Stand: 20.05.2020 14:41 Uhr  - Schleswig-Holstein Magazin

Mit innovativer Methode effizienter düngen

Es war die Wut der Bauern, die sie Anfang März zur Sternfahrt auf die Straßen gebracht hatte - die Wut über die geplante Düngemittelverordnung: 20 Prozent weniger Dünger darf ab dem kommenden Jahr ausgefahren werden, heißt es darin, und die Landwirte befürchten 20 Prozent weniger Ertrag als Konsequenz. Ein Landwirtschaftsstudent aus Schuby (Kreis Schleswig-Flensburg) hat sich in seiner Abschlussarbeit mit effektiven Düngemethoden beschäftigt - und ist dabei auf ein Verfahren gestoßen, das weniger Gülle auf die Maisfelder und den Bauern gleichzeitig keine Einbußen bringen kann.

Gülle wird in den Boden gespritzt

Das Land hat ein großes Problem: Das Grundwasser ist nitritbelastet. Es wurde zu viel gedüngt, und die EU droht mit hohen Strafen. Also schrieb der Schubyer Jan Joost seine Abschlussarbeit über effektive Düngemethoden, unter anderem: die Strip-Till-Technik, auch Streifenbearbeitung genannt. Damit wird die Gülle unterirdisch in den Boden gespritzt, gleichzeitig wird der Boden aufgelockert. "Über ein Gülleauslassrohr wird die Gülle in den Boden injiziert", erklärt Joost. Sehen kann man es nicht, wenn man auf dem Feld steht. "Der Riesenvorteil bei diesem Strip-Till-Gerät ist, dass wir zwei Öffnungen haben," weiß der junge Landwirt. Damit könne die Gülle in einer Tiefe von 10 bis 30 Zentimetern in den Boden eingelassen werden. "Dadurch hat der Mais schneller Nährstoffe und kann schneller anfangen zu wachsen."

Landwirt Jan Joost.
Jan Joost hat in eine Strip-Till-Maschine investiert - und wird von anderen Landwirten fürs Düngen engagiert.
Dünger kommt direkt dorthin, wo er gebraucht wird

Das Besondere an der Methode sei, dass der Dünger ohne Umwege dorthin kommt, wo er gebraucht wird: Direkt da, wo die Wurzeln der Pflanze sind. Der Mais ziehe sich alle Nährstoffe aus dem Boden, es könne kein Stickstoff bis ins Grundwasser gelangen, wo es zu Nitrat wird. Wichtig sei bei der Methode, dass der Mais in genau die gleichen Streifen ausgetragen wird wie der Dünger. Dafür nutzt der Bauer die Satellitendaten der Strip-Till-Maschine.

Bei der herkömmlichen Breitverteilung der Gülle über das Feld würden bis zu 30 Prozent der Nährstoffe verdunsten, sagt der junge Landwirt. Es müsste nachgedüngt werden. Hier nicht. Was noch auffällt ist, dass es auf dem Feld nicht unangenehm riecht - denn die Gülle ist im Boden. Auch die Landwirtschaftskammer setzt auf die Düngemethode: In Dannwerk (Kreis Schleswig-Flensburg) läuft ein Demoversuch, der Erkenntnisse über die Effizienz des Verfahrens bringen soll.

Kosten im Vergleich: "Plus-Minus-Null"

60.000 Euro hat die besondere Maschine gekostet, die Joost angeschafft hat. Seine Methode trifft auf Zuspruch: Landwirte buchen Joost für die Düngung ihrer Felder, auch wenn das Verfahren teurer ist als die gewöhnliche Art der Düngung. Statt 60 Euro müssen Bauern hier 140 Euro pro Hektar aufbringen. Doch für die Landwirte lohne es sich - weil andere Arbeitsschritte wegfielen. "In der Regel wird danach noch gepflügt und das Saatbett gemacht - das sparen wir uns", sagt Bauer Volker Asmussen. "Das hebt die Kosten dann auf. Wir laufen Plus-Minus-Null." Bei dieser Methode spare der Auftraggeber etwa 40 Prozent an Düngemitteln, das entspreche 1.000 Euro, sagt Jan Joost. Dennoch gebe es einige Vorbehalte und Sorgen der Bauern, dass die Methode nicht das hält, was sie verspricht. "Grundsätzlich muss man ihnen die Technik gut erklären", weiß Joost, "am besten an einem Praxisbeispiel." Auf dem Papier müsse es auch stimmen, dass die Landwirte mit den Kosten hinkommen, sagt er . "Das ist ein großer Faktor in der Landwirtschaft."

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