Außenansicht des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel © NDR Foto: Fin Walden

Kieler Ökonomen: Krieg in der Ukraine belastet deutsche Wirtschaft

Stand: 17.03.2022 11:35 Uhr

Das Kiel Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) hat seinen Konjunkturbericht für das Frühjahr vorgestellt. Der Krieg in der Ukraine belastet die deutsche Wirtschaft spürbar. Aber ganz düster sind die Aussichten nicht.

In seiner aktuellen Frühjahrsprognose halbiert das IfW Kiel seine Vorhersage für die Zunahme der Wirtschaftsleistung in Deutschland im laufenden Jahr nahezu. Es erwartet nun nur noch ein Plus von 2,1 Prozent (bislang 4 Prozent). Die Inflationsrate dürfte auf 5,8 Prozent steigen, so hoch wie noch nie seit der Wiedervereinigung.

Hohe Rohstoffpreise und Lieferengpässe

Ein Grund für die Kurskorrektur beim Bruttoinlandsprodukt ist der hohe Anstieg der Rohstoffpreise. Auch die anhaltenden und neuen Lieferengpässe spielen eine große Rolle. Unter anderem das Verarbeitende Gewerbe leidet hier stark. Beispielsweise meldet die Automobilbranche Probleme, weil Kabelbäume aus der Ukraine nicht geliefert werden. Auch Vorleistungsgüter wie Weizen oder Metalle, die Deutschland sonst aus der Ukraine und Russland bezieht, fehlen.

Entspannung erst in der zweiten Jahreshälfte

Das Institut für Weltwirtschaft geht davon aus, dass sich die Situation erst in der zweiten Jahreshälfte wieder entspannt. Oder anders gesagt: Der Ukraine-Schock verzögert die Rückkehr zum Vor-Corona-Niveau in die zweite Jahreshälfte. "Den kräftigen Auf- und Nachholeffekten nach dem Wegfall der meisten Infektionsschutzmaßnahmen stehen die Schockwellen infolge des Ukraine-Krieges gegenüber", sagte Stefan Kooths, Konjunkturchef und Vizepräsident des IfW Kiel. Die ökonomischen Verwerfungen infolge des Ukraine-Krieges dürften Deutschland in diesem und im kommenden Jahr insgesamt rund 90 Milliarden Euro an Wirtschaftsleistung kosten.

Deutlich höhere Energiekosten

Beim Thema Energiepreise gehen die Kieler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler davon aus, dass der Rohölpreis in den kommenden Wochen weiter steigt, dann aber bis Ende 2023 wieder deutlich zurückgeht. Insgesamt dürfte die deutsche Energieimportrechnung im Jahr 2022 um rund 40 Milliarden Euro höher ausfallen, als noch in der Dezemberprognose veranschlagt war.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 17.03.2022 | 12:00 Uhr

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