Die Mülldeponie in Wiershop. © NDR Foto: Johannes Kaths

Landesregierung informiert über Deponierung von AKW-Bauschutt

Stand: 13.01.2021 05:00 Uhr

Energiewendeminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) will heute darüber informieren, wie mit den nicht-radioaktiven Abfällen umgegangen werden soll, die beim geplanten Abriss der drei Atomkraftwerke in SH anfallen.

Laut einem Gutachten des Energiewendeministeriums kommen für eine Lagerung die Deponiestandorte Wiershop (Kreis Herzogtum Lauenburg), Lübeck-Niemark, Johannistal in Gremersdorf (Kreis Ostholstein) und Harrislee (Schleswig-Flensburg) in Betracht. Die Deponien in Großenaspe und Damsdorf/Tensfeld (Kreis Segeberg) sowie Schönwohld bei Kiel hat die Regierung aus Kapazitätsgründen bereits ausgeklammert. Insgesamt hatten Experten sieben Deponien in Schleswig-Holstein untersucht. Grundsätzlich seien alle für die Abfälle geeignet.

50.000 Tonnen Bauschutt aus drei Atommeilern

Die Kernkraftwerke Brunsbüttel (Kreis Dithmarschen), Brokdorf (Kreis Steinburg) und Krümmel bei Geesthacht (Kreis Herzogtum Lauenburg) sollen in den kommenden zehn bis zwanzig Jahren abgerissen werden. Beim Rückbau der drei Meiler werden bis zu 50.000 Tonnen leicht kontaminiertes Material anfallen, das laut Landesregierung nicht in einem Endlager gelagert werden muss - zum Beispiel Mineralwolle, Isolierungen und Bauschutt. Die sogenannten freigemessenen, nicht-radioaktiven Abfälle strahlen laut Energiewendeministerium deutlich geringer als die natürliche Umwelt, es bestehe kein Gesundheits-Risiko.

Zustimmung aus Wiershop - Ablehnung aus Lübeck

Die Gemeinde Wiershop hat bereits zugestimmt, Abfall aufzunehmen - allerdings nur aus dem nahe gelegenen AKW Krümmel. Lübeck hat eine Aufnahme abgelehnt, an den anderen beiden Standorten gibt es Widerstand. "Das Material könnte theoretisch auch exportiert werden, aber ich sehe das Land in der Verantwortung anfallende Abfälle auch hier zu entsorgen", hatte Albrecht vor mehr als einem Jahr erklärt. In wie vielen Deponien die AKW-Abfälle gelagert werden sollen, ist noch offen. Es wäre auch an allen vier Standorten möglich, wie Albrecht sagte. Sollten die Betreiber keine Lösung finden, hätte das Land als Ultima Ratio die Möglichkeit, auf Basis des Kreislaufwirtschaftsgesetzes Zuweisungen vorzunehmen.

September 2020: Albrecht dementiert Festlegung

Im September 2020 hatte Albrecht dementiert, sich bereits festgelegt zu haben, Bauschutt aus dem Rückbau von Atomkraftwerken in Lübeck zu deponieren. Die "Kieler Nachrichten" hatten damals geschrieben, dass das Energiewendeministerium darüber nachdenke, zunächst 250 Tonnen Schutt auf der Deponie Lübeck-Niemark zu lagern. Eine Diskussion darüber schwelte länger. "Nein, es gibt keine Vorfestlegung auf Lübeck", sagte der Grünen-Politiker damals.

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Die Mülldeponie in Wiershop. © NDR Foto: Johannes Kaths

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 13.01.2021 | 08:00 Uhr

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