VIDEO: Wirtschaftsminister Buchholz über Nobiskrug: "Hoffe auf Perspektiven" (1 Min)

Nobiskrug in Rendsburg: Werft beantragt Insolvenz

Stand: 12.04.2021 17:47 Uhr

Finanzielle Probleme, eine schwache Auftragslage: Nobiskrug hat die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Das teilte die Rendsburger Werft am Montag mit.

Besonders durch den Neubau der 143 Meter langen Luxusjacht "A" mit rund 100 Meter hohen Masten stand die Werft in den Schlagzeilen. Jetzt kämpft Nobiskrug nach eigenen Angaben mit "kritischen Entwicklungen" im Jachtbau - aber auch frühere Entscheidungen im Management und zuletzt die Corona-Krise hätten dem Unternehmen geschadet, heißt es in einer Mitteilung. Aufträge blieben aus. Das wirke sich auf das Investitionspotential und die Rentabilität aus - und schließlich sei der Insolvenzantrag beim Amtsgericht Neumünster unvermeidlich geworden.

Kürzlich fast 180 Millionen Euro investiert

Zuletzt gab das Unternehmen an, 330 Menschen zu beschäftigen, nachdem im vergangenen Jahr 120 Angestellten eine betriebsbedingte Entlassungangekündigt wurde. Der Mutterkonzern Privinvest - eine internationale Schiffbaugruppe - hatte laut Nobiskrug in den vergangenen Jahren fast 180 Millionen Euro in Rendsburg investiert, um das laufende Geschäft zu sichern, ohne dafür eine Rendite zu erhalten. Privinvest werde seine anderen Schiffbaueinheiten in Deutschland unterstützen und verfolge das Ziel, durch einen konstruktiven Dialog mit allen Beteiligten möglichst viele Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern. Weitere Angaben machte Nobiskrug nicht.

Die Nobiskrug-Werft am Nord-Ostsee-Kanal wurde 1905 gegründet und ist auf den Bau von Luxusjachten ab 60 Metern Länge spezialisiert. Seit ihrer Gründung hat die Werft mehr als 750 Schiffe gebaut. Noch vor wenigen Wochen hieß es seitens der Werft, man sehe sich "solide aufgestellt".

Buchholz: Land konnte nicht mehr eingreifen

Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) betonte, die Lage sei in der Werftenlandschaft insgesamt sehr schwierig. Bereits vor zwei Jahren sei die Einschätzung gewesen, dass das Unternehmen in Schwierigkeiten stecke. "Insoweit hatten wir auch als Land keine Möglichkeiten, da noch verstärkt einzugreifen", sagte Buchholz am Montag. Er hoffe auf Chancen im Zuge des Insolvenzverfahrens. "Dabei gibt es immer noch diverse Möglichkeiten, die für die Belegschaft und auch für das Unternehmen selbst Perspektiven schaffen können", sagte der Minister.

IG Metall nach eigenen Angaben nicht einbezogen

Die Gewerkschaft kritisierte die Kurzfristigkeit der Unternehmensentscheidung. "Weder die IG Metall noch die Betriebsräte sind im Vorfeld einbezogen worden", sagte der Rendsburger IG-Metall-Geschäftsführer Martin Bitter: "Das ist ein Ärgernis und nicht akzeptabel." Bitter sprach von einem Liquiditätsproblem, Aufträge seien vorhanden. Er setze darauf, dass der Gesellschafter "zumindest den Neustart finanziert". Aber auch das Land Schleswig-Holstein müsse beispielsweise mit Bürgschaften eine Rolle spielen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 12.04.2021 | 18:00 Uhr

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