Philipp Maracke, Geschäftsführer der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG).

Nobiskrug: Investor Lars Windhorst übernimmt Werft

Stand: 16.07.2021 19:00 Uhr

Der Schiffbauer Nobiskrug in Rendsburg hat einen neuen Eigentümer. Der Investor Lars Windhorst hat das insolvente Traditionsunternehmen übernommen.

von Christian Wolf

Nach der Flensburger-Schiffbau-Gesellschaft (FSG)geht damit die zweite Werft in den Besitz des deutschen Finanzinvestors über. Für die Tennor Holding von Windhorst sei die Nobiskrug eine absolut perfekte Ergänzung, erklärte FSG-Geschäftsführer Philipp Maracke, der künftig auch bei Nobiskrug die Geschäfte leiten wird. Entsprechende Kaufverträge wurden am Freitag unterzeichnet. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. In den Kaufverträgen gibt es noch festgelegte Bedingungen, die erfüllt werden müssen. Auch das Kartellamt muss noch zustimmen.

"Mit Nobiskrug erhalten wir einen Zugang zum attraktiven Wachstumsmarkt Superjachtbau. Die renommierte Werft steht wie nur wenige andere für innovativen und ökologisch anspruchsvollen Individualschiffbau", erklärte Windhorst. Die Nobiskrug-Geschäftsführung hatte Anfang April die Insolvenz der Rendsburger Traditionswerft gemeldet.

Synergien sollen geschaffen werden

Investor Lars Windhorst
Für den Investor Lars Windhorst ist Nobiskrug bereits die zweite Werft im Land, die in seinem Besitz ist.

"Wir übernehmen einen Großteil der Belegschaft. Dass die Werft zuletzt Schwierigkeiten hatte, lag nicht an den Produkten oder den Fähigkeiten der Mitarbeiter", sagte Maracke. Die Belegschaft wird gebraucht, um die aktuellen Projekte abzuschließen. Für den neuen Geschäftsführer der Rendsburger Traditionswerft ist das Unternehmen außerdem eine wertvolle Marke, die in den vergangenen Jahren aufgebaut wurde. "Wir wollen künftig zwischen beiden Werften Synergien schaffen. Das Know-How für Rumpfarbeiten der FSG kann hier perfekt mit dem Engineering von Nobiskrug vereint werden", ergänzte Maracke.

"Positives Signal für die Stadt"

"Es ist sehr erfreulich, dass für die Werft und die Arbeitsplätze eine Lösung gefunden wurde", meinte Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP). So sieht es auch Rendsburgs Bürgermeisterin Janet Sönnichsen (parteilos): "Das ist ein positives Signal nicht nur für die Stadt, da wesentliche Teile der Region von der Werft einfach abhängig sind."

VIDEO: Maracke: "Wir übernehmen einen Großteil der Mitarbeiter" (2 Min)

Lob kommt auch von der IG Metall. "Wir sehen eine echte Chance zur Sicherung aller Arbeitsplätze auf der Werft, die vor allem ein Ort bleibt, an dem Mega-Jachten gebaut werden", sagte Martin Bitter, Geschäftsführer der IG Metall Rendsburg. Zudem betonte der Gewerkschaftler im Gespräch mit NDR Schleswig-Holstein, dass es durch den neuen Eigentümern nun die Chance gebe, dauerhaft Mitbestimmung und Tarifbindung in Rendsburg zu sichern.

Lange Tradition am Nord-Ostsee-Kanal

Rund 750 Schiffe sind seit der Gründung von Nobiskrug im Jahr 1905 auf dem Werftgelände am Nord-Ostsee-Kanal entstanden. Beispielsweise das Schulschiff "Deutschland" für die Deutsche Marine oder das berühmte deutsche Forschungsschiff "Polarstern". Aber auch etliche Fähren für die Vogelfluglinie sind hier gebaut worden, aber auch Schiffe für die Superreichen dieser Welt - wie etwa die Segelyacht "A". Seit Mitte der 1980er-Jahre wechselte Nobiskrug aber immer wieder den Besitzer. Auch die Zahl der Belegschaft musste in Folge von Umstrukturierungsmaßnahmen regelmäßig nach unten korrigiert werden. Zu Hochzeiten waren rund 1.100 Menschen bei Nobiskrug beschäftigt, zuletzt waren es um die 350.

Wer ist Lars Windhorst?

Der Investor Lars Windhorst ist kein Unbekannter. Er ist eng mit einer Investmentgruppe verbunden, die nach eigenen Angaben Risikokapital in neu gegründete Unternehmen und auch solche in schwierigen Situationen gibt. Windhorst wurde in den 1990er-Jahren als Wirtschafts-Wunderkind gefeiert, stand jedoch auch schon wegen Insolvenzverschleppung und Veruntreuung vor Gericht.

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