Ein Rendering des von thyssenkrupp Marine Systems entworfenen U-Boot Typs 212CD. © thyssenkrupp Marine Systems Foto: thyssenkrupp Marine Systems

Milliarden-Auftrag für Kieler Werft TKMS

Stand: 23.03.2021 21:59 Uhr

Nach jahrelangen Verhandlungen hat das norwegische Verteidigungsministerium heute bekannt gegeben, für rund 4,5 Milliarden Euro vier neue U-Boote bei der Kieler Werft TKMS zu bestellen.

von Christian Wolf

Das deutsch-norwegische U-Boot-Projekt ist nach Jahren der Verhandlungen beschlossene Sache. Beide Länder werden bei der Kieler Werft ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) insgesamt sechs Boote vom Typ 212CD bauen lassen. Vier U-Boote gehen nach Norwegen, zwei erhält die Deutsche Marine. Wie skandinavische Medien berichten, kostet das Projekt Norwegen rund 45 Milliarden Kronen, als umgerechnet fast 4,5 Milliarden Euro. Etwa zwei Drittel der Summe soll für den Bau ausgegeben werden. Die restliche Summe soll für den laufenden Betrieb bereit gehalten halten werden, beispielsweise wenn Ersatzteile benötigt werden. Noch ist nicht klar, wann die ersten Boote ausgeliefert werden sollen. Anfangs war das Jahr 2025 angepeilt worden, zuletzt hieß es aber aus dem norwegischen Verteidigungsministerium, dass frühestens zwischen 2028 und 2030 mit den ersten Booten gerechnet werde.

Erste Boote für Norwegen

Der CDU-Politiker Ingo Gädechens © NDR
Mitglied im Verteidigungsausschuss: Ingo Gädechens.

Da Norwegen den Löwenanteil an dem Projekt trägt, bekommt das Land auch die ersten Boote. "Deutschland bekommt dann aber das Boot drei und sechs aus dieser Baureihe", erklärt Ingo Gädechens (CDU). Der Bundestagsabgeordnete ist Mitglied im Verteidigungsausschuss und hatte nach eigenen Angaben 2017 die Absichtserklärung in Oslo mitunterzeichnet, dass beide Länder gemeinsam U-Boote bauen wollen. Entsprechend groß war seine Freude: "Dass dieser Vertrag zustande gekommen ist, freut mich als Schleswig-Holsteiner, weil damit der Werft-Standort von TKMS in Kiel über mehrere Jahre gesichert ist. Außerdem zeigen beide Länder damit, dass sie eine U-Boot-Nation werden wollen."

Noch fehlen die Unterschriften

Der Vertrag sei zwar beschlossen, aber noch nicht unterzeichnet worden, erklärte Norwegens Verteidigungsminister Frank Bakke-Jensen. Auch in Deutschland muss das Parlament das Projekt noch absegnen, was allerdings als reine Formsache gilt. "Das Projekt U212CD trägt zur Stärkung der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie im Bereich der Schlüsseltechnologie Marineschiffbau in Deutschland bei. Im Rahmen dieses Beschaffungsvorhabens ist zudem von einer sehr hohen Wertschöpfung in Deutschland auszugehen. Damit werden in Kiel und Umgebung bis in die Mitte des nächsten Jahrzehnts zahlreiche hochwertige Arbeitsplätze gesichert", teilte das Bundesverteidigungsministerium mit.

Schon seit Jahren machen Deutschland und Norwegen bei U-Booten gemeinsame Sache. Beispielsweise werden norwegische Matrosen in Eckernförde mitausgebildet. Die künftigen Systeme sind so identisch, dass norwegische Matrosen auf deutschen U-Booten dienen könnten. Mit den beiden neuen U-Booten vom Typ 212CD sollen laut Ingo Gädechens sukzessive die älteren Boote der Deutschen Marine nach und nach ausgetauscht werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 23.03.2021 | 17:00 Uhr

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