Außenaufnahme eines Wohngebäudes im Hasseldieksdammer Weg in Kiel. © TeleNewsNetwork

Mordfall Dänischenhagen: Polizei vermutet Waffen im Nord-Ostsee-Kanal

Stand: 22.05.2021 13:14 Uhr

Nach den tödlichen Schüssen auf drei Menschen wollen Polizeitaucher in den kommenden Tagen auch unter der Levensauer Hochbrücke im Nord-Ostsee-Kanal nach Waffen suchen. Zunächst hatten sie im Eckernförder Hafen Teile einer Waffe gefunden.

Drei Tage nach den tödlichen Schüssen auf drei Menschen in Dänischenhagen (Kreis Rendsburg-Eckernförde) und Kiel gibt es neue Erkenntnisse. Die Ermittler konzentrieren sich aktuell auf die Suche nach der oder den Tatwaffen. In den kommenden Tagen wollen die Taucher auch unter der Levensauer Hochbrücke im Nord-Ostsee-Kanal nach Waffen suchen. Diese Suchaktion hatte die Polizei zunächst für Freitagmittag angekündigt.

Ein Zeuge hatte der Polizei Hinweise geliefert, wo die Ermittler die Tatwaffen finden könnten. Er hatte die Beamten auch zum Eckernförder Hafen geführt, wo Polizeitaucher am Freitag Waffenteile entdeckten, die mit den Taten in Dänischenhagen und Kiel in Verbindung stehen könnten. Wie die Ermittler auf den Zeugen gestoßen sind, wollen sie aus ermittlungstaktischen Gründen noch nicht sagen. Sie gehen nach eigenen Angaben davon aus, dass der Tatverdächtige die Waffenteile nicht selbst entsorgt hat.

Mutmaßlicher Täter sitzt in Untersuchungshaft

Seit Donnerstagabend sitzt der mutmaßliche Täter in Untersuchungshaft, nachdem das Amtsgericht Kiel Haftbefehl wegen zweifachen Mordes und Totschlags erlassen hatte. Jetzt konzentrieren sich Ermittler der Kriminalpolizei darauf, die Hintergründe der Tat zu beleuchten. Der Tatverdächtige soll seine von ihm getrennt lebende 43-jährige Frau und einen 53 Jahre alten Mann erschossen haben. Tot ist ebenfalls ein 52 Jahre alter Mann. Seine Leiche wurde in Kiel im Hasseldieksdammer Weg entdeckt. Der Mann gehörte zum persönlichen Umfeld des Tatverdächtigen.

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Polizisten eines SEK stehen vor einem Gebäude im Brauereiviertel der Stadt Kiel nach den Schüssen in Dänischenhagen. © dpa-Bildfunk

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Nach Informationen von NDR Schleswig-Holstein handelt es sich um einen Zahnarzt. Am Abend stellte er sich der Polizei. mehr

Fund in Eckernförder Hafenbecken wird untersucht

Für den Tatort in Dänischenhagen hat die Kripo Unterstützung vom LKA Hamburg angefordert. Die Kollegen sollen Spuren mit einem 3D-Scanner sichern. Außerdem suchen die Beamten eine Waffe - und zwar im Hafenbecken von Eckernförde. Die Beamten haben Hinweise darauf, dass der Beschuldigte sie dort ins Hafenbecken warf. Taucher haben inzwischen tatsächlich einige Waffenteile gefunden. Ob diese - wie vermutet - zur Tatwaffe gehören, soll nun eine Untersuchung klären.

Beschuldigter gibt die Schüsse zu

Der mutmaßliche Täter hatte eine Schusswaffe bei sich, als er sich am Mittwochabend in Hamburg der Polizei stellte. Ob mehrere Waffen für die Taten eingesetzt wurden, werde noch untersucht, sagte Oberstaatsanwalt Michael Bimler. Der Beschuldigte selbst will sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Am Donnerstagabend ließ er aber beim Haftrichter durch seinen Anwalt erklären, dass er die Taten nicht bestreitet. Er räumte ein, auf die drei Menschen geschossen zu haben, nannte aber keine Einzelheiten.

Ablauf der Taten wird rekonstruiert

Die Kripo will nach eigenen Angaben auch den genauen Ablauf der beiden Fälle rekonstruieren. Noch steht nicht genau fest, in welcher Reihenfolge die Taten erfolgten: Wurden erst der Mann und die Frau in Dänischenhagen erschossen und dann der 52-Jährige in Kiel - oder andersherum? Auch das Motiv ist nicht geklärt. Bei der Tat in Dänischenhagen gehen die Ermittler zwar von einer Beziehungstat aus, aber welche Rolle der 52-jährige Tote in Kiel dabei gespielt hat, steht noch nicht genau fest.

Zahnarzt hortete Waffen

Im Haus des mutmaßlichen Täters in Westensee sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft Schreckschusswaffen gefunden worden. Die scharfen Schusswaffen, die der Mann als Jäger legal in seinem Haus aufbewahrt hatte, habe er wahrscheinlich abgegeben, sagte Bimler. Nach Informationen von NDR Schleswig-Holstein sammelte der Tatverdächtige außerdem auch Gegenstände aus der Zeit des Nationalsozialismus. Er besaß einen Waffenschein, doch auch hier gibt es noch offene Fragen.

Anzeige wegen häuslicher Gewalt

Bestätigt hat die Polizei eine Anzeige gegen den Mann. Nach Informationen von NDR Schleswig-Holstein war er gewalttätig gegen seine Frau. Es soll ihm auch gerichtlich verboten gewesen sein, seiner Frau zu nahe zu kommen. Die getötete 43-Jährige hinterlässt vier Kinder.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 22.05.2021 | 13:00 Uhr

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