Stand: 03.02.2020 12:21 Uhr

Mehr Kurzarbeit bei Flensburger Werft

von Peer-Axel Kroeske

Sie haben im vergangenen Jahr viel Geduld bewiesen - die 700 Mitarbeiter der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft. Zwar liegen die Nerven derzeit nicht so blank wie im Januar 2019, als Lohnzahlungen auf der Kippe standen und die Werft kurz vor der Insolvenz war. Allerdings ist weiterhin offen, wie es rund um die große Werkshalle am Flensburger Westufer weiter geht.

Konzentration auf die "Honfleur"

Das letzte ausgelieferte Schiff "Leevsten" galt bereits als Lückenfüller. Der Ex-Eigentümer Siem hatte sie selbst in Auftrag gegeben. Nach Fertigstellung lag die Lkw-Frachtfähre am Ausgang der Flensburger Förde wochenlang auf Reede. Nun ist sie verchartert. Sie pendelte Ende Januar zwischen Marseille, Tunis und Genua im Mittelmeer. Eine weitere RoRo-Fähre dieses Typs für Siem steht kurz vor der Fertigstellung. Das zweite Schiff, das sich derzeit in Bau befindet, ist die "Honfleur". Die Großfähre sollte eigentlich schon im vergangenen Sommer nach Frankreich ausgeliefert werden. Auf sie konzentrieren sich seit einem Jahr alle Kräfte. Allerdings war der Bau von Anfang an im Verzug und zieht sich hin. Der Endspurt betrifft vor allem die Innenausstattung.

Großaufträge in der Schwebe

Nur ein Teil der Belegschaft wird hierfür gebraucht. Und somit gehen immer mehr Kollegen in Kurzarbeit. Der Betriebsrat schätzt die Zahl inzwischen auf 300. Das Büro der Geschäftsleitung bestätigte, ein großer Teil der Belegschaft sei betroffen. Genauere Angaben will die FSG aber nicht machen. Im Gespräch ist zudem, etwa 50 Kollegen an Werften nach Kiel, Hamburg und Bremen auszuleihen. Der Bau der drei weiteren, bereits bestellten Großfähren wird aber offenbar immer weiter hinaus geschoben. Anfangs hieß es, mit den Auftraggebern werde über neue Konditionen verhandelt. Nachfragen dazu bleiben aber unbeantwortet.

Gutachten soll Aussichten bewerten

Der neue Eigentümer der Werft, Lars Windhorst, Chef der Investmentgesellschaft Tennor, hatte den Beschäftigten im Sommer noch Hoffnung gemacht. Damals war sogar von Ausbauplänen in Flensburg die Rede. Doch inzwischen wächst wieder die Ungewissheit. Die Weichen könnten sich nach Informationen von NDR Schleswig-Holstein mit einem neuen Gutachten stellen, das die wirtschaftlichen Aussichten der FSG bewerten soll.

Eine positive Prognose wäre theoretisch die Voraussetzung für neue Landesbürgschaften zur Finanzierung weiterer Neubauten. Ob dies damit bezweckt ist, will die Geschäftsleitung aber nicht beantworten. Aus dem Wirtschaftsministerium heißt es nur, man sei mit der FSG in engem Kontakt. Nach NDR Informationen könnten die Ergebnisse des Gutachtens Ende Februar vorliegen.

Anm. d. Red.: In einer vorherigen Version des Artikels hieß es: "Laut Betriebsrat ist ein Gutachten mit positiver Prognose nötig, um die Kurzarbeit fortführen zu können." Dieser Zusammenhang wurde inzwischen von Betriebsrat und Geschäftsführung zurückgewiesen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 03.02.2020 | 08:00 Uhr

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