Stand: 12.09.2020 16:43 Uhr

Kielerin trotz Mukoviszidose mitten im Leben

Sie ist angeboren und nicht heilbar: die Krankheit Mukoviszidose. Betroffene beschreiben sie als langsames Ersticken bei vollem Bewusstsein. Es ist eine Krankheit, die alle Organe befallen kann, vor allem aber die Lunge und die Bauchspeicheldrüse. Betroffen ist zum Beispiel die 38 Jahre alte Kielerin Ann-Christin Schneider. Sie lebt seit frühester Kindheit mit Mukoviszidose: "Ich hatte relativ früh einen Darmverschluss. Außerdem war meine Lunge von Anfang an sehr anfällig, ich hab schnell Lungenentzündung bekommen, meine Verdauung war schlecht, ich hab nicht zugenommen."

Täglich 20 Tabletten um die Symptome zu mildern

Hinter ihr liegen unzählige Krankenhausaufenthalte und Operationen. Ein Stück der Lunge wurde bereits entfernt. Inzwischen hat sich Ann-Christin Schneider mit der Krankheit arrangiert: "Manchmal denke ich, dass ich die Dinge mehr genieße als andere. Ich mache das, wonach mir ist und genieß die Zeit, die gut ist." Dabei kommt sie mit 20 Tabletten am Tag und wöchentlicher Physiotherapie oft an ihre Grenzen. Trotzdem arbeitet die Sozialpädagogin fast in Vollzeit beim Kieler Gesundheitsamt. Zusätzlich geht sie reiten und mit ihren Dackeln Gassi. Das hilft, so erklärt die 38-Jährige, den Schleim im Körper zu lösen. Sie muss mindestens zwei Stunden am Tag in Bewegung sein, um der Krankheit zu trotzen. "Meine Eltern haben mir beigebracht, dass ich alles schaffen kann, was ich möchte. Das ist so drin bei mir."

Mukoviszidose-Zentrum Nord von Stiftung ausgezeichnet

Alle drei Monate muss Ann-Christin Schneider zur Kontrolle. Früher ist sie dafür in die Uni-Klinik gefahren. Seit Anfang des Jahres gibt es im Städtischen Krankenhaus in Kiel das Mukoviszidose-Zentrum Nord. Dort werden 160 Patienten aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen versorgt. Das Besondere sei die durchgängige Betreuung von Kindheit an, sagt Dr. Ingrid Bobis, Oberärztin und Fachärztin für Pneumologie: "Ein Ortswechsel führt oft zu Lücken in der Therapie und damit zu Schädigungen in der Lunge und Bauchspeicheldrüse." Es gebe immer wieder Patienten, die in dieser Phase Jahre ihres späteren Lebens verspielen. Das will das Städtische Krankenhaus verhindern. Das Mukoviszidose-Zentrum Nord wurde jetzt von der Christiane Herzog Stiftung ausgezeichnet. Die Stiftung unterstützt die Einrichtung mit jährlich 50.000 Euro.

Die durchschnittliche Lebenserwartung von Mukoviszidose-Patienten liegt zwischen 40 und 50 Jahren. Ann-Christin Schneider wird in diesem Jahr 39. Das positive Denken lässt sie sich aber nicht nehmen: "Ich hoffe, dass ich 108 Jahre alt werde, dass ich weiterhin fit bleibe und weiter Spaß am Leben hab."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Magazin | 12.09.2020 | 19:30 Uhr

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