer lange Erdkabel von Büsum bis zum Umspannwerk in Wilster verlegt werden.

Naturschützer: Schiff wird Boden aufwühlen

Naturschützer sehen im Nordlink-Kabel einen wichtigen Baustein für die Energiewende, kritisieren allerdings auch das Seekabel. Das Kabelverlegeschiff werde den Boden des Nationalparks aufwühlen und so zwischenzeitlich für Unruhen im Nationalpark sorgen, befürchtet Rainer Schulz von der Schutzstation Wattenmeer. Zudem strahlen die Seekabel laut Schulz Wärme ab und lassen so die Temperaturen am Meeresgrund steigen. Das könne Epidemien begünstigen und das Ökosystem stören.

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