"Müllberg von Norderstedt": Prozessauftakt gegen Deponiebetreiber

Stand: 26.10.2022 19:13 Uhr

Am Norderstedter Amtsgericht hat am Mittwoch der Prozess gegen den Betreiber einer Mülldeponie begonnen. Er soll nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft der Verursacher des "Müllbergs von Norderstedt" sein. Nach Angaben eines Gerichtssprechers wurde am ersten Prozesstag nur die Anklage verlesen.

von Philipp Eggers

Jahrelang war er untergetaucht: Gad Rüdiger G., Betreiber der Mülldeponie in Norderstedt (Kreis Segeberg) im Stadtteil Friedrichsgabe. Seit Mittwoch muss er sich vor dem Norderstedter Amtsgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm den unerlaubten Umgang mit Abfällen und das unerlaubte Betreiben von Anlagen in jeweils einem besonders schweren Fall vor. Dabei handelt es sich um abstrakt formulierte Vergehen aus dem Umweltrecht, die beschreiben, welche Müllarten in welchem Betrieb entsorgt und gelagert werden dürfen.

Betreiber hätte Müll nur zwischenlagern dürfen

Ein riesiger Müllberg in Norderstedt. © NDR
Auf dem Gelände in Norderstedt liegen vermutlich etwa 15.000 Kubikmeter Abfall und Schutt - darunter Kunststoffe, Mineralfasern, Gipsplatten, Dachpappen und Asbest.

Auf dem Deponiegelände türmen sich bis heute mehrere Zehntausend Kubikmeter illegal gelagerter Müll meterhoch auf - darunter auch gefährliche Stoffe wie krebserregender Asbest und teerhaltige Dachpappe. Ein vom Land in Auftrag gegebenes Gutachten konnte Ende 2020 eine vom Müllberg ausgehende Gefährdung für Mensch und Natur nicht ausschließen. Dabei hätte Gad Rüdiger G. auf seinem Recyclinghof nur ungefährlichen Müll zwischenlagern dürfen.

2017 taucht der Deponiebetreiber ab

Doch G. soll über Jahre Müll angenommen haben, den er gar nicht hätte annehmen dürfen. Und er hat Müll, den er annehmen durfte, offenbar nicht weiterverteilt. Bei der für die Überwachung zuständigen Behörde LLUR (Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume) galt die Norderstedter Deponie über Jahre als einer der bestüberwachten Betriebe des ganzen Landes. 2017 schreibt das LLUR Betreiber Gad Rüdiger G., dass "aufgrund der Art der Abfälle und der Art der Lagerung eine Verunreinigung der Schutzgüter Boden und Wasser nicht ausgeschlossen werden" könne. Die ungenehmigte Lagerung von Abfällen sei geeignet, "Gefahren und schädliche Umwelteinwirkungen hervorzurufen". Kurz danach taucht der Betreiber ab.

Räumung des Müllbergs: Kosten in Millionenhöhe

In der Folge entbrennt ein Streit zwischen Stadt und Land, wer für die Beseitigung des Müllbergs verantwortlich ist. Erst ab Sommer 2022 zeichnet sich eine Lösung ab: Bei der Zwangsversteigerung des Grundstücks erhält die Stadt Norderstedt den Zuschlag - jetzt kann ein von Stadt und Land beauftragtes Unternehmen das Gelände räumen. Die Kosten für die Räumung schätzen Stadt und Land auf etwa 3,8 Millionen Euro. Es könnte nach NDR Informationen sogar noch teurer werden, falls kontaminierter Boden abgetragen und entsorgt werden muss.

Betreiber muss vor Gericht auftauchen

Ende 2021 taucht dann überraschend der ehemalige Betreiber der Deponie wieder auf. Über einen Anwalt meldet er sich bei der Staatsanwaltschaft Kiel. Der Prozessauftakt ist eine Premiere: Zum ersten Mal steht mit Gad Rüdiger G. der mutmaßliche Verursacher des Müllbergs im Fokus. Das Gericht hat für den Prozess insgesamt sechs Verhandlungstage angesetzt. Ursprünglich war auch seine Tochter, die zwischenzeitlich die Geschäfte leitete, angeklagt. Das Verfahren gegen sie wurde aber gegen eine Zahlung von 11.000 Euro eingestellt.

Laut Richter gab es entsprechende Gespräche auch mit Gad Rüdiger G. - sollte sich der Mann in der kommenden Woche geständig zeigen und einräumen, dass er für den Müllberg verantwortlich ist, werde sich das Strafmaß auf maximal zwei Jahre belaufen und zur Bewährung ausgesetzt.

VIDEO: Müllberg von Norderstedt: Prozess gegen Deponiebetreiber (2 Min)

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 26.10.2022 | 19:30 Uhr

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